Und der Papst bekommt ein weißes Halstuch

Von: Kolja Linden
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Es soll der Höhepunkt der Romreise werden: Die Messdiener aus Münsterbusch und ihre vielen Mitgläubigen werden eine Audienz bei Papst Benedikt XVI. erleben. Foto: ddp

Stolberg. Zum Vortreffen in Aachen haben sie Wasser des Münsterbachs aus dem Gedautal mitgebracht, die Koffer für die große Reise werden aber wohl ohne Wasser gepackt: Sechs junge Messdiener und zwei Betreuer aus Münsterbusch machen sich am übernächsten Sonntag auf den Weg nach Rom, zum größten Ministrantentreffen der Welt.

In der „Ewigen Stadt” werden sie auf rund 45000 Messdiener aus ganz Europa treffen, die allermeisten davon aus Deutschland.

Herz und Seele der Stolberger Gruppe sind Ferdinand Evertz und sein Sohn Simon. Der Familienvater kümmert sich seit rund zehn Jahren um die Messdienerarbeit in Herz-Jesu Münsterbusch - ungewöhnlich für einen Laien, denn sonst übernimmt meist der jeweilige Priester diese Aufgabe.

Weil aber der ehemalige Pfarrer von Herz Jesu, Hugo Werr, lange krank war, 2002 starb und nie ersetzt wurde, wuchs Evertz in diese Aufgabe hinein und Sohn Simon, seit neun Jahren Ministrant, ist ebenfalls längst mit der ehrenamtlichen Arbeit vertraut.

Der erst 18-Jährige betreut seit vier Jahren junge Messdiener, leitet regelmäßig Gruppenstunden und bildet schon den Nachwuchs aus.

Eine Arbeit, die seit der Zusammenlegung der Pfarren zur Großpfarre St. Lucia noch intensiver geworden ist. „Bei Großveranstaltungen wie Fronleichnam organisiert Simon die Dienste”, sagt sein Vater.

„Er ist das Bindeglied zwischen dem Priester und den Messdienern.” Wenn Pastor Funken Ministranten braucht, dann ruft er oft Simon Evertz an, der sich dann ins Zeug legt. „Man muss nicht nur sehen, dass man die Leute die Leute dafür bekommt, man muss auch Gewänder besorgen”, sagt der 18-Jährige.

Unterschiedliche Priester der Großpfarre hätten auch unterschiedliche Erwartungen. Manche wollten zum Beispiel vor bestimmten Gottesdiensten proben, andere nicht. „Man muss aber auch aufpassen, dass man die Kinder nicht überfordert, sonst haben sie keine Lust mehr”, sagt Simon.

Denn Messdienerarbeit, das ist nicht nur Kinderbespaßung. In der Gruppe wird nicht nur gespielt, sagt Ferdinand Evertz, „da wird auch Glaube vermittelt und das, was die Inhalte und Geheimnisse einer Messfeier ausmachen.”

Die Motivation, die erreiche man durch Aktionen wie gemeinsame Ausflüge, zum Beispiel zu den Karl-May-Festspielen nach Elspe, oder Messdienertage, an denen Pizza und Eis gegessen wird. „Messdiener sein bedeutet nicht nur, die Messe zu dienen”, sagt Simon.

In den sieben einzelnen Gemeinden der Pfarre St. Lucia sollen die jeweiligen Messdienergruppen erhalten bleiben. Zugleich entsteht aber auch eine neue Gemeinschaft.

Erst kürzlich trafen sich 55 der insgesamt rund 80 Messdiener von St. Lucia zu einem Kennenlern-Treffen (wir berichteten), weitere sollen folgen. „Das ist doch toll”, sagt Simon Evertz, „dass man nicht nur in der eigenen Gemeinde hockt, sondern auch über den eigenen Tellerrand hinausschaut.”

Ziemlich weit schauen die Münsterbuscher Ministranten abSonntag, 1. August, über diesen Tellerrand. Nachmittags geht es in Aachen in den Bus mit Kollegen aus Baesweiler und Merkstein, am nächsten Morgen wird die Gruppe Latina erreichen, ein kleines Städtchen südlich von Rom.

Von dort gilt es dann, an sechs Tagen die Ewige Stadt zu erkunden - natürlich gemeinsam. Angeboten werden verschiedene Programmmodule, auf die man sich busweise einigt.

Das antike, das christliche oder das moderne Rom stehen dabei ebenso auf dem Plan wie das Untertauchen in die Calixtus-Katakomben, in denen sich die frühen Christen vor der Verfolgung versteckt haben.

Perfekt organisiert sei die Fahrt vom Aachener Bistum, das selbst mit 825 Teilnehmern vertreten sein wird, sagt Ferdinand Evertz. Erkennbar an den roten Kappen mit dem Logo des Bistums werden diese sich immer wieder über den Weg laufen in Rom.

Die Vorfreude ist jedenfalls groß: Im Juni haben die Münsterbuscher Messdiener extra Kuchen gebacken und verkauft, um damit einen Teil der Fahrt zu finanzieren. Dreizehn wurden gebacken, rund 100 Stücke gingen über die Theke.

Auch Betreuer Ferdinand Evertz freut sich auf das „riesige religiöse Ereignis”, auch weil ein für ihn wichtiger Sinn dahinter steckt. Man müsse Jugendlichen solche Erlebnisse verschaffen in einer Zeit, in der der Glaube immer mehr abnehme, sagt er. „So kann man vielleicht den Glauben wecken und am Leben erhalten.”

Zum 50-jährigen Bestehen eine Audienz bei Benedikt XVI.

Organisiert wird das internationale Ministrantentreffen, zu dem 45000 Teilnehmer aus 18 Ländern erwartet werden, von Coetus Internationalis Ministrantium (CIM), dem internationalen Messdienerzusammenschluss, der in diesem Jahr sein 50-jähriges Bestehen feiert.

Erster Höhepunkt der Wallfahrt ist am Dienstag, 3. August, ein großes Treffen der internationalen Messdiener-Gemeinde mit viel Musik, Vorträgen und einem Glaubensbekenntnis auf dem Petersplatz.

Zwei Lieder wurden extra einstudiert, die unter dem Motto „Aus der wahren Quelle trinken” von dem riesigen Chor angestimmt werden.

Der zweite Höhepunkt ist sicher am Mittwoch die Papst-Audienz an gleicher Stelle, wo für die zahlreichen Messdiener, an die sich Benedikt XVI. mit einigen Sätzen direkt wendet, ein eigener Bereich reserviert ist.

Als Eintrittskarte fungiert ein Halstuch, an dem alle Teilnehmer zu erkennen sein werden. Dem Papst wird ein eigenes, weißes Halstuch überreicht. „Das wird das Highlight der Wallfahrt”, ist sich Simon Evertz sicher.

Die Rückfahrt der Aachener Gruppe ist für Samstagnachmittag terminiert, Ankunft im heimischen Bistum am Sonntagmorgen, 8. August.

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