Strukturen des Stadtsportverbandes zeitgemäß verändern

Von: Michael Grobusch
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Gerd Schnitzler hat klare Vorstellungen, welche Schwerpunkte er in den kommenden zwei Jahren setzen will. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Seit zehn Jahren gehört Gerd Schnitzler dem Vorstand als „Fachwart Ballsport ohne Fußball“ an, am Dienstagabend ist er nun zum Vorsitzenden gewählt worden und damit an die Spitze des Stadtsportverbandes gerückt.

Im Gespräch mit unserer Zeitung hat der neue oberste Interessenvertreter der Stolberger Sportvereine über die Gründe für seine Kandidatur und die Ziele seiner zweijährigen Amtszeit gesprochen.

Unter Ihren Vorgängern Günther Severens und Bert Kloubert hat es so manche Turbulenzen im Stadtsportverband gegeben. Da drängt sich die Frage auf: Warum haben Sie sich bereit erklärt, den Vorsitz zu übernehmen?

Schnitzler: Zwei wesentliche Gründe haben bei meiner Entscheidung eine Rolle gespielt. Zum einen habe ich jetzt deutlich mehr Zeit, weil ich zum 1. August als Lehrer pensioniert worden bin. Und zum anderen reizt es mich als Sportler zu versuchen, die Strukturen unseres Stadtsportverbandes zeitgemäß zu verändern.

Das klingt nach Reformen. Was genau möchten Sie denn ändern?

Schnitzler: Ich möchte nicht zu sehr vorausgreifen. Wir werden uns Anfang nächster Woche zunächst einmal mit der Vorstandsmannschaft treffen, einen Rahmenterminplan aufstellen und eine Prioritätenliste für das, was wir in den kommenden zwei Jahren machen wollen. Ein Beispiel kann ich aber gerne nennen: Die Stimmengewichtung der Vereine muss dringend geändert werden. Es kann nicht sein, dass der Turnerbund Breinig mit fast 1000 Mitgliedern genauso vier Stimmen bei der Jahreshauptversammlung hat wie etwa der FC Stolberg, der noch nicht einmal halb so groß ist.

Sie waren bislang Fachwart für Ballsport ohne Fußball. Ihre Kandidatur hat dem Vernehmen nach bei einigen Fußballvereinen die Sorge ausgelöst, dass ihre Sportart in Zukunft nicht ausreichend vertreten sein könnte im Stadtsportverband. Ist diese Sorge berechtigt?

Schnitzler: Nein, auf keinen Fall. Ich habe direkt nach meiner Wahl gesagt, dass ich mich für die Gleichberechtigung aller Sportarten und auch für eine gleiche Verteilung der Pflichten und Lasten einsetzen werde. Das bedeutet aber nicht, dass der Fußball weniger gut vertreten sein wird als in der Vergangenheit. Natürlich ist es, wenn man die Mitgliedsvereine und -zahlen betrachtet, objektiv so, dass die Nicht-Fußballer im Stadtsportverband in der Mehrheit sind. Aber selbstverständlich werde ich die Fußballer uneingeschränkt unterstützen.

Das gilt sicher auch für die Verhandlungen mit der Stadt Stolberg über neue Nutzungsverträge für die Sportplätze, die zum 1. Januar 2016 in Kraft treten sollen.

Schnitzler: Natürlich. Ich weiß, dass das ein sensibles Thema ist. Einerseits kann ich verstehen, dass die Stadt die geltende Regelung ändern will und haushaltstechnisch auch ändern muss, weil die anteilige Auszahlung von durch geringeren Energieverbrauch erzielten Einsparungen im Grunde ein verkappter Zuschuss ist. Andererseits muss ein akzeptabler Übergang geschaffen werden für die Vereine, die seit Jahren zum Teil erhebliche Summen ausgezahlt bekommen und demnächst 50 Prozent der Verbrauchskosten übernehmen müssen.

In welcher Rolle sehen Sie den Stadtsportverband bei diesem Thema.

Schnitzler: Wir als Stadtsportverband können im Grunde nur Vermittler sein. Ich halte es aber für wichtig, dass wir uns in einem ersten Schritt mit allen Fußballvereinen an einen Tisch setzen und zunächst in diesem Kreis über mögliche Lösungsvorschläge diskutieren. Erst dann ist es meiner Meinung nach sinnvoll, das Thema in den politischen Raum zu bringen.

Das setzt aber ein vernünftiges Gespräch mit allen Vereinsvertretern voraus. Ist das möglich? Nach ihrer Wahl haben Sie angekündigt, die „Kommunikationsstrukturen“ verbessern zu wollen.

Schnitzler: Bei der Kommunikation sehe ich in der Tat Verbesserungsbedarf. Bei aller sportlichen Rivalität, die es zwischen manchen Vereinen in Stolberg gibt, sollte es dennoch möglich sein, Gespräche auf einen angenehme Ebene zu bringen und sich auf Augenhöhe zu verständigen. Daran werden wir arbeiten.

Sie würden auch gerne die Kommunikation nach außen ändern und intensivieren.

Schnitzler: Ja. Große Veranstaltungen wie beispielsweise das Stadtfest oder „Stolberg goes“ bieten eine gute Gelegenheit für die Vereine, sich vielen Menschen zu präsentieren. Das kann in Form von Aufführungen und Wettkämpfen geschehen, aber auch, indem Vereine einen Verkaufsstand bestücken und etwa Fritten, Frikadellen und Bier verkaufen.

Der gesellschaftliche Wert von Sportvereinen ist vermutlich höher denn je. Dennoch wird es immer schwieriger, neue Mitglieder zu finden und ehrenamtlich Tätige, die sich auch im Vorstand engagieren möchten. Wie kommt das?

Schnitzler: Sportvereine leisten eine unheimlich wichtige Sozialarbeit und bieten zudem eine tolle Gemeinschaft mit einem ausgeprägten Zusammengehörigkeitsgefühl. Das geht in der heutigen Wahrnehmung leider oftmals unter. Früher trat man spätestens mit zehn Jahren einem Verein bei und blieb dann ein Leben lang Mitglied. Das gibt es heute nicht mehr in dieser Form.

Sind Sportvereine denn noch zeitgemäß?

Schnitzler: Ich denke schon. Fitness-Center sind zwar insofern eine Konkurrenz und Alternative, als sie eine große Flexibilität und damit den Leuten die Möglichkeit bieten, Sport zu treiben, wenn sie Zeit haben. Aber das hat natürlich seinen Preis. Außerdem muss man ganz klar unterscheiden zwischen einem Studio, dessen Betreiber in erster Linie ein finanzielles Interesse hat, und einem Verein, der seinen Mitgliedern die Möglichkeiten bieten möchte, gemeinsam mit anderen Sport zu treiben, sich individuell zu verbessern und in der Gemeinschaft Spaß zu haben.

Bei jüngeren Sportlern steht dem Spaß im Verein oftmals der lange Schultag im Wege. Sie wollen das eine mit dem anderen mehr verbinden.

Schnitzler: Den offenen Ganztag hat uns die Politik übergestülpt. Viele Kinder, die in der OGS Sport haben, fehlen den Vereinen. Wenn die Strukturen nicht auf Dauer wegbrechen sollen, müssen die Vereine ihre Fühler in Richtung Schulen ausstrecken. Das gilt nicht nur für die Grundschulen, sondern auch für weiterführenden Schulen. Es gibt allerdings ein großes Problem: Welcher qualifizierte Trainer kann schon zwischen 14 und 16 Uhr in die Schulen gehen und Sport anbieten? Da kommen doch fast nur Studenten oder Rentner in Frage. Hier müssen wir genauer hinsehen und schauen, was Schule und Verein gemeinsam und im gemeinsamen Interesse auf die Beine stellen können.

Sie haben zu Beginn gesagt, dass Sie seit August viel mehr Freizeit haben. Was beschäftigt Sie neben dem Stadtsportverband?

Schnitzler: Ich habe bis jetzt noch keine Minute Langeweile gehabt, denn ich engagiere mich gerne. Ich mache zwei bis drei Mal in der Woche Fitness, fahre im Sommer etwas Rad, bin Basketball-Schiedsrichter und habe dazu zwei Enkelkinder und eine 94-jährige Mutter, um die ich mich gerne kümmere. Den einzigen Luxus, den ich mir leiste, ist, dass ich morgens nicht mehr so früh aufstehe wie früher.

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