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Tempo 30 bald überall?: „Das will niemand!”

Von: Robert Flader
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Fuß vom Gas: An der Krone wir
Fuß vom Gas: An der Krone wird deutlich auf Tempo 30 hingewiesen. Doch im Stadtgebiet ist die Straße rund um das Rathaus eine von wenigen Zonen mit geringerer Geschwindigkeit. Foto: R. Flader

Stolberg. Man kann nicht sagen, dass Andreas Pickhardt ein Faible für Raser hat, dass er sich unnötig auf die Seite von Temposündern stellen würde. Und trotzdem sagt er: „Tempo 30 in der Innenstadt, das will doch niemand.”

Nun, Stadt und Autofahrer vielleicht nicht, bei der rot-grünen Landesregierung war es bis vor wenigen Tagen noch ein heißes Thema: verkehrsberuhigte Zonen in der Stadt - überall. Pickhardt, für Stolberg der zuständige Fachbereichsleiter, sagt dazu: „Im Grunde ist das ein alter Hut, die Diskussionen gibt es seit Anfang der 1980er Jahre, als die ersten Tempo-30-Zonen eingeführt wurden.”

Das Problem an dieser ewig jungen Diskussion ist, so drückt es der Fachbereichsleiter aus, „die Begründbarkeit”. Straßen, Kurven und Stellen, die als Unfallschwerpunkte gelten, wo Schulen und Kindergärten angesiedelt sind, könnten über eine gewisse Strecke mit Tempo-30-Zonen versehen werden.

„Ansonsten”, sagt Pickhardt, „fehlen da die stichhaltigen Argumente, um die Geschwindigkeit im gesamten Stadtgebiet komplett zu senken. Was nämlich gar nicht geht, ist Tempo 30 zu verordnen, damit die Leute wenigstens 50 fahren.”

Gravierende finanzielle Folgen

Angenommen, Tempo 30 würde auf die komplette Innenstadt ausgedehnt, wären die (finanziellen) Folgen für die Kommune gravierend. Pickhardt: „Wir bekämen zusätzliche Probleme, müssten die Ampelschaltungen ändern, damit die grüne Welle erhalten bleibt, und das kostet auch für Stolberg mindestens eine sechsstellige Summe.”

Außerdem sei es mit Verkehrsschildern alleine auch nicht getan. „Man müsste an manchen Stellen Berliner Kissen oder Engstellen installieren, um die Autofahrer auch wirklich zum Abbremsen zu zwingen. Und auch das kostet alles Geld.”

Tempo 30 auf der Europastraße

Hinzu käme, dass Tempo 30 aus umwelttechnischer Sicht nicht unbedingt vorteilhaft sei. „Und stellen Sie sich nur mal vor”, sagt Andreas Pickhardt, „wenn auf der Europastraße jeder nur noch 30 fährt. Wofür soll das gut sein?”

Der Fachbereichsleiter hält wenig von generellen Tempo-30-Limits in Innenstädten, gibt aber zu, dass es an bestimmten Stellen noch Verbesserungsbedarf gebe. „Vor allem die Ortsdurchfahrten Büsbach, Mausbach und Gressenich sind für den Verkehr nicht ideal gestaltet. Aber da flächendeckend etwas zu machen, das ist unbezahlbar. Gleichzeitig kann man aber auch nicht überall Umgehungsstraßen bauen. Es ist nicht ganz so einfach.”

Der „Blitzer-Marathon” sollte deshalb auch Aufschluss darüber geben, wo eventuell neue Gefahren-Quellen im Stadtgebiet lauern. Detlef Funken, Pressesprecher der Städteregion, verteidigt die Aktion, die in allen zehn Kommunen des Gemeindeverbandes durchgeführt wurden: „Man muss es so ausdrücken: Viele Unfälle, um nicht zu sagen: die meisten, gehen auf erhöhte Geschwindigkeit zurück. Da muss man etwas tun und schauen, welche Stellen Brennpunkte sind, wo neue geschwindigkeitsreduzierende Maßnahmen sinnvoll erscheinen.”

Eine könnte die Planer an die Walther-Dobbelmann-Straße führen, am Schulzentrum gilt zwar nach wie vor Tempo 30, „aber”, sagt Fachbereichsleiter Pickhardt, „die Straße ist irre breit.”

Vorerst bleibt in Stolberg aber alles beim Alten, zumal auch die Landesregierung nach mehr oder weniger lautem Protest ihr „Projekt Tempo 30” vorerst zurückgezogen hat. Dass damit aber der Idealzustand in Sachen Verkehrssicherheit bereits erreicht ist, will der Fachbereichsleiter nicht sagen.

Ob das momentane Straßennetz und die punktuellen Tempo-30-Bereiche für Stolberg denn ausreichend sind? Pickhardt denkt einen Moment lang nach und sagt dann: „Die aktuellen Maßnahmen sind angemessen - wenn sich denn alle Autofahrer daran halten...”
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