„Theater Kristall”: Ärger mit der Bürokratie

Von: dö
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Tolle Situationskomik: Von treffenden Dialogen und schauspielerischen Talent war das Stück „Hilfe der Amtsschimmel trabt” der Truppe „Theater Kristall” gekennzeichnet. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. „Hilfe, der Amtsschimmel trabt” - dieses von Georges Courteline um 1900 verfasste Werk, das sich mit dem Bürokratismus und seine Folgen für die Bürger beschäftigt, führte jetzt die Aachener Laienspieltruppe „Theater Kristall” im Kulturzentrum Frankentalstraße auf.

Hintergrund dieser urkomischen, in vier Teile gegliederten Story, ist das Verhalten von Beamten und anderen Würdenträgern, die sich hinter Vorschriften, Anordnungen und Bestimmungen verstecken. Ärger mit der strengen und ausufernden Bürokratie bekommt auch Monsieur Labruier (Gehrt Hartjen), der vor Gericht steht, weil man ihm eines Sittlichkeitsvergehens bezichtigt.

Nutzer der Pariser Hochbahn haben ihn angezeigt, weil er sich im unbekleideten Zustand nach einem Geldstück gebückt hat. Dieses vermeintliche Delikt wurde von den Fahrgästen wahrgenommen, weil das Transportunternehmen die Streckenführung in unmittelbarer Nähe von Labruiers Schlafzimmerfenster gelegt hat.

Freigesprochen wird der Angeklagte dennoch, weil er überzeugend darstellen kann, dass auch ihm trotz Hochbahnbau in seinem häuslichen Bereich eine Privatsphäre zusteht: Dieser Einakter, der den Titel trug „Die Schwebebahn”, war eines der vier Stücke, das die Kaiserstädter Laienspieler dem Publikum von rund 30 Besuchern gekonnt darboten.

Schauspielerisches Talent und ein hohes Maß an Einfühlungsvermögen und Textverständnis erforderten auch die anderen Kurzstücke mit den Titeln „Der unerbittliche Wachmann”, „Am Postschalter” und „Madam Badin”. Gelungen war auch die Darstellung des Wachmannes Moinaux (ebenfalls Gehrt Hartjen), der seinen Dienst als Bespitzelung der Bürger versteht und schließlich an den eigenen Prinzipien scheitert.

Eingeleitet wurden die Stücke von Bänkelgesängen, die sich mit den damaligen Begebenheiten beschäftigen und Parallelen zur Gegenwartssituation suchten. Neben Hartjen wurden die witzigen und mit viel Ironie und Satire gespickten Spielszenen von Marita Dreckmeyer als Madam Badin und Karl Schulz dargestellt, der unter anderem einen übereifrigen Postbeamten spielte, dessen Tätigkeit nur in dem Befolgen von Erlassen und dem Ausfüllen von Formularen besteht.

Den Schauspielern wurde dabei einiges abverlangt, denn die Szenen, die Militär und Beamtentum karikierten, indem sie die Absurditäten dieser Lebenswelten vorführten, erforderten neben Textsicherheit auch ein hohes Maß an Gestik und Mimik. Außerdem war eine akzentuierte Sprechweise erforderlich.

Das Publikum wusste die tollen Leistungen des Aachener Trios zu würdigen. Immer wieder wurde herzhaft gelacht und lang anhaltender Applaus gespendet.
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