Stolberger Karmel: Rechtmäßigkeit des Notvorstandes bezweifelt

Von: Michael Grobusch
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Stolberg-Zweifall. Die Lage bleibt äußerst angespannt, und doch hat Johann Ehlen Positives in den vergangenen Tagen ausgemacht: „Man macht uns Mut.”

Das stellt der Sprecher des Freundeskreises des Karmel mit Blick auf die nach seiner Aussage große Resonanz fest, die der Spendenaufruf zugunsten der Zweifaller Karmelitinnen ausgelöst hat. Am Freitag soll offiziell ein Konto zu diesem Zweck eingerichtet werden. „Und darüber wird sicherlich kein Notstand verfügen können”, stellt Ehlen nicht ohne Ironie fest.

Ob Schwester Maria Regina und Schwester Katharina derweil bald wieder Zugang zu dem derzeit gesperrten Konto und damit auch zum Guthaben des Karmelvereins haben werden, ist hingegen noch offen. Torsten Lachner zeigte sich am Donnerstag im Gespräch mit unserer Zeitung zuversichtlich, dass der offenbar vom Notvorstand veranlasste Schritt wieder rückgängig gemacht werden muss.

„Grundsätzlich gilt eine Kontovollmacht so lange, bis sie schriftlich widerrufen wird”, erklärte der Erfurter Rechtsanwalt. „Und sollte dieser Widerruf in unserem Fall erfolgen, dann wird zu klären sein, ob der Notvorstand diesen überhaupt aussprechen darf, ohne die Vereinsmitglieder vorher einbezogen zu haben”, so der Rechtsvertreter der Ordensschwestern, der sich zu weiteren rechtlichen Maßnahmen noch nicht öffentlich äußern wollte .

Dass der Verein, in dessen Besitz das Kloster und die dazugehörigen Grundstücke sind, noch über aktive Mitglieder verfügt, zählt auch zu Lachners Hauptargumenten gegen die Besetzung des vom Amtsgericht Aachen bestellten Notvorstand. „Warum nimmt man ausschließlich nicht beteiligte Personen, wenn es doch in Zweifall noch Ordens- und somit Vereinsmitglieder gibt und Schwester Maria Regina sich ausdrücklich um ein Amt im Vorstand bemüht hat?” fragt der Rechtsanwalt.

Zwei Möglichkeiten für Gericht

Eine Antwort erwartet er nun vom Amtsgericht, das sich derzeit mit der Beschwerde der Karmelitinnen befasst und laut Lachner zwei Möglichkeiten hat: „Entweder korrigiert es seinen Beschluss, oder es gibt den Fall an die nächst höhere Instanz, das Oberlandesgericht in Köln, weiter.”

Ein weiterer Ritt durch die Instanzen wäre im letztgenannten Fall vermutlich die Konsequenz - eine Konsequenz, die Lachner, so betont er, nicht scheuen werde, denn: „Was da läuft, ist wirklich völlig unverständlich. Es kann doch nicht sein, dass von außen derart massiv und gegen den Willen der Mitglieder in einen Verein eingegriffen wird mit dem ausschließlichen Ziel, dessen Existenz zu beenden.”

In Deutschland gebe es nicht nur die Vereinsfreiheit, Vereine genössen vielmehr auch einen besonderen Schutz. „Deshalb ist das, was dem Klosterverein widerfährt, aus unserer Sicht nicht rechtmäßig. Sonst könnten wir ja als Außenstehende demnächst auch den ADAC auflösen.”
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