Stolberg - Verkehrskonzept West: Neue Tangenten seit 40 Jahren bekannt

Verkehrskonzept West: Neue Tangenten seit 40 Jahren bekannt

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:

Stolberg. Die „Erarbeitung einer wissenschaftlich fundierten Lösung des Stolberger Verkehrsproblems” hat der Stadtrat beschlossen. Die „Arbeitsgemeinschaft, Entwicklungs- und Verkehrsplanung Aachen” (Ageva) wurde mit der Erarbeitung eines Generalverkehrsplans beauftragt.

Das war 1970; mit der kommunalen Neugliederung 1972 wurde der Untersuchungsbereich auf die neuen Stadtteile erweitert. Im April 1974 lag das mit Schreibmaschine verfasste Konzept vor; die Trassen für Umgehungen wurden noch mit Farbstiften auf den Karten eingezeichnet. Inzwischen ruht das Werk von der Zeit vergilbt im Archiv des Planungsamtes, doch an seiner Aktualität scheint es wenig verloren zu haben.

Denn just das, was das in diesen Tagen die Aachener Ingenieurgruppe IVV als Essenz ihrer Verkehrsuntersuchung für das westliche Stadtgebiet vorstellt sowie mit aktuellem Zahlenmaterial belegt und untersucht, war für die Ortslage Breinig bereits 1974 Bestandteil des Generalverkehrsplans. Sowohl eine Nordtangente zwischen „Auf dem Acker” (L12) und der Schützheide (K22) war vorgesehen wie auch eine Osttangente.

Allerdings sollte diese vor 40 Jahren auch die Ortslage Breinigerberg entlasten, in dem die so genannte L12n den „Wingertsberg” südlich liegen ließ, Breinigerberg nördlich nicht berührte und etwa in Höhe der Waldschänke die heutige L12 trifft, um dann in einem weiteren Bogen nördlich der Kerpen-Werke weiter nach Osten auf eine Osttangente zu treffen, die von Diepenlinchen über die Höhenstraße und seinerzeit noch nicht vorhandene „Steinfurt” auf die L238 zu führen.

Auch im Flächennutzungsplan von 1981 ist eine Trasse für die Breiniger Osttangente vorgesehen, die in etwa bei der Buttergasse auf die L24 nach Zweifall trifft. Ein Stück davon wurde jüngst bei der Planung für das Sportzentrum Breinig mit Kunstrasen überplant - mit der Vorgabe an die Verwaltung, Ersatz zu schaffen...

Die meisten Vorschläge aus dem Generalverkehrsplan sind schon veraltet. Neben dem beginnenden Bewusstsein für Umwelt- und Landschaftsschutz haben vor allem fehlende Finanzen dazu geführt, dass die Pläne größtenteils bei den Akten ruhen. Das, was von den alten Vorschlägen im Laufe der Jahrzehnte realisiert wurde, sind vor allem die K6 durch den Burgholzer Graben, die zweispurige Europastraße (L238) sowie Teile des Mühlener Rings. Damals sollte die K6 noch durch eine abgerissene Altstadt, die L238n vierspurig mit einer Brücke über den Hammer Bahnhof führen, und der Mühlener Ring auch durch das heutige Naturschutzgebiet Blankenberg geschlossen werden.

Auch für die Atsch hatte der Generalverkehrsplan eine Lösung: Die Würselener Straße (L23n) bog von Verlautenheide kommend hinter Schwarzenbruch durch den Wald ab und mündete auf eine neue Sebastianusstraße (L221n), die südlich der Atsch auf der alten Straßenbahntrasse durch die Hamm zum Geisberg führen sollte. Das hätte den gesamten Ort vom Durchgangsverkehr befreit, aber die Natur im Münsterbachtal unwiederbringlich zerstört.

Heute sieht die Lösung für Atsch in einer Umgehung nördlich der Waldsiedlung zwischen Münsterbachstraße (L236) und Würselener Straße (L23) aus. Auch diese Trasse wird in dem IVV-Konzept untersucht und als sinnvoll empfohlen. Und ebenso ist diese Atscher Ortsumgehung keine Neuerung, sondern bereits fester Bestandteil des nach sechsjähriger Konzeptionierung vom Landtag im Jahr 2006 verabschiedeten Landesstraßenbedarfsplans.

Dort rangiert sie heute auf der Prioritätenliste mit der laufenden Nr. 236 unter ferner liefen. Das Projekt mit unbekannten Dimensionen durch den Würselener Wald ist als derart nachrangig eingestuft, dass der Landesbetrieb Straßenbau noch nicht einmal eine Planung für die willkürlich gezogene Linie auf einer Karte anlassen darf. Fortschrieben will Düsseldorf den Landesstraßenbedarfsplan nun im Jahr 2015.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert