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Tourismus wird zum richtigen Geschäft

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Vorreiter: Im Juni 2007 machte ein belgischer Camping-Club ein Wochenende lang Station am Zinkhütter Hof. Für die zahlrungskräftige Zielgruppe der Wohnmobil-Touristen soll dort nun ein eigener Stellplatz ausgebaut werden. Foto: J. Lange

Stolberg. Es war ein Schnellstart, aber ein überaus beeindruckender: „Der Tourismus hat bereits eine Erfolgsgeschichte geschrieben”, bescheinigt Ferdi Gatzweiler der eigentlich noch recht jungen Investitions-Pflanze unter dem Dach der Stadtverwaltung ein bedeutendes Potenzial.

Damit der aufkeimende Trieb sich bestens weiter zu einem Stammbaum der Wirtschaft Stolbergs entwickeln kann, soll er quasi pikiert werden: umgepflanzt aus dem Frühbeet der Beamtenstube in das Freiland einer privatwirtschaftlichen Struktur.

Stadt in Vorleistung

„Es war klar, dass die Stadt in Vorleistung gehen muss”, sagt der Bürgermeister, der gemeinsam mit dem Stadtrat Ende 2007 das touristische Saatkorn ausgebracht hat, das von den Mitarbeitern innerhalb weniger Wochen zu einem stattlichen Keimling herangezogen wurde. Noch während der damaligen Weihnachtstage wurde die Tourist-Info am Willy-Brandt-Platz eröffnet - keine zwei Monate nach dem Grundsatzbeschluss des Stadtrates, in die touristische Entwicklung der Kupferstadt zu investieren.

Mehr Übernachtungen

Mit gärtnerischem Fleiß, liebevoller Pflege und schweißtreibenden Engagement gelang es dem Team der Stolberg-Touristik in den folgenden Monaten, aus dem kleinen Trieb eine stattlich gedeihende Pflanze geworden. Mit rasanten Zuwachsraten: Die Beherbergungszahlen sind im vergangenen Jahr auf über 18960 geklettert und die Zahl der gesamten Übernachtungen um rund elf Prozent auf 44772 angestiegen. Deutlich bemerkbar gemacht hat sich das Engagement der Kupferstadt bei den Tagestouristen; ihre Zahl stieg um knapp 80 Prozent auf 349. „Und das sind nur die Touristen, die sich im Rahmen ihres Aufenthalts in der Tourist-Info erkundigt haben”, verweist Barbara Breuer - sie hat die Nachfolge von Ulrike Lange-Wiemers, die im Oktober nach Simmerath gewechselt war, angetreten - auf eine „sehr hohe Dunkelziffer” von Besuchern, die statistisch nicht erfassbar ist. Auch bei den Exkursionen ist die Kupferstadt im Aachener Land ein immer mehr gefragtes Ausflugsziel: Nach 150 Touren in 2007 führten die Stadtführer im vergangenen Jahr 225 Gruppen durch die Altstadt, zu den Kupferhöfen und weiteren Sehenswürdigkeiten im Tal der Vicht.

Zahlen, die sich auch in den Kassen der Stolberger Geschäfte widerspiegeln. Nach Berechnungen des Tourismus-Experten Dr. Robert Datzer generierten sich 9,8 Millionen Euro Einkommen (Stand 2006) und ein Gesamtumsatz von 17,5 Millionen Euro aus dem Tourismus-Sektor der Kupferstadt - mit steigender Tendenz, wie die Zuwachszahlen belegen. So gibt ein Wohnmobil-Tourist im Schnitt 37 Euro pro Tag aus. Geld, das die Stolberger zukünftig verstärkt in ihrer Stadt behalten wollen.

„Wir wollen in diesem Jahr den Stellplatz für Wohnmobile einrichten”, kündigt Gatzweiler an, nachdem bereits im vergangenen September der Vital-Parcours zwischen Breinigerberg und Venwegen realisiert worden ist. Beides Vorschläge aus dem Gutachten von Dr. Datzer. Seinen Vorschlägen folgte der Stadtrat auch im Haushalt: Insgesamt stehen in diesem Jahr rund 200000 Euro für Pflege und Ausbau touristischer Strukturen im Haushalt.

Mittel, die zukünftig in Form einer privatrechtlichen Gesellschaft erwirtschaftet und vermarktet werden sollen. Ein Ergebnis, das am Abend auch bei der Sitzung der Gesellschaft für Stadtmarketing offene Türen einrannte, die aufs Tempo drückt, wie Vorstandssprecher Patric Peters betont. Bei einer gemeinsamen Arbeitskreissitzung mit dem Hotel- und Gaststättenverband im April sollen Details einer zukünftigen Organisation ausgehandelt werden.

SMS drückt aufs Tempo

„Wir müssen jetzt die Stolberg-Touristik in eine privatrechtliche Form bringen”, setzt sich SMS-Vorstandsmitglied Ferdi Gatzweiler an die Spitze der Umwandlung, „damit auch die touristischen Leistungsträger sich einbringen können”. Sicherlich werde nach der Anschubfinanzierung auch die Stadt weiterhin ihren Teil zur Finanzierung beitragen, aber gefordert sei jetzt auch das bürgerschaftliche Engagement. Außerdem eröffne die Rechtsform beispielsweise einer GmbH große Vorteile bei der Vermarktung der Kupferstadt. Damit Stolbergs junge Pflanze weiter zu einem stattlichen Baum der wirtschaftlichen Entwicklung heranwachsen kann.
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