Symbolischer Akt: Baubeginn für das Kultur- und Generationenhaus

Von: Christoph Classen
Letzte Aktualisierung:
Der Klassiker: Bürgermeister
Der Klassiker: Bürgermeister Gatzweiler erzählt beim Spatenstich für Kugel die Vorgeschichte des Projekts.Fotos (3): C.Classen

Stolberg-Velau. So ein Spatenstich ist ja ein symbolischer Akt, ein Zeichen, dass es jetzt wirklich los geht, dass sich etwas tut. Würden sich die Protagonisten dabei allein auf die kurze Betätigung am Grabgerät beschränken, wäre die ganze Veranstaltung ziemlich schnell vorbei.

Ein, zwei Mal ein bisschen Erde in die Luft geworfen, das wars. Und weil es blöd wäre, wenn alle, die extra zum Spatenstich gekommen, nach ein paar Minuten wieder gehen, gibt es zu solchen Anlässen immer Reden.

Bürgermeister wählt den Klassiker

Sehr beliebt ist dabei die, in der es darum geht, wie es überhaupt dazu gekommen ist, dass man hier jetzt einen Spatenstich vollziehen kann, und auch Ferdi Gatzweiler entscheidet sich an diesem Vormittag für den Klassiker. Stolbergs Bürgermeister steht vor der Hauptschule Kogelshäuserstraße, am Rande einer quadratischen Fläche, die derzeit am ehesten einem Kiesbett gleicht.

Auf ihr soll das neue Kultur- und Generationenhaus entstehen, dem man die putzige Abkürzung „Kugel” gegeben hat. Dabei ist es das größte Projekt, das im Rahmen des Förderprojekts Soziale Stadt auf den Weg gebracht wurde, und wie es dazu kam, erklärt Gatzweiler in seiner Rede. Es sind viele Zuhörer gekommen, sie bilden einen Halbkreis vor dem Bürgermeister, und der sagt irgendwann: „Das ist eine Erfolgsgeschichte, wie ich sie noch nie erlebt habe”.

Gemeint ist das große Ganze

Gemeint ist damit nicht allein „Kugel”, der 150 Quadratmeter große Flachbau, in dem Angebote wie ein Informations- und Beratungszentrum „Frühe Hilfen”, interkulturelle Seniorenarbeit und das Freiwilligenzentrum Stolberg eine Heimat finden sollen. Gatzweiler spricht vom großen Ganzen, dem Projekt Soziale Stadt. 2004 habe alles angefangen, als Bürger fragten, ob man nicht gegen die Missstände in Velau etwas unternehmen könne, blickt Gatzweiler zurück.

Auch von Seiten der Stadt wurde Handlungsbedarf im Viertel ausgemacht, allein das Geld fehlte, um die Probleme anzugehen. Es folgte die Bewerbung für das Projekt Soziale Stadt, einem Bund-Länder-Förderprogramm. Und weil Stolberg die Teilnahme-Voraussetzung erfüllte und zudem mit dem Handlungskonzept, in dem festgeschrieben wurde, für was man das Geld einzusetzen gedenkt, die Bezirksregierung Köln überzeugen konnte, gab es den Zuschlag.

2008 ging es dann richtig los mit dem Programm, das das Viertel Velau aufwerten soll. Die Förderung ist auf drei Jahre begrenzt, weswegen in diesem Jahr alles fertig werden muss. 14 Projekte sind insgesamt angegangen worden. Die Aufteilung hat der mit der Umsetzung beauftragte Stadtteilmanager Dr. Wolfgang Joußen einmal so erklärt: „60 Prozent sind baulicher Art, 40 Prozent sind sozialwirtschaftlicher Natur”. In letztere Kategorie fällt die 700 Kilo schwere Betonskulptur, die von einer multikulturellen Frauengruppe aus der Velau geschaffen wurde. Auch die Angebote, die im „Kugel” ihren Platz finden werden, sind „sozialwirtschaftlicher Natur”.

Die Geschichte bis zum Spatenstich vor der Hauptschule, wäre unvollständig, wenn nicht die Diskussionsrunde darin Erwähnung fände, bei der Velauer Bürger ihre Unzufriedenheit über den Fortgang des Projekts äußerten. Und als der Stadtrat jüngst einen Pachtvertrag mit dem Trägerverein für „Kugel” sowie eine dreijährige Finanzierung des Hauses über maximal 15.180 Euro per annum beschloss, hegte die CDU juristische Bedenken. Auch weil in der Satzung des Trägervereins von einem Geschäftsführer zu lesen ist, dem eine angemessene Bezahlung zugebilligt wird.

Gatzweiler geht auf diese Kapitel ein, wenn er sagt: „Bei diesem Projekt wurden Entscheidungen getroffen, die nicht von allen mitgetragen wurden.” Eine Erfolgsgeschichte aber bleibe es, auch wegen der intensiven Bürgerbeteiligung und der Förderung des „Miteinanders der Kulturen.” Dann greift Gatzweiler einen Spaten und wirft ein bisschen Erde durch die Luft. Zum Abschied ruft er: „Wir sehen uns bei der Einweihung.”
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