„Trikot-Tausch”: Ausstellung im Rathaus eröffnet

Von: Dirk Müller
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Moderne Fußballtrikots sind schick und teuer: Doch die Näherinnen, die die Trikots herstellen, sehen oft nur einen geringen Prozentsatz des Kaufpreises. Darauf macht die Ausstellung aufmerksam. Foto: ddp

Stolberg. Anlässlich des Internationalen Frauentags hat Susanne Goldmann, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Stolberg, am Montagmorgen die Ausstellung „Trikot-Tausch” im historischen Rathaus eröffnet.

Die Wanderausstellung richtet sich speziell an Schüler ab dem dritten Schuljahr und deckt auf, wo und vor allem wie namhafte deutsche und internationale Sportausstatter ihre Produkte herstellen. „Die Fußball-WM und der damit verbundene Run auf Sportbekleidung steht in diesem Jahr ins Haus. Mit der Ausstellung wollen wir die Kinder für das Thema sensibilisieren, unter welchen Bedingungen die teuren Markenprodukte gefertigt werden”, erklärte Goldmann.

Auch führende Deutsche Labels sind eben nicht „Made in Germany”, sondern werden aus Kostengründen in Ländern wie China, der Türkei, Rumänien oder Nicaragua und anderen so genannten „Freien Export-Produktionszonen” produziert. Frauen, Jugendliche und sogar Kinder arbeiten oft unter menschenunwürdigen Bedingungen für einen regelrechten Hungerlohn.

Anhand der sechs großen Schautafeln der Ausstellung erläutert Goldmann den Kindern der Klasse 3b der Grundschule Grüntalstraße, wie sich die hohen Preise von Marken-Sportschuhen zusammensetzen: „Wenn die Schuhe 100 Euro kosten, bekommt die Markenfirma 33 und das Schuhgeschäft 30 Euro. Steuer und Versandkosten sind 25 Euro, das Material für die Schuhe kostet 11,60 Euro, und der Mensch, der sie anfertigt, bekommt von den 100 Euro gerade einmal 40 Cent.”

Dabei zeigt die Ausstellung Arbeitsbedingungen, die katastrophaler kaum sein könnten. Streng überwachter Akkord mit bis zu 14 Stunden Arbeitszeit sind für viele Näherinnen weltweit keine Seltenheit, sondern trauriger Alltag. Arbeitsschutz ist kaum vorhanden, und bei dem Versuch, sich in einer Gewerkschaft zu organisieren, droht die Kündigung.

„Der Verbraucher ist gefragt, die Konzerne mit seinem Konsumverhalten zu beeinflussen”, meint Goldmann, die anregt, mehr Second-Hand-Textilien zu kaufen und auf das „Fairtrade”-Siegel zu achten, das für angemessene Arbeitsbedingungen und Bezahlung bürgt. Erste positive Entwicklungen gibt es bereits, so produziert „Trigema” alle Artikel komplett in Deutschland, und 106 Hersteller von Fußbällen haben ein Abkommen gegen Kinderarbeit ratifiziert. Der Hersteller „FairDeal Trading” zum Beispiel vertreibt mit seinem Label „Ethlethic” ausschließlich fair gehandelte Produkte.

„Trikot-Tausch” ist bis Freitag, 26. März, im historischen Rathaus zu sehen. Führungen können kostenlos bei Susanne Goldmann (Telefon: 7668319) gebucht werden.
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