Stolberg-Schevenhütte - Unterm Wasser: Sommertour unserer Zeitungsleser bei sieben Grad

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Unterm Wasser: Sommertour unserer Zeitungsleser bei sieben Grad

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Die Lesergruppe genießt den Spaziergang bei frischer Luft und Sonnenschein, bevor es „unter Tage“ geht.
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Hier fließen zwischen 100 und 200 Liter Wasser pro Sekunde aus der Talsperre in den Wehebach.
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Im Kontrollgang ist die Gruppe nicht am oder auf, sondern in dem Staudamm – und fast 40 Meter tief unter Wasser.
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Im Auslaufbauwerk der Wehebachtalsperre wird aus Wasserkraft Strom generiert, der bis zu 100 Haushalte versorgen kann.
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Ralph Prost, Betriebsleiter der Wehebachtalsperre in Schevenhütte, erläutert den Lesern humorvoll viele interessante Details.
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Im Wasser-Entnahmeturm der Wehebachtalsperre lockt auch der faszinierende Blick nach oben. Hier kann das Wasser aus dem Stausee in Schevenhütte auf sechs verschiedenen Ebenen in die Leitungen gelangen. Foto: D. Müller

Stolberg-Schevenhütte. An und auf der Wehebachtalsperre sind sicher schon viele Menschen gewesen, denn das imposante harmonisch in die Natur eingebettete Bauwerk zieht Stolberger wie Touristen an. 23 unserer Leserinnen und Leser sind aber tatsächlich auch in der Wehebachtalsperre des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER):

Die exklusive Führung für Abo­plus-Kunden im Rahmen unserer Aktion „6 x Sommer“ gewährt im wahrsten Sinne des Wortes interessante Einblicke, direkt im Inneren des Staudamms. Doch bevor es „unter Tage“ oder besser gesagt unters Wasser geht, genießt die Gruppe noch schöne Ausblicke unter freiem Himmel und im Sonnenschein – außer Ralph Prost. „Das ist für mich kein schönes Wetter, ich warte auf Regen“, sagt der Betriebsleiter der Wehebach­talsperre. „Wir haben nur noch 13 Millionen Kubikmeter Wasser auf Lager – das ist doch nix“, scherzt Prost. Als einige Leser die Stirn runzeln, klärt er auf, dass der Wasserspiegel der Talsperre momentan zwar um drei bis vier Zentimeter täglich sinke, aber „sie ist noch mehr als zur Hälfte gefüllt. Damit könnten wir noch ein ganzes Jahr ohne einen Tropfen Regen auskommen.“

Leer sei der Stausee in den 30 Jahren, seit er angelegt wurde, noch nie gewesen. Die Leser blicken nach unten und sehen den Zulauf zum Wehebach. „Je nach Bedarf speisen wir 100 bis 200 Liter Wasser pro Sekunde ein, damit der Bach nicht trocken fällt“, erklärt Prost.

Oberhalb der Gruppe befindet der Hochwasserschutz, eine breite Betonrinne mit 50 Meter Höhenunterschied, über die im Falle des Falles Wasser aus dem See abgelassen werden kann. Was allerdings noch nie passiert sei, betont der Betriebsleiter: „Der Hochwasserschutz ist nur ein einziges Mal zum Einsatz gekommen – für einen Testlauf.“ Auf dem Weg zur Tunnelröhre erläutert Prost eine weitere Sicherheitsmaßnahme anhand von einem der Messpunkte: „Die Höhe und die exakte Position des Damms werden einmal im Monat gemessen und mit den vorherigen Messungen abgeglichen, um Gefahren für das Bauwerk erkennen zu können.“ Die bisherigen Ergebnisse seien sehr beruhigend gewesen.

Im Klartext ist der Staudamm genau da, wo, und genau so hoch, wie er sein soll. Auf der Dammkrone angekommen, bietet sich den Lesern das Panorama der Wehebachtalsperre, die – auch wenn künstlich angelegt – eine harmonische Einheit mit der Natur zu bilden scheint. Prost bestätigt diesen Eindruck: „Der Stausee ist umgeben von einem wahren Naturparadies.“ Die ausgedehnte Schutzzone um das Wasserreservoire begünstige eine reichhaltige wie vielfältige Flora und Fauna. „Tiere und Pflanzen vermehren sich hier sehr gut. Zum Beispiel unsere Biber, die eigentlich polnische Einwanderer sind.“

Aus den wenigen seinerzeit aus Polen eingeführten Bibern sei inzwischen eine stattliche Population geworden. Dämme bauten sie freilich aber kleinere als der WVER. Obwohl das Metier des Talsperrenbetriebsleiters Wasser ist, legt Prost oft erstaunlich trockenen Humor an den Tag, unterhält unsere Leser immer wieder mit kleinen Anekdoten oder lockeren Sprüchen, spielt sich mit Marcus Seiler, dem Pressesprecher des Wasserverbands Eifel-Rur, manchen Witz zu.

Ernster werden die beiden immer dann, wenn es um das Thema Sicherheit geht, das sich im Kon­trollgang fortsetzt. Im Bereich, in dem außerhalb des Kontrollgangs längst „Land unter“ ist, bemerken die Leser starke Feuchtigkeit im Tunnel, doch Prost gibt Entwarnung: „Was Sie sehen, ist hauptsächlich Kondenswasser, denn hier unten ist es auch im Sommer mit 7 Grad Celsius recht kühl. Im Winter hat es den Vorteil, dass die 7 Grad eher warm sind, dann ist die Röhre auch so gut wie trocken.“

In den mehr als 400 Meter langen Betontunnel trete mit 0,6 Litern pro Sekunde relativ wenig Sickerwasser ein, das gezielt wieder aus dem Kontrollgang entfernt werde. „Man kann sagen, das Bauwerk ist fast dicht“, meint Prost. Er verweist auf die Funktion der Drainagerohre, die sich alle zehn Meter an der Wand der Röhre befinden: „Sie bilden eine Art Warnsystem, das uns bei der Lokalisierung von etwaigen Schäden im Damm hilft.“ Sollte es Löcher im Sperrbauwerk geben, führen diese Rohre Wasser, und am einzelnen Rohr lässt sich die Schadenszone in einer begrenzten Fläche ausmachen.

Dass dieses Warn- und Lokalisierungssystem funktioniere, habe ebenfalls ein Test bewiesen, denn auch diese Sicherheitsmaßnahme habe noch nie in einem Ernstfall greifen müssen. Ziel der „Unterwasserwanderung“ ist der Entnahmeturm, in dem auf sechs verschiedenen Ebenen Wasser in die Leitungen gelangen kann, um der angeschlossenen Trinkwasseraufbereitung der Wassergewinnungs- und -aufbereitungsgesellschaft Nordeifel zugeführt zu werden. „Die Entnahmeklappen befinden sich auf sechs Ebenen, weil das Wasser auf unterschiedlichen Höhen von verschiedener Qualität ist“, führt Prost aus.

Meist eigne sich das kühle Nass aus dem unteren Drittel des Sees besser, um daraus Trinkwasser zu gewinnen. Mit dem Bild des Stöpsels in der Badewanne verdeutlicht der Betriebsleiter den Grundablass: „Im Notfall oder zur Spülung können wir den Stöpsel öffnen, und den Stausee leerlaufen lassen.“

Die informative und spannende Führung endet im kleinen Wasserkraftwerk der Talsperre, das immerhin bis zu 100 Haushalte mit Strom versorgen kann.

Unsere Leser waren für die tiefen Einblicke gut gerüstet, denn Seiler hatte in einer Vorstellung des WVER bereits viele Fakten aufgedeckt, zum Beispiel den Unterschied zwischen einer Staumauer und einem Damm erklärt: „Der Damm in Schevenhütte ist eben nicht gemauert, sondern aufgeschüttet, und zwar mit aus dem Stauraum gewonnenen 750000 Kubikmetern Grauwacke und Schiefer“, sagte Seiler.

Der Pressesprecher beschrieb auch das Prinzip der „Vergleichmäßigung“ des Wasserflusses: „Bei Regenfällen sammeln wir das Wasser zum Hochwasserschutz im Stausee, und bei Trockenheit sichert das Reservoire die Trinkwasserversorgung und speist Flüsse und Bäche, damit sie nicht austrocknen.“

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