Stolberg - Therapiehunde helfen Kindern auf die Sprünge

Downsizing Matt Damon Kino Freisteller

Therapiehunde helfen Kindern auf die Sprünge

Von: Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
therapiehund-bild
Die Begeisterung ist nicht zu übersehen. Die Kinder der Kita „Zwergenburg” freuen sich über den neuen Therapiehund Tara. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Der Lehrling auf vier Pfoten hat wieder mal Flausen im Kopf. Statt aufmerksam zuzuschauen, wie man mit der Schnauze eine Schublade aufzieht, knufft der Welpe lieber seine „Ausbilderin” Gaia in die Seite.

Die neunjährige Labradorhündin nimmts gelassen und wartet auf einen günstigen Moment, um stolz (und in Erwartung eines Leckerchen) ihren Trick vorzuführen. Schubladen selbstständig zu öffnen, Leckerchen nach dem Gehör zu orten und blitzschnell aufzuschnappen, einen Ball von einem Kind zum anderen zu bringen: Das sind nur einige der vielen Tricks, die Gaia beherrscht.

Gaia ist ein Therapiebegleithund. Ihr „Arbeitsplatz” ist der Kindergarten „Zauberkiste” an der Zweifaller Straße. „Gaia ist der einzige Therapiebegleithund in einem Stolberger Kindergarten. Mittlerweile hat sich das herumgesprochen, und wir werden sogar von Seniorenheimen eingeladen, die ganz begeistert davon sind, wie positiv gerade Demenzkranke auf den Hund reagieren”, berichtet Leiterin Barbara Becker, die die Besitzerin von Gaia ist.

Therapiebegleithund Gaia bereichere die pädagogische Arbeit ungemein, so dass nun mit Tara ein Nachfolger ausgebildet wird. „Mit zunehmenden Alter muss Gaia entlastet werden, denn die Arbeit als Therapiebegleithund ist schon anstrengend.” Tara soll Gaia nicht nur entlasten, sondern eines Tages, wenn der Zeitpunkt für den Ruhestand gekommen ist, ihren Platz einnehmen.

Überzeugt vom pädagogischen Konzept der Kita, die in Trägerschaft eines Elternverein ist, sind auch die Vorstandsmitglieder Natalie Stärcken und Susanne Günther. Der Hund baue mit seinen Tricks Brücken und helfe dem Kind dabei, Beziehungen zu knüpfen, beschreibt es die Vorsitzende Stärcken. Auch bei Entwicklungsverzögerungen in der Motorik oder im sozialen Verhalten wird der Hund gezielt eingesetzt. „Das Kind lernt”, so Kita-Leiterin Becker, „dass sein Verhalten eine unmittelbare Reaktion zur Folge hat. Nur wenn es mit dem Hund behutsam umgeht, bleibt er und schenkt seine Zuneigung.”

Kinder, die Probleme mit dem Sprechen haben, üben im täglichen Umgang mit Gaia, strukturiert und deutlich zu sprechen. „Das ist für ein Kind natürlich toll, wenn ein so großer Hund auf Kommando das tut, was es sagt. Aber Gaia kann nur Kommandos ausführen, die sie auch versteht. Darum gibt sich das Kind besondere Mühe beim Sprechen.”

Der Therapiebegleithund habe generell eine positive Wirkung auf Kinder. „Allein schon die Tatsache, dass sie für den Hund Verantwortung übernehmen, wenn sie etwa mit ihm Gassi gehen, stärkt ihr Selbstbewusstsein ungemein”, schildert Becker ihre Erfahrungen. Ein Therapiehund muss besonders wesensfest und entspannt sein. „Tara stammt aus der Jagdlinie und ist speziell auf diese Merkmale gezüchtet”, erzählt Barbara Becker.

„Diese Hunde bleiben deutlich unter der Größe eines normalen Labradors, was ideal für die Arbeit in Kindergärten und Seniorenheimen ist. Wichtig sind bei dieser Linie nicht Schönheitsmerkmale, sondern Gelehrigkeit, Folgsamkeit, und dass die Tiere keinesfalls schreckhaft sind.” Die Hunde würden von Beginn an sozialisiert, sie führen im Auto mit, würden Grundschulen und Einkaufszentren besuchen.

Noch steht der Welpe, der mit seinem schwarzen Fell wie eine Miniaturausgabe von Gaia aussieht, am Anfang seiner Ausbildung. Rund ein Jahr wird es voraussichtlich dauern, bis Tara die Ausbildung gemeinsam mit Barbara Becker als ihre Bezugsperson abgeschlossen haben wird. „Die Ausbildung ist leider noch eine Grauzone, und unseriös arbeitende Hundeschule schaden der Sache.”

Becker plädiert für eine übergeordnete Aufsicht und einheitliche Regelungen. Schwierig machten die ganze Sache allein schon die wirtschaftliche Zwänge der Hundeschulen. „Lässt die Schule, die den Hund ausbilden soll, das Tier durch den Wesenstest fallen, ist auch der Auftrag weg. Die Hundeschulen dürfen erst gar nicht in diesen Zwiespalt geraten”, findet Becker, die Mitbegründerin des Arbeitskreises „Aachener Therapiebegleithund” ist. Die Kita-Leiterin fordert eine Art TÜV für den Therapiebegleitung und seinen Führer. Sie selbst unterzieht sich und ihren Hund regelmäßig einer Kontrolle. „Einmal im Jahr werden Gaia und ich über den Arbeitskreis bei der Arbeit überprüft.”

Es ist Spielzeit: Die Kinder bilden einen Kreis um Gaia. Der Hund hat die Aufgabe, einen kleinen Ball von einem Kind zum anderen zu bringen. Tara soll verflixt noch mal aufpassen, aber der Welpe hat mal wieder Flausen im Kopf. Doch das wird ihm verziehen, schließlich ist er noch im „Kindergartenalter”.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert