Stolberg - Venwegener sind älter als Unterstolberger

Venwegener sind älter als Unterstolberger

Von: Nina Leßenich
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Rentner
In Stolberg wird bis 2030 ein Bevölkerungsrückgang von über fünf Prozent erwartet. Foto: dpa

Stolberg. Es sind kleinen Dinge im Alltag, an denen man den demografischen Wandel auch direkt vor der Haustüre bemerkt: etwa an den Lupen am Einkaufswagen oder an der zunehmenden Anzahl an Altenheimen und Betreuungsdiensten. Dass die Menschen älter werden, zeigt sich an vielen Stellen – auch in Stolberg.

Das steigende Alter der Menschen erkennt man zum Beispiel dann, wenn man die Größe der verschiedenen Altersgruppen in der Kupferstadt betrachtet: Die größte Altersgruppe der Stolberger machen in diesem Jahr die 30- bis 49-Jährigen mit einem Anteil von 25,76 Prozent aus, dicht gefolgt von den 50- bis 64-Jährigen mit einem Anteil von 21,97 Prozent. Den dritten Platz belegen die 65- bis 79-Jährigen mit rund 16 Prozent. Summiert man die Werte stellt man fest: Mit rund 64 Prozent ist weit mehr als die Hälfte der Stolberger Bevölkerung älter als 30 Jahre.

Das Durchschnittsalter der Stolberger von 42,1 Jahren trifft jedoch nicht auf alle zu: Verteilt auf die einzelnen Stadtteile zeigen sich deutliche Unterschiede in der Altersstruktur der Kupferstädter. Besonders auffällig: Die Differenz zwischen Venwegen und Unterstolberg. Während der durchschnittliche Bewohner von Venwegen etwa 47,7 Jahre alt ist, liegt das Durchschnittsalter der Unterstolberger mit 38,2 Jahren gut zehn Jahre darunter.

Der Hauptgrund für diesen deutlichen Unterschied sei vor allem die jeweilige Infrastruktur in den Stadtteilen, weiß Jessica Lerche von der Städteregion Aachen. Am Beispiel von Venwegen und Unterstolberg erkennt man die Bedeutung solcher Faktoren sehr gut: Im durchschnittlich ältesten Stadtteil Venwegen gibt es keine Schulen, in Unterstolberg mit der Grundschule Hermannstraße, dem Ritzefeld Gymnasium, der Ganztagshauptschule und dem Berufskolleg ganze vier.

„Faktoren wie Kindergärten, Schulen oder auch die Anbindung zu öffentlichen Verkehrsmitteln können ausschlaggebend dafür sein, wie die Altersstruktur in einem Stadtteil sich entwickelt“, bestätigt die Zuständige für Kultur und empirische Forschung. Manche Stadtteile seien daher älter als andere: In allen Stadtteilen eine absolut gleichwertige Infrastruktur zu schaffen sei eben nicht möglich.

Der demografische Wandel drücke sich allerdings nicht nur in einem steigenden Durchschnittsalter der Menschen aus. Auch ergebe sich ein weiteres Problem: Die Bevölkerung schrumpfe.

Die Daten aus der Erhebung „Wegweiser Kommune“ der Bertelsmann-Stiftung zeigen: Bereits im Zeitraum von 2005 bis 2012 ging die Bevölkerung in Stolberg um rund 2,2 Prozent zurück. Bis 2030 wird ein weiterer Rückgang von bis zu 5,1 Prozent prognostiziert. Ähnlich wird sich wohl die gesamte Städteregion Aachen entwickeln: Bis zum Jahr 2030 erwartet diese laut einer Pressemitteilung einen Rückgang der Bevölkerung um rund 10.000 Einwohner. Grund dafür sei vor allem die niedrige Geburtenrate in der Region, welche mit 1,26 Prozent eine der niedrigsten in ganz Nordrhein-Westfalen sei.

In Konsequenz sei jede Generation um ein Drittel kleiner, als die vorherige. „Die Bevölkerung wird sowohl in der Städteregion als auch in Stolberg in den kommenden Jahren abnehmen“, weiß auch Jessica Lerche. Trotzdem handele es sich bei solchen Daten nur um Prognosen - und die seien eben nie ganz genau. „Grundsätzlich sind diese Prognosen sehr verlässlich“, sagt Lerche. Nichtsdestotrotz würden aber auch diese von der Infrastruktur abhängen. „Menschen wollen dort leben, wo sie arbeiten können. Grundsätzlich ist Stolberg in Hinblick auf das Thema Arbeitsplätze gut aufgestellt und gibt wenig Grund zur Sorge“, so Lerche. „Wenn aber eine große Firma in Stolberg schließen würde, müsste man die Daten für den Bevölkerungsrückgang vermutlich nach oben korrigieren.“

Für die Entwicklung von Städten wie Stolberg sei es deshalb wichtig, die Veränderungen der Gesellschaftsstruktur zu erkennen, anzunehmen und zukünftige Pläne daran anzupassen. Dass dies in Stolberg bereits geschieht bestätigt Tobias Röhm, Leiter des Dezernats für Infrastruktur und Stadtentwicklung. „Das Thema Demografie spielt bei uns durchaus eine wichtige Rolle“, meint Röhm. „Aktuell besteht ja zum Beispiel der Antrag auf Förderung für die Innenstadtsanierung“, erklärt er. In den Plänen für die Sanierung seien auch Aspekte enthalten, die im Rahmen der demografischen Entwicklung von Stolberg wichtig seien. Derzeit fehle aber noch die Zustimmung für den Antrag. „Der gesamte Plan zum Innenstadtentwicklungsprogramm liegt aktuell noch bei der Bezirksregierung Köln vor“, so Röhm.

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