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Türkische Staatsbürger dürfen im Konsulat wählen

Von: Daniel Gerhards
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Neue Wahlmöglichkeit: Türken sollen bald auch aus Deutschland ihren Ministerpräsidenten wählen dürfen. Foto: stock/Xinhua

Stolberg. Von ihrem Wahlrecht sollen die in Deutschland lebenden Türken im August erstmals aus der Bundesrepublik Gebrauch machen dürfen. Das hat Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan bei seinem jüngsten Besuch in Berlin angekündigt.

Das sei eine „große Erleichterung“, meint Ahmet Ekin, Vorsitzender des Stolberger Integrationsrates. Denn bei bisherigen Wahlen mussten türkische Staatsbürger in die Türkei reisen, um an Flughäfen oder Grenzübergängen ihre Stimmen abzugeben. Eine Briefwahl gibt es in der Türkei nicht.

Die Reise in die Türkei scheuten allerdings viele Wahlberechtigte. Sich nur für das Kreuzchen in den Flieger zu setzen, war den meisten der rund 1,5 Millionen in Deutschland lebenden Türken zu teuer und zeitaufwendig. Obwohl die Flüge in der Vergangenheit häufig von den Parteien gesponsert wurden, ließ diese Hürde die Wahlbeteiligung der Auslandstürken auf zuletzt nur noch fünf Prozent sinken.

Für Ekin ist die Möglichkeit, in Deutschland den Ministerpräsidenten und das Parlament zu wählen, eine sehr sinnvolle Sache. Denn das Geschehen in Ankara und Istanbul interessiere auch viele Türken, die schon Jahrzehnte in Deutschland leben. „Die türkische Politik ist eines der Hauptthemen, sobald vier oder fünf türkischstämmige Leute zusammenstehen“, sagt er.

Informationen zur neuen Wahlmöglichkeit bekommen die Auslandstürken aus den Medien, vom Integrationsrat und in ihren Gemeinden. So auch in der Stolberger Ditib-Gemeinde. Der Vorsitzende Turgay Sacu erklärt, dass man dafür ins türkische Konsulat müsse – die nächste Vertretung ist in Köln.

Wie groß der Ansturm in den Konsulaten sein wird, kann Konsul Adnan Hayal vom türkischen Generalkonsulat in Köln noch nicht abschätzen. Seine Einrichtung ist für Aachen, Köln, Bonn, Siegburg und Euskirchen zuständig. „Wir wissen noch gar nicht, wie viele Wahlberechtigte es in diesem Raum gibt“, sagt Hayal.

Dabei sei noch gar nicht abschließend geklärt, ob der türkische Ministerpräsident auf deutschem Boden gewählt wird. Nach türkischem Recht könne man jetzt aus dem Ausland wählen, sagt Hayal. Nun müssten nur noch die deutschen Behörden zustimmen.

Wahlen in der Türkei hin oder her, viele türkische Staatsbürger aus Stolberg würden lieber in der Politik der Kupferstadt mitbestimmen. Hasan Ceylan, Vorsitzender der Stolberger Milli-Görüs-Gemeinschaft, ist selber deutscher Staatsbürger. Er weiß, dass viele Ausländer liebend gern den Bürgermeister wählen würden. „Die Leute sind ja keine Gastarbeiter mehr. Sie leben hier, das ist ihre Heimat“, sagt er. Im Zweifel kann der Stolberger Bürgermeister für die Türken in der Kupferstadt wichtiger sein als der türkische Ministerpräsident.

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