Stolberg - Türen geöffnet für das neue Wohnquartier Steinweg

Türen geöffnet für das neue Wohnquartier Steinweg

Von: Jürgen Lange
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Dienstleistungen und Einzelhandel sind im oberen Steinweg auch weiterhin erwünscht, aber die Entwicklung als „historisch geprägtes Kultur- und Wohnquartier soll durch die Aufstellung eines Bebauungsplanes nun forciert werden. Foto: J. Lange
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Sind bemüht, vom Rathaus aus Wohnraum für Studenten am Steinweg zu vermitteln: Andreas Pickhardt und Katharina Oebel.

Stolberg. Seit einem Vierteljahrhundert suchen die Stolberger nach dem Allheilmittel für den Steinweg. Gefunden haben sie es zwar noch nicht, aber eine neue Medizin soll nun versucht werden, um Oberstolberg zwischen Kaiserplatz und Aachener Straße neues Leben einzuhauchen.

Überarbeitet werden soll der Bebauungsplan für den Steinweg, so beschloss es der Stadtrat einstimmig, um ihn aktuellen Entwicklungen anzupassen und im südlichen Teil der alten Einkaufsstraße die Nutzung als Wohnraum zu vereinfachen.

„Bereits seit Mitte der 1980er Jahre wird versucht, gegen den zunehmenden Leerstand und stetigen Bedeutungsverlust des Steinwegs geeignete Maßnahmen zu ergreifen, um dem fortschreitenden Trading-Down-Effekt angemessen zu begegnen“, resümiert Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt und blickt nach vorne: „Es gilt das historische Zentrum vor weiterem Qualitätsverlust zu bewahren.“

Neue Funktionen sollen ihm in einem sich verändernden Stadtgefüge zukommen. Und diese Funktion lautet nun vor allem Wohnen in der Innenstadt. Auf den lange gehegten Traum einer Wiederbelebung als Einzelhandelsstandort macht man sich im Rathaus kaum noch Hoffnungen für den oberen Steinweg mit seiner Vielzahl an Leerständen. Im Rahmen des Entwicklungskonzeptes Innenstadt haben sich Planer und Politik intensiv mit der Problematik auseinander gesetzt. Eine Entwicklung hin „zum historisch geprägten Kultur- und Wohnviertel“ ist das Ziel, mit dem die Kupferstadt ganz im Trend der Zeit liege. Der Trend gehe zum innerstädtischen Wohnen, zu einer Stadt der kurzen Wege, die ohne Privatwagen zu bewältigen sind, beschreibt Pickhardt. Dies biete auch vor dem Hintergrund von Energiewende und demografischer Entwicklung „für aussterbende Innenstädte ein besonderes Potenzial“, setzt der Fachbereichsleiter auf eine Zukunft, die historische Bausub­stanz, Altstadtflair und Vichtbach stärker in Szene setzen soll. Dazu richten sich die Blicke der klammen Stolberger auf Land und Bund in der Hoffnung, irgendwann einmal in den Genuss von Fördermittel zu gelangen, um städtebauliche Akzente setzen zu können. Gedacht wird beispielsweise daran, den Vichtbach aus seinem Hinterhof-Dasein zu holen. Doch das sind noch Visionen.

Ganz aktuell steigt die Nachfrage, aus bisherigen Ladenlokalen Wohnraum zu machen. Vier Ausnahmegenehmigungen dazu hat die Stadt bereits erteilt, weil die bisherige planungsrechtliche Regelung ein Wohnen im Erdgeschoss ausschloss. Zukünftig soll für den Bereich zwischen Mühlen- und Aachener Straße durch die Festsetzung als „besonderes Wohngebiet“ eine Wohnnutzung in allen Geschossen ebenso ermöglicht wie auch ein Erhalt und eine Weiterentwicklung der Einzelhandels- und Dienstleistungsstruktur gewährleistet werden.

Vermehrte Nachfrage registriert

Damit will die Verwaltung auch dem politischen Wunsch der Förderung von Senioren- und Studentenwohnungen gerecht werden, „wobei wir eine vermehrte Nachfrage nach altersgerechtem Wohnraum in innovativen, innerstädtischen Wohnformen verzeichnen“, erklärt Pickhardt.

Der untere Steinweg bis zum Kaiserplatz soll weiterhin als Kerngebiet festgesetzt werden. „Er ist durch die Nähe zum Kaiserplatz noch deutlich als Einzelhandelsachse erkennbar“, resümiert der Fachbereichsleiter. Auch Leerstände seien in dem nördlichen Abschnitt der Fußgängerzone nicht so massiv wie im südlichen Teil. Deshalb soll die Funktion als historisch gewachsene Einzelhandelsachse gestärkt werden.

Dabei sollen die planerischen Regelungen dem heutigen Stand der Rechtsprechung angepasst werden. Sie sieht mittlerweile beispielsweise vor, dass in einem Kerngebiet eine uneingeschränkte Nutzung des ersten Obergeschosses als Wohnraum nicht mehr möglich wäre. Damit stünden die bisherigen Festsetzungen dem Ziel entgegen, die Fußgängerzone als Wohnquartier zu entwickeln.

Handlungsbedarf sehen die Stadtplaner aber auch für einen weiteren Bereich. Vergnügungsstätten sowie Betriebe mit einem sexuellen Charakter sollen ebenso ausgeschlossen werden wie Wettbüros. „Dies ist aufgrund der stetig steigenden Nachfrager notwendig“, erklärt Pickhardt. Solche Einrichtungen seien bereit, erhöhte Pacht zu zahlen, was den Mietspiegel verzerre und auch zu einem Qualitätsverlust des Gebietes beitrage. Vor einer Ausweitung soll der Steinweg geschützt und bestehende Einrichtungen auf ihren Bestandsschutz reduziert werden.

Vichtbach-Überbauung

Darüber hinaus sollen Überbauungen des Vichtbaches, die teilweise vom älteren Bebauungsplan Klatterstraße erfasst sind, der neuen Bauleitplanung zugeordnet werden. Neu geregelt werden soll auch die Gestaltungssatzung für den Steinweg, beispielsweise um die Nachfrage nach Balkon, Loggien und Dachgauben kanalisieren zu können.

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