Streit um Erneuerung des Narzissenweges

Von: Ottmar Hansen
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Mitten auf dem Asphalt des Narzissenweges wächst das Gras. Die Begrenzungssteine für den Bürgersteig hängen in alle Richtungen. Doch die Anwohner wehren sich gegen eine teure Erneuerung der Straße. Foto: O. Hansen
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Mitten auf dem Asphalt des Narzissenweges wächst das Gras. Die Begrenzungssteine für den Bürgersteig hängen in alle Richtungen. Doch die Anwohner wehren sich gegen eine teure Erneuerung der Straße. Foto: O. Hansen

Stolberg. Der Kanal unter dem Narzissenweg ist an mehreren Stellen zerbrochen. Eine Reparatur ist nicht mehr möglich, neue Röhren müssen in die Erde. Dazu muss die Straße aufgerissen werden. Bei dieser Gelegenheit will die Stadt den Narzissenweg komplett erneuern.

Sehr zum Ärger der Anwohner, die eine hohe Kostenbeteiligung auf sich zukommen sehen.

Den Bürgern im Narzissenweg ist klar: Werden Kanal und Asphalt vor ihrer Haustüre nur repariert, muss die Stadt die Kosten für die Arbeiten alleine übernehmen. Wird die Straße jedoch komplett erneuert, mit neuer Fahrbahn und neuem Gehweg, müssen die Anlieger nach Kommunalabgabengesetz (KAG) 70 Prozent der Kosten mit tragen. Und bei einem geschätzten Aufwand von rund 280.000 Euro können da auf den Hausbesitzer leicht Zahlungen von 15.000 Euro zukommen.

Muss die Straße denn wirklich komplett erneuert werden? Diese Frage stellten die Anwohner am Donnerstagabend Bürgermeister Dr. Tim Grüttemeier und dem zuständigen Fachbereichsleiter Bernd Kistermann im Saal der Kleinen offenen Tür am Donnerberg. Die Hausbesitzer hatten sich vorbereitet und präsentierten Fotoaufnahmen von ihrer Straße. Das sei doch alles halb so schlimm, die Straße können auch in zehn Jahren noch problemlos befahren werden, so der Tenor.

„Keine Schlaglöcher“

„Was würde denn getan, wenn der Kanal unter der Straße noch intakt wäre? Müsste die Straße dann auch komplett erneuert werden?“, war die zentrale Frage. „Wir müssen die Folgekosten zahlen für eine Aktion der Stadt. Es hätte gereicht, das Kanalloch hinterher wieder zu schließen. Die Straßendecke ist doch noch in Ordnung.“ Nirgendwo seien Schlaglöcher zu entdecken. Und die Schäden, die jetzt vielleicht sichtbar seien, seien entstanden zu einer Zeit, als der Tulpenweg saniert wurde. Schwere Lkw hätten damals die Umleitung über den Narzissenweg nehmen müssen. Und seien dabei auch rücksichtlos über die Bürgersteige gefahren. „Danach gab es dann die Risse“, so die Anwohner. Hier müsse nach dem Verursacherprinzip vorgegangen werden. Das heißt, die Stadt müsse für die Folgeschäden der Tulpenwegsanierung aufkommen. Viele Risse in der Asphaltdecke seien außerdem hauptsächlich im Kanalbereich entstanden. Also müsste die Stadt auch die Kosten für den neuen Kanal und den Asphalt darüber tragen.

Bürgermeister Grüttemeier und der zuständige Experte im Rathaus Kistermann sehen die Lage anders. Ein Ingenieurbüro habe vor einiger Zeit im Auftrag der Stadt alle Straßen in Stolberg untersucht und bewertet. Und Noten vergeben. Die schlechteste Note ist die Acht. Der Narzissenweg wurde mit der Note sieben bewertet. Kistermann: „Die Straße ist nun einmal verschlissen.“ Die 1966 gebaute Straße habe ihr „Lebensalter“ fast überschritten. Mehr als 60 Jahre halte eine Straße im Schnitt nicht. Das Datum der Erneuerung sei also ohnehin bald absehbar gewesen. Schon jetzt seien überall Netzrisse im Asphalt erkennbar, ebenso offene Pflasterfugen.

Der Bürgermeister appellierte an die Einsicht der Anwohner. Die Straße sei nicht ohne Grund von den Experten als sehr marode bewertet worden. „Da die Straße jetzt sowieso wegen der Kanalarbeiten aufgerissen werden muss, macht es keinen Sinn, erst den Kanal zu reparieren und dann in einigen Jahren noch einmal alles aufzureißen, um die Straße zu reparieren. Das würde auf alle Fälle teurer.“

Das wollten die rund 20 Anwohner im Saal dann aber gerne schriftlich haben. Grüttemeier sagte ihnen zu, kurzfristig eine Kostenaufstellung vorzulegen: Was kostet es, wenn Kanal und Straße in einem erneuert werden und entsprechend Synergieeffekte genutzt werden können. Was kostet es, wenn jetzt der Kanal saniert wird und die Straße erst in einigen Jahren separat angegangen wird? Mit erneuten Planungen, Ausschreibungen, Vergaben und neuem Anrücken der Baufahrzeuge.

Die Anwohner zeigten sich dann doch etwas beruhigter, als sie erfuhren, dass sie schon noch etwas Zeit haben, bis sie die Anliegerkosten für die Straßensanierung zahlen müssen. Die Kanalsanierung beginnt frühestens Mitte 2015. Anschließend hat die Stadt noch vier Jahre Zeit, die Anwohnerbeteiligung einzufordern. Durchaus eine Zeitspanne, in der die Anwohner schon einmal den einen oder anderen Euro ansparen können. Hinzu kommen allerdings womöglich noch Kosten für die Erneuerung der Hausanschlüsse an den Kanal, sollten dort Schäden festgestellt werden. Bei der Im weiteren Verfahren vorgeschriebenen „Bürgerbeteiligung“ sollen die Anwohner noch einmal zu Wort kommen.

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