Suche nach Altlasten auf Schulgelände

Von: Jürgen Lange
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Die bisherige Propst-Grüber-H
Die bisherige Propst-Grüber-Hauptschule auf der Liester soll in der Zukunft einem Neubaugebiet weichen. Zur Vorbereitung der Pläne laufen jetzt erste Sondierungen des Bodens an. Der Standort ist eine Altlastenverdachtsfläche. Foto: J. Lange

Stolberg. Die Idee hat mehrere Väter. Einer ist die Wahl der ehemaligen Hauptschule und späteren Gutenberg-Schule am Sperberweg in Kooperation mit der Realschule an der Walther-Dobbelmann-Straße als Standort für die Gesamtschule.

Ein weiterer Elter ist die Untersuchung der Gemeindeprüfungsanstalt, die der Stadt auch vor dem Hintergrund des demografischen Wandels ein Zuviel an Schulraum und damit Kosten bescheinigt. Und auch die latent klamme Finanzlage der Stadt hat ihren Teil dazu beigetragen, nach neuen Finanzquellen Ausschau zu halten.

Geboren wurde dabei die Idee, das Gelände der heutigen Propst-Grüber-Hauptschule auf der Lies­ter als Neubaugebiet zu entwickeln. Erstmals zu Beginn dieses Schuljahres hat die berufsorientierte Bildungseinrichtung keine neuen Schüler mehr aufgenommen. In spätestens sechs Jahren würde das Gebäude nicht mehr benötigt werden, falls nicht bereits vorzeitig die letzten Klassenverbände in einer anderen Schule untergebracht würden. Ein Abriss des Gebäudes würde der Stadt zahlreiche Optionen zur weiteren Entwicklung des Wohnstandortes Liester bieten. Möglicherweise bis hinunter zur Aachener Straße.

Während nach heutigen Einschätzungen die benachbarte Sporthalle als unverzichtbar gilt, so Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt, kann auf die sich dem Schulhof anschließenden Tennisplätze verzichtet werden. Sie sind - mit Ausnahme eines von der Schule genutzten Kleinspielfeldes - ohnehin in einem maroden Zustand. Die einst dem FC Adler Büsbach angegliederte Tennisabteilung, die die Anlage während der besten „Boris-Becker-Zeiten” genutzt hatte, hat längst aufgehört zu existieren. Und ohne Einfluss nehmen zu wollen auf die weitere Entwicklung in der Stolberger Fußballlandschaft, das betont der Planungschef im Rathaus ausdrücklich, besteht zumindest theoretisch die Option, auch die Sportplatzanlage an der Kranensterzstraße zukünftig einmal als Neubaugebiet entwickeln zu können.

Zwischen der Liester und der Aachener Straße könnte so ein auch topographisch anspruchsvoll gestaltetes Neubaugebiet auf einer Gesamtfläche von rund 37.500 Qua­dratmeter entstehen: Grundstücke in städtischem Besitz, die bei einer Vermarktung einen gehörigen Batzen in die Stadtkasse spülen könnten. Die aktuellen Bodenrichtwerte weisen für die Liester einen Quadratmeter-Preis von 175 Euro aus. „Will man diese Chance genutzt wissen, muss man frühzeitig in die vorbereitende Untersuchungen einsteigen”, sagt Pick­hardt mit dem Blick auf die Dauer von Bauleitverfahren einerseits und den absehbaren Leerstand der Propst-Grüber-Haupt­schule andererseits. „Wir sprechen hier von einem Zeitraum zwischen drei und sechs Jahren.”

Der Einstieg in die Entwicklung des Zukunftsprojektes Liester beginnt bereits im kommenden Monat. Dann wird die Städteregion das Areal auf eigene Kosten umfangreich untersuchen lassen. Denn die Liester ist eine Altlastenverdachtsfläche. Neben der in Stolberg üblichen Schwermetallbelastung rücken bei dem Gutachten vor allem Aktivitäten des Bergbaus und der frühere Betrieb einer Sandgrube in den Mittelpunkt. Außerdem sollen die Rammkernbohrungen auch Erkenntnisse zu statischen Anforderungen von zukünftigen Bauvorhaben in dem gesamten Bereich zwischen Liester und Aachener Straße ergeben.

FC Adler Büsbach ist informiert

„Der Vorstand des FC Adler Büsbach ist über das Vorhaben bereits umfänglich informiert”, beruhigt Pickhardt gleich vorab möglicherweise besorgte Fußballer. Mit den Untersuchungen solle lediglich eine Option für die Zukunft gewahrt werden. Die Interessen der Städteregion zur weiteren Erkundung der Altasten-Verdachtsflächen und der Stadt zur Auslotung städtebaulicher Perspektiven überschneiden sich bei diesem Zukunftsprojekt. Aus Sicht der Stadt geht es zunächst einmal nur darum, die grundsätzliche Eignung des Areals als Neubaugebiet zu überprüfen. Weitere umfangreiche Untersuchungen könnten dann im Rahmen des Bauleitplanverfahrens angestellt werden. Einer der Kernpunkte dürfte dabei die Erschließung für den Verkehr sein, was angesichts der leichten Hanglage kreative Ideen erfordert.

Eine tatsächliche Entwicklung des 3,7 Hektar großen Areals könne später abschnittsweise erfolgen, die Bebauung beispielsweise nach Abriss des Schulgebäudes von der Liester talwärts vorangetrieben werden. Doch bis dahin ist noch viel Planungsarbeit zu leisten.
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