Strabag-Projekt: „Sahnehäubchen“ will der FDP nicht munden

Von: -jül-
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Im Zuge der Entwicklung in Münsterbusch sollen für den Bereich des heutigen Edeka (1) und des Toom-Baumarktes (2) zentrenrelevante Sortimente ausgeschlossen werden. Die Kartonagefabrik Hoyer (3) soll als Wohnbaufläche ausgewiesen werden. Foto: J. Lange

Stolberg. So gar nicht schmecken will Bernd Engelhardt das „Sahnehäubchen“. Einerseits ist es ihm nicht verlockend süß genug, andererseits bevorzugt er eher herzhafte Kost. Dann, wenn es um Wettbewerb geht. Denn „Wettbewerb soll hier verhindert werden“, behauptet der Liberale.

Im Zuge der Ansiedlung des „Strabag-Projektes“ wolle die Verwaltung durch Reglementierungen an zwei anderen Standorten in Münsterbusch einen Wettbewerb gleichzeitig unterbinden. „Und das machen wir alles nicht mit“, sagt Engelhardt im Ausschuss für Stadtentwicklung und versagt für die heutige Sitzung des Stadtrates die Zustimmung der FDP zu dem seit Jahren wohl wichtigsten Entwicklungsvorhaben in der Kupferstadt. Damit stehen die Liberalen allerdings allein; die übrigen Fraktionen stimmten die für Aufstellung der Bebauungspläne und vertraglichen Regelungen.

Seit nunmehr 13 Jahren bemüht sich die Stadt um eine Vermarktung des Areals neben Dienstleistungszentrum und Industriemuseum. Nachdem Herbert Pontzen, Geschäftsführer der Genius Wirtschaftsberatungsgesellschaft, sein „Cebus-Projekt“ als Erweiterungsbau des DLZ mangels Nachfrage im Jahr 2004 beerdigt hatte, gründete eine Investorenausschreibung vor sieben Jahren neue Hoffnung auf eine städtebaulich hochwertige Gewerbeansiedlung mit einem Bau- und Gartenmarkt als Ankermieter, Fitnesscenter, Gastronomie, etc. Mittlerweile liegt eine reduzierte Planung vor, mit einem Bau- und Gartenmarkt mit 7500 statt 13 000 m2 Verkaufsfläche sowie einem Lebensmittel- und einem Drogeriemarkt; für eine etwa ein Hektar große Teilfläche ist noch keine Nutzung gefunden (wir berichteten).

„Das, was da jetzt rauskommt, ist nicht das, was uns angeboten wurde“, mochte dem Liberalen das Konzept wenig munden. Und ihm stieß wenig erfreut auf, dass „zusätzlicher großflächiger Einzelhandel dort hin soll, wo er schon vertreten ist“. Engelhardt verwies auf Edeka vis-à-vis sowie Netto und Lidl im Umfeld. Und eine weitere Entwicklung der Konkurrenz solle gleich ausgeschlossen werden, interpretierte Engelhardt und verwies auf zwei weitere Bebauungspläne: Auf dem Gelände der Tennishalle an der Kesselschmiede soll Einzelhandel ganz ausgeschlossen werden. Für den Bereich von Edeka, Toom sowie der Kartonagefabrik Hoyer sollen zentrenrelevante Sortimente ausgeschlossen werden, wobei das ehemalige Fabrikgebäude zukünftig als Wohnbaufläche ausgewiesen werden soll.

Im Gegensatz zu Bernd Engelhardt hielten alle anderen Fraktionen im Ausschuss für Stadtentwicklung die Vorschläge der Verwaltung für folgerichtig. Zwar signalisierte auch Rolf Engels (SPD), dass bei dem Projekt nicht mehr ganz das dabei rauskommt, was man sich erhofft habe, „aber wir müssen uns der aktuellen Situation stellen“. Das Projekt sei immer noch eine ausgezeichnete Lösung für den Standort und werde positiv bewertet. Die SPD lege Wert auf eine Anbindung per Kreisverkehr, den Erhalt des Industriekamins und eine Anpassung des Innenstadtkonzeptes an die Entwicklung. Grundsätzlich positiv bewertete auch die CDU das Konzept, zeigte sich allerdings „überrascht, wie sich die FDP echauffiert“, so Paul Kirch. Denn den Liberalen seien die Ursachen für Entwicklung des Projektes nicht nur von Anfang an bekannt gewesen, sondern sie hätten auch an ihr mitwirken können, wenn sie sich denn an den interfraktionellen Besprechungen mit der Strabag dazu auch nur einmal beteiligt hätten.

Auch die Verwaltung konnte der liberalen Linie inhaltlich nicht folgen: Der bereits Standort der Tennishalle sei aus städtebaulichen Gründen ungeeignet für Einzelhandel, erklärte Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt. Auf dem Gelände Edeka und Toom solle nicht Einzelhandel, sondern nur zentrenrelevante Sortimente ausgeschlossen werden. Damit werde nicht Wettbewerb verhindert, sondern versucht, die Entwicklung so zu steuern, dass der Innenstadt nicht geschadet werde. Weil das zukünftige Angebot in Münsterbusch nicht nur der Nahversorgung diene, solle eine Überarbeitung des Einzelhandelskonzeptes folgen, so Pickhardt.

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