Stolberg - Und dann ist der Krieg für einen Stolberger brutale Wirklichkeit

Und dann ist der Krieg für einen Stolberger brutale Wirklichkeit

Von: Dirk Müller
Letzte Aktualisierung:
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Voller Enthusiasmus zieht der 16-jährige Hermann Boeddinghaus im August 1914 in den Krieg. Repro: D. Müller

Stolberg. Im Sommer 1914 meldet der Stolberger Hermann Boeddinghaus sich als Freiwilliger für den Ersten Weltkrieg. „Hoffentlich komme ich … auf ein paar Monate ins Feld“, schreibt der damals 16-Jährige im November seinem Vater Dr. Walther Boeddinghaus.

Als 1914 der Erste Weltkrieg ausbricht, ist der junge Hermann Boeddinghaus zunächst voller Enthusiasmus und glorifiziert den Offiziersberuf wie den Krieg. Bis 1918 schreibt er mehr als 400 Briefe an seine Eltern, die heute in Buchform ein authentisches und grausames Zeugnis der Kriegszeit darstellen. Denn die Vorstellungen des Stolbergers weichen immer mehr von der Realität ab, sein romantisches Ideal vom Kriegshelden verendet sukzessive in den Schützengräben des Stellungskriegs. Der jugendliche Übermut des Freiwilligen weicht der Zermürbung durch die brutale Wirklichkeit des Krieges.

1917 schreibt Boeddinghaus nach Stolberg: „Der Krieg dauert entschieden zu lange“, und „man kann sich gar nicht vorstellen, was es heißt, bis zum Bauch im Wasser zu stehen und unter schwersten Verlusten im stärksten Granatfeuer zu liegen“. Während er 1915 noch seinem Vater zur angestrebten Offizierslaufbahn schreibt: „Für einen anderen Beruf eigne ich mich gar nicht“, relativiert sich seine Ansicht zusehends. 1916 meint Boeddinghaus, dass ihm „der stumpfsinnige Offiziersberuf nicht behagt“. Er bezeichnet in seinen Briefen den Ersten Weltkrieg immer öfter als eine „Schweinerei“, und im Brief vom 8. Dezember 1917 schreibt er: „Ich bin doch ein furchtbarer Esel gewesen, dass ich mich freiwillig gemeldet habe.“

Boeddinghaus überlebt den Ersten Weltkrieg. Danach ist eine Offizierslaufbahn für ihn kein Thema mehr. Nach dem Krieg beginnt er ein Studium in Aachen. Boeddinghaus heiratet 1926 Luise von Asten, Tochter von Max von Asten aus der Stolberger Kupfermeisterfamilie. Während des Zweiten Weltkriegs fällt Hermann Boeddinghaus am 21. September 1941 in Russland, sechs Wochen später kommt seine Tochter Ingrid zur Welt. Mit ihrem Bruder Dr. Gerhard Boeddinghaus hat Dr. Ingrid von der Dollen die Briefe aus dem Ersten Weltkrieg abgeschrieben. Sie ist die Herausgeberin des Buches „Der Erste Weltkrieg – Briefe an die Eltern“ (erschienen im KAT-Verlag, ISBN: 978-3-9803567-7-0).

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