Totschlag: Sechseinhalb Jahre für Stolberger Messerstecher

Von: Wolfgang Schumacher
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Aachen/Stolberg. Die Kammer habe „sich redlich bemüht, Licht ins Dunkel der Begleitumstände dieser Tat zu bringen”, bekannte der Vorsitzende Richter des Aachener Schwurgerichts, Gerd Nohl, freimütig nach der Verkündung des Urteils.

Es gelang nicht so richtig, weil Zeugen teils mauerten, teils „uns offensichtlich belogen haben”, stellte Nohl verärgert fest. Wie auch immer: Der aus Zaire stammende Thomas T. (29) wurde am Donnerstag zu einer Strafe von sechseinhalb Jahren Haft wegen Totschlags und gefährlicher Körperverletzung verurteilt.

Bei dem Vorfall in der Eschweilerstraße vom 12. September 2009 war der Verurteilte im Anschluss an ein ausgiebiges Zechgelage auf seinen 56-jährigen Kumpanen A. - er wurde allseits „der Onkel” genannt - losgegangen und hatte ihm zwei Messerstiche in den Unterbauch beigebracht. So tief, berichteten Zeugen, dass er auf dem Weg zum Krankenhaus mit den Händen seine Därme festhalten musste. Eine Notoperation hatte zunächst Erfolg, der Vater von vier Kindern erlag jedoch im November den Folgen der Verletzungen.

Allerdings, so stellte die Kammer ausdrücklich fest, sei „der Onkel nicht schuldlos hinsichtlich der Tat” gewesen. Denn es sei wohl richtig, dass A. nach einem Tag voller Alkoholkonsum, den er gemeinsam mit dem Verurteilten verbrachte, aus nicht bekannten Gründen draußen auf der Eschweilerstraße die „bekanntermaßen” (Nohl) schwangere Freundin von T. tätlich angegriffen hatte. Der Angeklagte begründete seinen Angriff damit, dass er Angst um das ungeborene Kind gehabt habe, als er den A. auf seine 23-jährige, am Boden liegende Freundin einprügeln sah.

Das erkannte das Gericht an und ging bei der Straffindung von einem minderschweren Fall aus. Trotzdem jedoch habe T. keinesfalls das Küchenmesser nehmen und den sichtlich aggressiven A. so schwer verletzen dürfen, es habe für eine so genannte Nothilfesituation nicht gereicht.

Das Messer sei überhaupt erst durch die Frau von A. ins Spiel gekommen, stellte das Gericht weiter fest. Die Rolle der Nebenklägerin sei hier dubios, sie werde keinen Anspruch auf Opferhilfe stellen können, bekundete die Kammer. Der Angeklagte hatte ihr das Küchenmesser abgerungen, als sie wieder aus dem Haus kam und ebenfalls auf seine Freundin los wollte. Er verletzte sie mit einem Schnitt im Gesicht.

„Er hätte das Messer nicht einsetzen dürfen”, bekräftigte Richter Nohl am Ende nochmals den Sachverhalt, dabei habe er „die Tötung” seines Freundes billigend in Kauf genommen. Der jedoch sei ebenfalls nicht schuldlos: „A. hat die Ursache für seinen späteren Tod selbst gesetzt.”

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