Tag der Organspende: Zwei Geschichten, die Mut machen

Von: Sarah Sillius
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Doris Wolf (Mitte) fühlt sich
Doris Wolf (Mitte) fühlt sich wohl im KfH-Nierenzentrum Stolberg. Andreas Habeck, Dorothee Leuchter, Dr. Wolfgang Stützer, Michaela Scheffen und Sonja Pavonet (v.l.) betreuen die Stolbergerin. Foto: S. Sillius

Stolberg. Munter betritt Doris Wolf den Raum, legt ihr Buch auf dem Tisch ab und macht es sich auf dem Bett bequem. „Da sind Sie ja, wir haben Sie schon vermisst!”, begrüßt sie der Mann, der zwei Betten nebenan liegt. Doris Wolf lächelt tapfer, krempelt ihren linken Ärmel hoch und wartet auf die Schwester. Die wird sie an das Dialysegerät anschließen.

Vor der ersten Dialyse hatte Doris Wolf Angst, erzählt sie. Mittlerweile ist die Behandlung für sie Alltag. Drei Abende in der Woche verbringt sie im KfH-Nierenzentrum Stolberg. Meist schläft sie während der Dialyse ein, wird erst vom Piepen des Gerätes um 23 Uhr wieder wach.

„Sie ist keine typische Patientin”, sagt Dr. Wolfgang Stützer, Nephrologe und leitender Arzt des Nierenzentrums über Doris Wolf. Die 48-Jährige sprüht vor Lebensfreude und geht sehr positiv mit ihrer Krankheit um. Schon mit 26 Jahren erfuhr die Stolbergerin, dass sie an Zystennieren leidet. Damals hieß es aber noch, dass sie erst in späten Lebensjahren behandelt werden müsse.

Die Beschwerden äußerten sich dann allerdings doch schon früher, im Alter von 45 Jahren. „Dabei wollte ich die Krankheit möglichst lange von mir fernhalten”, erzählt sie. Ein Phänomen, das Dorothee Leuchter vom KfH-Nierenzentrum Stolberg, gut kennt: „Viele Patienten verdrängen die Krankheit zunächst.” Verdrängen konnte Doris Wolf die Symptome irgendwann nicht mehr. Sie fühlte sich schlapp, ihre Haut juckte, sie bekam kaum Luft und litt unter schlechtem Atem - das war für sie das Schlimmste, sagt sie heute.

Als ihre Ärztin der Stolbergerin dann mitteilte, dass sie dialysiert werden müsse, war das für Doris Wolf „die Hölle”. „Ich habe ein halbes Jahr ins Kissen geweint”, erinnert sie sich. Heute hat sich Doris Wolf mit ihrem Schicksal arrangiert. „Ich fühle mich pudelwohl, arbeite ganztags und gehe dreimal in der Woche joggen. Ich bin dialysepflichtig, aber sonst gut drauf”, sagt sie.

„Es gibt auch viele Menschen, die ihre Krankheit nie akzeptieren werden. Jeder verarbeitet das anders”, sagt Stützer: „Die Krankheit erfordert große Disziplin. Wer sich gehen lässt, verspielt Lebensjahre.” Doris Wolf hat das erkannt, hält sich an die Ernährungsvorschriften und befindet sich sogar auf dem Weg zum Halbmarathon.

Seit eineinhalb Jahren steht Doris Wolf auf der Warteliste für eine neue Niere. In ihrer Familie gibt es niemanden, der ihr das benötigte Organ spenden könnte. Viele ihrer nahen Verwandten litten oder leiden selbst unter Zystennieren, einer genetisch bedingten Krankheit. Es wird schätzungsweise sieben Jahre dauern, bis Doris Wolf eine neue Niere erhalten wird. Ihr Schicksal teilen tausende Menschen. Derzeit warten rund 12.000 Patienten in Deutschland auf eine Organspende. Der Mangel an Organen ist alarmierend, Aktionen wie der heutige Tag der Organspende wollen Menschen auf das Thema aufmerksam machen.

Michael (Nachname der Redaktion bekannt), 44, aus Simmerath hat die Nierentransplantation bereits hinter sich. Im vergangenen Jahr wurde er operiert. Michael erhielt eine Lebend-Spende, nachdem er vorher zwei Jahre lang in Stolberg dialysiert worden war. Die Tage vor der Operation waren für ihn und seine Familie sehr aufregend. „Ich war nervös, aber auch froh, als es endlich losging”, erzählt Michael, der ähnlich wie Doris Wolf sehr optimistisch ist. Wider Erwarten war er sehr fit, als er aus der Narkose erwachte, die Niere wurde vom Körper gut angenommen - eine große Erleichterung, auch für seine Frau. Heute fühlt sich Michael gesund. Er muss Medikamente nehmen, die dafür sorgen, dass sein Körper die fremde Niere nicht abstößt. Leistungssport darf er nicht treiben, auch Reisen in ferne Länder, in denen die Infektionsgefahr hoch ist, sind zu gefährlich. Doch Michael ist glücklich. „Ich merke die Niere jeden Tag - und solange ich sie spüre, ist alles gut.”

Auf den Anruf, der ihr Leben verändern würde, wartet Doris Wolf noch. In jeder Minute könnte ihr Handy klingeln. Doch sie will ihr Leben von diesem Gedanken nicht dominieren lassen. Sie weiß: Wenn es soweit ist, wäre die Nachricht für sie erst ein Schock. „Auf die OP müsste ich mich mental vorbereiten.”

Und doch wäre eine neue Niere für Doris Wolf das größte Geschenk ihres Lebens.

Aktionen und Aufruf zum Organspendeausweis

„Richtig. Wichtig. Lebenswichtig.” lautet das Motto des heutigen bundesweiten Tags der Organspende. Die zentrale Veranstaltung findet in diesem Jahr in Frankfurt am Main unter der Schirmherrschaft der Oberbürgermeisterin Petra Roth statt. Mit dabei ist auch Frank-Walter Steinmeier, Vorsitzender der SPD-Bundestagsfraktion, der sich persönlich und politisch für das Thema Organspende engagiert. Im vergangenen Jahr spendete er seiner Frau eine Niere.

Die Botschafter-Aktion der Stiftung „Fürs Leben” steht unter dem Motto „Der Organspende ein Gesicht geben”. Wer sich an der Aktion beteiligen möchte, kann ein Foto von sich mit Organspendeausweis bis zum 4. Juli an info@fuers-leben.de schicken.

Ein Organspendeausweis ist erhältlich bei Ärzten, Krankenkassen, der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung und dem Arbeitskreis Organspende.
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