Stolberg - Stolberger Pfarrer warnt vor rechtsextremen Tendenzen

Stolberger Pfarrer warnt vor rechtsextremen Tendenzen

Von: Jan Schlegelmilch
Letzte Aktualisierung:
Der Stolberger Pfarrer Andreas
Der Stolberger Pfarrer Andreas Hinze ist seit 1996 Synodalbeauftragter für Sekten und Weltanschauungen im Kirchenkreis Aachen. Foto: J. Schlegelmilch

Stolberg. Alte Schriftzeichen, Naturrituale, der Glaube an germanische Gottheiten: Das ist nur ein Teil der Religion des neugermanischen Heidentums, das schon seit Anfang des 19. Jahrhunderts und wieder vermehrt seit Ende der 1970er Jahre junge wie alte Anhänger anzieht.

Harmlose Naturreligonen? Nicht immer. Denn einige Gruppierungen pflegen nicht nur das alte Brauchtum, sondern auch rechtsradikales Gedankengut.

Etwa die Hälfte der Szene, deren Größe nur schwer zu beziffern sei, distanziere sich von rassistischen Aussagen, erklärte Pfarrer Andreas Hinze, der auf Einladung der Frauen-Union und der Jungen Union Stolberg im Evangelischen Gemeindezentrum Frankental einiges über das neudeutsche Heidentum und dessen Verbindungen zur NPD und der rechtsradikalen Szene zu erzählen wusste. Hinze beschäftigt sich seit 1996 als Synodalbeauftragter für Sekten und Weltanschauungen im Kirchenkreis Aachen mit diesem Thema.

„Die neuen Heiden wollen sich ihrer Religion durch Rückbesinnung auf die Natur, Götter und der Pflege des artgemäßen Blutes zuwenden. Und genau da sticht die NPD rein”, verdeutlicht Hinze.Schon Anfang des 20. Jahrhunderts habe die neugermanische Bewegung eine ganze Ladung an Symbolen und Gedanken für den Nationalsozialismus geliefert. Das wohl bekannteste Beispiel: das Hakenkreuz.

Ebenso hat laut Hinze der Nationalsozialismus den religiösen Rassismus des neugermanischen Heidentums übernommen, und diese Grundideen hätten teils auch das Dritte Reich überlebt. Die wohl fanatischste noch bestehende Heidengruppe ist die 1951 gegründete „Artgemeinschaft”. „Diese Gruppe will die nordischen Menschen vom Orientalismus befreien”, erklärte Hinze. „Sie betont einerseits, keine politische Gemeinschaft zu sein, hat aber andererseits ehemalige Mitglieder von NPD, FAP und Wiking-Jugend in ihren Reihen.” Bekanntester Kopf und langjähriger Vorsitzender der Artgemeinschaft war der 2009 verstorbene Rechtsanwalt, NPD-Politiker und Holocaust-Leugner Jürgen Rieger.

Andererseits gibt es aber auch heidnische Gruppen, die sich deutlich gegen den Missbrauch der heidnischen Symbole und Traditionen durch Rechtsextreme stellen: Im Internet hat sich dazu ein Netzwerk gegründet, das unter dem Slogan „Heidentum ist kein Faschismus” Aufklärungsarbeit leistet. Es seien eben nicht alle neuheidnischen Gruppen automatisch rechtsradikal, betonte Hinze. „Aber man muss genau hinschauen, da bei manchen Gruppen Ansätze vorhanden sind.”

In Stolberg gibt es keine bekannte Gemeinschaft des neugermanischen Heidentums. Die Mitglieder des Vereins „Varnenum”, die an den Tempelruinen zwischen Breinig und Kornelimünster ihren Glauben praktizieren, verstehen sich laut ihrer Internetseite als Gruppe moderner Heiden ohne konkrete Glaubensvorstellung, die sich auch deutlich vom Rechtsextremismus distanziert.

„Es ist aber bekannt, dass es im belgischen und niederländischen Grenzgebiet sowie im Schleidener Tal Zusammenkünfte von neuheidnischen Gruppen gibt”, erzählte Hinze, der prinzipiell davor warnt, die Gefahr des Rechtsextremismus im neugermanischen Heidentum zu unterschätzen: „Das ist zwar eine Minderheit, aber es handelt sich um eine gefährliche Minderheit.”
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