Strommasten in der Münsterau frühzeitig verhindern

Von: Jürgen Lange
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Die geschützte Münsterau sol
Die geschützte Münsterau soll frei bleiben von Überlandleitungen: Die Stadt Stolberg markiert frühzeitig im Genehmigungsverfahren für die Anbindung des Pumpspeicherkraftwerkes am Rursee ihr Foto: J. Lange

Stolberg. Gegen den Bau des Pumpspeicherkraftwerkes durch die Trianel GmbH am Rursee in Simmerath hat Stolberg als Nachbarkommune nichts einzuwenden. Die „Auswirkungen werden nicht bis ins Stolberger Stadtgebiet reichen”, erklärte der zuständige Fachbereichsleiter im Rahmen des Scoping-Verfahrens bei der Bezirksregierung.

Allerdings ist es mit der Erzeugung der Energie durch ein Wasserkraftwerk nicht getan. Denn der erzeugte Strom muss von Simmerath aus ins überregionale Leitungsnetz gelangen können. Immerhin soll mit einer geplanten Leistung von 640 Megawatt Deutschlands viertgrößtes Pumpwasserspeicherwerk entstehen.

Zwei Korridore im Stadtgebiet

Beim Thema Netzausbau ist Stolberg allerdings hellhörig und sensibel geworden - zumindest nachdem 1996 die RWE geplant hatte, eine neue 110 kV-Leitung auf Masten durch die Münsterau zwischen Vicht und Zweifall zu führen. Nur massiver Widerstand aus der Bevölkerung und das von den anerkannten Naturschutzverbänden dort entdeckte Habitat des streng geschützten Steinkauzes verhinderten, dass das Landschaftsschutzgebiet im Tal der Vicht mit überdimensionalen Strommasten zugepflastert wurde.

Soweit soll es bei dem Trianel-Projekt erst gar nicht kommen, verwies Pickhardt bei der städtischen Stellungnahme gleich auf diesen wunden Punkt der Planung. Denn Stolberger Stadtgebiet wird mit zwei von insgesamt sieben zu untersuchenden Korridoren der zukünftigen Stromtrasse tangiert: Eine Alternative ist erneut die bestehende Trasse zwischen Verlautenheide über Büsbach durch die Münsterau nach Lammersdorf (Korridor 1); eine zweite Alternative wäre Korridor 2, der nordöstlich von Schevenhütte geführt werden könnte.

Allerdings werden die planungsrechtlichen Verfahren für den Netzanschluss unabhängig von dem Genehmigungsverfahren für das Pumpwasserkraftwerk geführt und sind nach Pickhardts Informationsstand auch noch nicht eingeleitet.

Dazu sind aus Stolberger Sicht noch zahlreiche Informationen erforderlich. Etwas zur tatsächlich erforderlichen Spannung von 110 oder 380 kV im Netz sowie Kombinationsmöglichkeiten. Angaben ob ein Ausbau vorhandener oder nur ein Neubau infrage kommt und in wie weit Ringschlüsse im Netz angestrebt werden. Auch Fragen der Erdbebengefährdung führt Stolberg ins Feld.

In einer ersten Reaktion auf die Stellungnahme der Stadt weist die Bezirksregierung darauf hin, dass eine Trassenführung des Netzanschlusses über Stolberger Stadtgebiet nicht zu den favorisierten Varianten zähle.

„Vorzugsweise werden für das anstehende Raumordnungsverfahren voraussichtlich zwei Korridore vertiefend zu betrachten” sein, die nach Osten an die 380-kV-Leitung zwischen Oberzier und Dahlem führen: Korridor 3 führt unter Umgehung des Nationalparks Eifel über 17 Kilometer durch die Gemeinden Nideggen, Kreuzau, Hürtgenwald und Vettweiß sowie Korridor 5 über 16 Kilometer durch den Nationalpark, Nideggen, Heimbach und Mechernich und weise darüber hinaus zahlreiche Bündelungsmöglichkeiten auf. Gleichwohl beträfen diese beiden Korridore auch Vogelschutz- bzw. FFH-Gebiete. Allerdings sind auch weiterhin zwei Varianten für eine Trasse durch die Münsterau im Rennen.

Während sich der Ausschuss für Stadtentwicklung auf seiner Sitzung am nächsten Donnerstag mit dem Trianel-Projekt beschäftigt, beginnt am 28. März mit Antragskonferenz das Raumordnungsverfahren für die Netz-Korridore.

Röttgen informiert sich am Donnerstag vor Ort

Bundesumweltminister Norbert Röttgen wird sich am morgigen Freitag vor Ort über das Trianel-Projekt informieren. Um 17 Uhr unterrichten in einer öffentlichen Veranstaltung Simmeraths Bürgermeister Karl-Heinz Hermanns und Vertreter der Trianel GmbH den Minister über die Bedeutung des Projektes für die Gemeinde und die ganze Region im Antoniushof in Rurberg. Anschließend will Röttgen zur Energiewende sprechen.

Sollte es zur Realisierung kommen, dann entstünde in Simmerath das viertgrößte Pumpspeicherkraftwerk Deutschlands mit einer geplanten Leistung von 640 Megawatt - genug um eine Stadt der Größe Aachens mit Strom zu versorgen.

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