Supermärkte in Mausbach polarisieren

Von: Jürgen Lange
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Der geplante Standort: Mit einer neuen Abbiegespur von der Gressenicher Straße soll der neue Nahversorgungs-Standort auf den Wiesen am Mausbacher Ortsausgang gut erreichbar sein. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Die Meinungen zur geplanten Ansiedlung eines Nahversorgungsbereiches am Mausbacher Ortsausgang gehen auseinander. Neben einem Getränkemarkt sollen eine Aldi- und eine Rewe-Filiale an der Gressenicher Straße etwa gegenüber der Einmündung der „Wasserkaul” entstehen, um die Nahversorgung Mausbachs, aber auch die Grundversorgung von Vicht, Werth, Schevenhütte und Gressenich zu gewährleisten.

Die Reaktionen auf dieses Projekt fallen sehr verschieden aus, was in den Beteiligungen von Bürgern und Träger öffentlicher Belange erneut zum Ausdruck kam.

Bei ihrer Auswertung und Abwägung der Eingaben kommt die Verwaltung letztlich zu dem Schluss, Bedenken zurückzuweisen, sofern sie nicht ausgeräumt werden konnten. Am Donnerstag soll der Ausschuss für Stadtentwicklung dem Rat die Offenlage der Bauleitplanung empfehlen.

Insbesondere aus Gressenich, aber auch von der Bürgerinitiative bereits im Vorfeld hat die Verwaltung auf Forderungen nach weitergehendem Schallschutz reagiert. So sei die geplante 2,5 Meter hohe Lärmschutzwand mit 75 Meter drei Mal so lang wie angedacht, die Anlieferungsrampe an der Südwestseite eingehaust, und mit einer Schranken-Anlage sollen die Betriebszeiten von 6 bis 22 Uhr sichergestellt werden.

Mehr ökologischer Ausgleich

Auch beim ökologischen Ausgleich am Standort wurde bereits nachgebessert mit der Auflage eines fünf Meter breiten Pflanzstreifens auf der gesamten Nordostseite, einer 80 cm hohen Hecke an der Gressenicher Straße sowie dem Anpflanzen von 16 Bäumen.

Doch die Kernfrage bleibt im Raum stehen: Sind negative Auswirkungen für die Nahversorgung von Gressenich und den Mausbacher Ortskern zu befürchten?

Aus Sicht der Verwaltung keine gravierenden, auch wenn der Standort am Ortsrand eher zweite Wahl ist. Aber es fanden sich keine Alternativen im engeren Mausbacher Zentrumsbereich, wobei „im Vorfeld des Bauleitplanverfahrens sieben Alternativstandorte untersucht wurden; diese sind jedoch nicht tragfähig”, erklärt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt.

Ängste in Gressenich

Der geplante Standort liege zwar nicht innerhalb der zentralen Ortsmitte, aber sei gut erreichbar und an das Linienbusnetz angebunden. Viele Mausbacher Bürger würden das Angebot begrüßen, weil die heutige Versorgung als unzureichend eingestuft werde, und mit Blick auf die Zukunft verweist der Planungschef im Rathaus darauf, dass im unmittelbaren Umfeld der Supermärkte mittelfristig ein neues Wohngebiet vorgesehen sei.

Dass beide Projekte nicht gemeinsam im Rahmen des Bauleitverfahrens entwickelt werden, ist einer der Kritikpunkte der Mausbacher Bürgerinitiative. Sie befürchtet ein neues „Zentrum außerhalb des Zentrums” und fordert eine „Zurückstellung der Bauleitplanung zugunsten einer sinnvollen Innenentwicklung”, da die Aufrechterhaltung einer wohnortnahen Versorgung nicht gegeben sei.

Und ein Kaufmann aus dem Ortskern sieht Potenziale an der Dechant-Brock-Straße ungenutzt, weil Investoren auf der grünen Wiese einfacher und preiswerter zu ihrem Ziel kommen. „Das wird das Leben im Mausbacher Ortskern erheblich zum Nachteil beeinflussen.”

Sorgen um ihre Infrastruktur machen sich auch Gressenicher Bürger, die für eine „kleine Lösung” ohne Aldi in Mausbach plädieren. Ihnen hält die Verwaltung entgegen, dass „ein Verzicht auf den Discountmarkt die Wettbewerbswirkungen gegenüber dem Gressenicher Rewe nur unwesentlich verringern” würde und der Discounter am Markusplatz keine Möglichkeiten habe, seine Verkaufsfläche zu erweitern. Darüber hinaus wird auf die Zusage des Rewe-Betreibers verwiesen, dass der Gressenicher Markt bestehen bleiben werde.

Regionaler Konsens

Wenn auch nicht ganz glücklich, so hat doch die interkommunale Arbeitsgruppe den regionalen Konsens für das Ansiedlungsvorhaben hergestellt. Negative Auswirkungen auf Nachbarstädte werden nicht erwartet. Im Grunde würde sie eine Niederlassung im Ortskern befürworten, anerkannt aber den „kommunalen Zwang”, dass dort keine realistischen Alternativen seien. Ohne die Nahversorgung am Ortsrand könne Mausbach seine Funktion als Unterzentrum nicht aufrechterhalten - ein Hinweis, der auch an die Bezirksregierung geht, die städteplanerische Bedenken hatte.

Die von der Verwaltung untersuchten und verworfenen Alternativen

1.) Kleinerer Bereich westlich an der Gressenicher Straße: Das Grundstück ist für die Ansiedlung von drei Märkten zu klein; außerdem gäbe es immissionsschutzrechtliche Probleme aufgrund der Nähe der vorhandenen Bebauung.

2.) Zwischen Franzosenkreuz und Auenweg: Das Grundstück konnte trotz längerer Verhandlungen von den Investoren nicht erworben werden; zudem würden die Flächen im Ruhebereich der Wohnbebauung liegen.

3.) Zwischen Rothe Gasse und Wimblech: Die Betreiber von Supermärkten lehnen den Standort ab, weil er zu schlecht einsehbar sei. Somit gebe es keinen Investor.

4.) Vichter Straße 82: Von der Topographie nicht geeignet, zu schlecht einsehbar, zu klein.

5.) Gressenicher Straße 80/90 bzw. 96a: Liegt teilweise in zweiter Reihe, schlecht einsehbar, daher schwer vermietbar; zu klein; Immissionskonflikte vorprogrammiert wegen vorhandener und zukünftig geplanter Bebauung.

6.) Werther Straße: Noch größere Entfernung zum Markusplatz; wenig attraktive Lage am Rande des Gewerbegebietes; Erschließung müsste über Werther Straße erfolgen.

7.) Südöstlich des Gewerbegebietes: Noch größere Entfernung zum Markusplatz; Bereich nicht erschlossen; abseits von Hauptstraßen; negative Bewertung durch Dorfentwicklungskonzept.
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