Stolberger Krankenhaus erneut im Defizit

Von: Ottmar Hansen
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Das Bethlehem Gesundheitszentrum in Stolberg schreibt rote Zahlen. Die neuen Ärzte sollen mehr Patienten bringen.
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Geschäftsführer Gabor Szük geht in die Offensive.

Stolberg. Das Stolberger Bethlehem-Krankenhaus steckt weiter tief in den roten Zahlen. Die Auslastung der Klinik liegt derzeit nur bei 77 bis 80 Prozent. Eine Schließung des Hauses sei jedoch nicht im Gespräch, sagte Geschäftsführer Gabor Szük am Dienstag.

Szük zeigte sich optimistisch, die Fallzahlen in den kommenden Monaten entscheidend steigern zu können. „Wenn wir wieder das Niveau von 2012 erreichen, sind alle Sorgen weg.“

Doch noch sieht es anders aus. Bleibt es beim bisherigen Trend, wird das Krankenhaus die Jahresbilanz mit einem Minus von knapp unter zwei Millionen Euro abschließen. Bislang liegt die Zahl der Patienten, die sich in diesem Jahr im Bethlehem stationär behandeln ließen, um 500 Personen unter der Zahl aus dem Vorjahr. Rechnet man laut Landesbasisfallwert eine Vergütung von 3000 Euro je Patient, kommt rasch ein Defizit von 1,5 Millionen Euro zusammen. Hinzu kommt, dass etliche der im Jahr 2014 behandelten Fälle weniger schwer waren. Die Patienten konnten die Klinik eher verlassen. Oft schon nach vier, statt der durchschnittlichen sechs Tage Aufenthalt. Entsprechend gab es auch weniger Geld für das Krankenhaus.

Zuletzt hatte die Krankenhaus-Geschäftsführung das Defizit des Hauses auf rund zwei Millionen Euro nahezu halbieren können. Die Hoffnung, auch diese roten Zahlen rasch abbauen zu können, hat sich zerschlagen, Jetzt wird das neue Minus die Bücher belasten. Eine Insolvenz sei dennoch für das Haus kein Thema, betont Gabor Szük. Natürlich erhielten die 850 Mitarbeiter (Vollzeitkräfte 506) des Krankenhauses wie gewohnt ihr Gehalt und auch ihr Weihnachtsgeld. Szük: „Unsere Mitarbeiter sind in dieser Situation noch enger zusammen gerückt.“

Zum Personal gehören 179 Pflegekräfte, die im Schnitt 1149 Fälle pro Monat zu betreuen haben, 250 Betten werden monatlich belegt.

Die Gründe für den Rückgang der Patientenzahl seien nicht gleich offensichtlich. Es sei unklar, ob sich die Stolberger vielleicht im benachbarten Eschweiler oder in Simmerath behandeln ließen, so Szük. Oder schlicht die Zahl der Krankheitsfälle momentan etwas gesunken sei. Dass es im Bethlehem momentan weniger Patienten gibt, habe womöglich auch seinen Grund in der Unruhe, die vergangenes Jahr im Stolberger Haus herrschte. So gab es unter anderem den Arztwechsel in der Orthopädie.

Die Führung des Krankenhauses hat längst die Offensive ergriffen. „Wir haben vorletzte Woche ein Treffen mit den niedergelassenen Ärzten aus der Region gehabt. 30 Mediziner waren unserer Einladung gefolgt. Von denen bekamen wir durchweg positive Resonanz“, sagt Szük. Auch die Ärzte, die ja nun ihre Patienten bei Bedarf in eine Klinik überweisen müssen, hätten sich nicht erklären können, wieso die Zahl der Patienten im Bethlehem zuletzt gesunken ist. Szük: „Wir wollen das Vertrauen der Ärzte in unser Haus aber noch weiter ausbauen.“

Ausführlich wurde bei dem Treffen auch über den Sitz der Kassenärztlichen Vereinigung (KV) für den Notdienst im Gebäude gleich vor dem Krankenhauseingang gesprochen. Szük: „Wir werden uns verstärkt für den Erhalt des KV-Sitzes einsetzen.“ Doch auch in diesem Falle liege die Entscheidung in den Händen der niedergelassenen Ärzte.

Und auch das Haus selbst will sich in der Öffentlichkeit mehr darstellen. „Wir werden gemeinsam mit den Chefärzten mehr Werbung für unser Haus betreiben“, so der Geschäftsführer. Bei Bedarf auch neue, besonders versierte Kräfte einstellen. Ein Schritt, der offenbar schon Früchte trägt. Seit das Krankenhaus Dr. Herbert Röhrig als neuen Chefarzt der Klinik für Orthopädie und Unfallchirurgie zur Jahresmitte einstellte, verdoppelte sich die Zahl der entsprechenden Operationen im Bethlehem von 66 auf 122 OPs monatlich. Offenbar haben Patienten und Stolberger Fachärzte großes Vertrauen in den neuen Leiter der Orthopädie. Diese Abteilung war über Jahre das wichtigste Standbein des Stolberger Krankenhauses und soll es nun auch wieder werden.

Ähnlich verhält es sich mit der Kinderklinik. Chefarzt Dr. Heiner Kentrup teilte erst unlängst mit, dass er das Gesundheitszentrum nicht verlassen, sondern weiter hier arbeiten wird. Die Stolberger Klinik kümmert sich unter anderem um Frühgeborene ab einem Gewicht von 1250 Gramm und Neugeborene. Und auch der neue Kardiologe, Dr. Andreas Bootsveld hat seine Arbeit aufgenommen.

Komplett ausgebucht

Dass die Stolberger Klinik in der Bevölkerung der Stadt gut angesehen ist, beweisen immer wieder Seminare und Vorträge, die das Haus anbietet. Der nächste Vortrag zum Thema „Sodbrennen“ ist mit mehr als 120 Zuhörern komplett ausgebucht.

Dass der Aufsichtsrat des Krankenhauses, das dem Träger „Stiftung katholische Kirchengemeinde St. Lucia“ gehört, nicht gerade erfreut über die aktuelle Entwicklung ist, ist auch Szük klar. Er bleibt aber dabei, das Krankenhaus langfristig wieder in ruhigeres Fahrwasser bringen zu können.

Die Stolberger Klinik ist übrigens nicht das einzige Krankenhaus aus der Region, das ums Überleben kämpft. Auch das medizinische Zentrum der Städteregion Aachen mit Sitz in Würselen musste vergangenes Jahr ein Defizit einräumen. Dort versucht man die Probleme mit einer radikalen Umstrukturierung und einem Neubau neben dem Krankenhaus Marienhöhe in den Griff zu bekommen. Alle intensivmedizinischen Abteilungen sollen vom Standort Bardenberg nach Marienhöhe verlegt werden. Wer dann noch im Bardenberger Haus angesiedelt bleiben wird, ist noch offen.

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