Stolberg-Büsbach - Stolberger „Schüler-Export” soll ein Ende haben

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Stolberger „Schüler-Export” soll ein Ende haben

Von: Dirk Müller
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Viele angeregte Gespräche in kleinen Gruppen wurden beim Infoabend zur Gesamtschule in Büsbach geführt. Foto: D. Müller

Stolberg-Büsbach. „Ich bin glücklich und zufrieden an meiner Schule”, tut Nina Graetz selbstbewusst kund. Sie sei froh, die Oberstufe einer Gesamtschule zu besuchen.

Früher litt sie unter Legasthenie und bekräftigt heute, dass sie ohne gezielte Förderung wohl nie eine reale Chance auf das Abitur gehabt hätte. Luca Volckhardt pflichtet ihr bei: „Ich hatte ein Mathematik-Problem, mit dem ich die Oberstufe eines normalen Gymnasiums nicht erreicht hätte. Dank der Unterstützung der engagierten Lehrer der Gesamtschule in Brand werde ich nun bald mein Abi machen.”

Die beiden Schüler waren zwei der Redner, die im Büsbacher „Angie´s Bistro” interessierte Eltern über die Schulform Gesamtschule informierten. „Insgesamt” heißt das Interessennetzwerk von Schulpflegschaften der Gesamtschulen in der Region, das aufklären und das Image der Gesamtschule positiv beeinflussen will.

„Wir wollen falsche durch realistische Vorstellungen ersetzen, denn die Gesamtschule erfährt zu wenig Anerkennung, da die meisten Leute nicht viel von ihr wissen. Außerdem möchten wir uns gemeinsam gegen politische und ideologische Angriffe auf die Schulform zur Wehr setzen”, erklärte Maike Arz den knapp 70 Anwesenden die Intention des Netzwerks.

Arz vertrat die Schulpflegschaft der Montessori-Gesamtschule in Aachen und ließ die Zahlen für sich sprechen. Mehr als 300 Stolberger Kinder besuchen die Waldschule in Eschweiler, über 230 Schüler aus der Kupferstadt sind in der Gesamtschule in Aachen-Brand angemeldet. Und auch an der Montessori-Gesamtschule und und den Gesamtschulen Laurensberg und Langerwehe trifft man auf Schüler aus Stolberg.

„1427 Anmeldungen an den Gesamtschulen der Städteregion stehen 998 Aufnahmen gegenüber, und obwohl längst nicht alle Bewerber angenommen werden, exportiert Stolberg jährlich hunderte Schüler, weil es über keine eigene Gesamtschule verfügt”, gab Arz zu bedenken.

Von den Vorteilen der Gesamtschule berichtete Martina Kaiser aus Stolberg. Sie habe zwei Töchter, von denen eine die Gesamtschule in Brand besuche und die andere eine Regelschule der Kupferstadt. Der direkte Vergleich, der ihr somit möglich sei, falle durchweg positiv aus - und zwar für die Gesamtschule. Janine Dassen von der Pflegschaft der Gesamtschule Langerwehe hat ähnliche Erfahrungen gemacht: „Auch ich kann den direkten Vergleich anstellen, da einer meiner Söhne zum Gymnasium geht, der andere auf die Gesamtschule. In der Gesamtschule werden Persönlichkeiten herangezogen, sie ist eine Schule für besonders talentierte Kinder, egal welches Talent sie haben.”

In etwa 45 Minuten hatten die Redner sich und die Gesamtschule kurz vorgestellt, anschließend begannen Gespräche nach dem so genannten „Open-Space”-Prinzip”: Die Vertreter der Pflegschaften der Gesamtschulen verteilten sich locker im Saal und standen für individuelle Fragen und Gespräche im kleinen Kreis zur Verfügung. Die Anwesenden nutzten das Angebot rege, und erst nach zwei weiteren Stunden verließen die Letzten die Gaststätte.

Organisator Achim Graetz, Pflegschaftsvorsitzender der Waldschule Eschweiler, zeigte sich zufrieden: „Das Prinzip der freien Gespräche im offenen Raum haben wir zum ersten Mal angewendet” Zwar habe er sich etwas mehr Resonanz gewünscht, aber die Anwesenden seien ernsthaft interessiert gewesen, betonte Graetz, der das „Drei-Klassen-Schulsystem” für einen Anachronismus hält und die pädagogischen Erfolge der Gesamtschule hervorhob.

Auf die Frage, ob eine Gesamtschule in Stolberg mit der Schließung anderer Schulen einhergehe, antwortete er: „Dies wird als Konsequenz aus den Anmeldezahlen hervorgehen.” Gleichwohl unterstrich Graetz, dass es nicht um eine Konkurrenz zu anderen Schulen gehe, sondern um das Etablieren einer weiteren Schulform. „Und darum, dass dem Willen hunderter Eltern in Stolberg endlich Rechnung getragen wird.”
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