Stolberger ist Physiotherapeut für die Profis der Alemannia

Von: Robert Flader
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Arbeit abseits des Trainingspl
Arbeit abseits des Trainingsplatzes: Andreas Oedekoven „knetet” Alemannia-Neuzugang Sascha Herröder auf der Massagebank. Foto: R. Flader

Stolberg. Einen schlechteren Tag hätte er sich nicht aussuchen können. Es war der 17. August 2009, als Andreas Oedekoven beschloss, eines Tages für die Fitness von Fußball-Profis verantwortlich sein zu wollen.

Und zwar nicht irgendwo, sondern in Aachen bei der Alemannia. Beim Turn- und Sportverein, der an jenem Tag furchtbar Prügel vom FC St. Pauli bezog und mit einem happigen 0:5 sein neues Stadion einweihte. Der damals 22-jährige Oedekoven stand auf der Tribüne und dachte trotzdem: „Ja, ich will.”

Am Freitag, ziemlich genau drei Jahre nach diesem denkwürdigen Auftakt, der auch den Beginn seiner Alemannia-Karriere bedeutete, sitzt Oedekoven im Massageraum im Bauch des Tivolis und „knetet” Neuzugang Sascha Herröder. Schwarzes Alemannia-Shirt, die blonden Haare nach hinten gegelt, auf der rechten Sportschuhzunge steht „Andy”, auf der linken „Oede”. Von der üblichen Hektik unmittelbar vor einem Saisonstart ist in den „heiligen Hallen”, wie Oedekoven den medizinischen Bereich der Alemannia nennt, nicht viel zu merken, dabei steht das prominente Auftaktduell bei Arminia Bielefeld kurz bevor. Herröder und Oedekoven plaudern über dies und das, Athletik-Trainer Janosch Emonts kommt kurz rein und sagt „Servus”, entschwindet dann gleich wieder Richtung Fitnessraum, ein Handy im Vorraum klingelt im Minutentakt, ohne dass es jemanden stören würde, und auf einem handgeschriebenen Zettel an der Wand steht: „Heute wiegen - vor dem ersten Training.”

„Andy Oede” ist seit dieser Saison einer von zwei Physiotherapeuten, die für die Profis des Drittligisten verantwortlich sind. Den ersten Schritt hatte der Stolberger, der seine Kindheit in Münsterbusch verbrachte und bis zur elften Klasse das Goethe-Gymnasium besuchte, bevor er eine Ausbildung zum Masseur begann, schon im Sommer 2009 getan. Für die B-Junioren des Traditionsvereins, die damals in der Mittelrheinliga kickten, fungierte er nebenbei als „Physio”: „Mein Ziel war es aber immer, eine Profimannschaft zu betreuen.” Über zwei weitere Saisons bei den B- und A-Junioren hat er dieses nun erreicht. Am Freitagabend, um genau zu sein, wenn Alemannia bei Arminia antritt.

Köln, Kaiserplatz, Krefelder Straße

Nachdem er seine Ausbildung abgeschlossen hatte, wechselte er zunächst nach Köln - zum 1. FC. Zwei Jahre betreute er dort Nachwuchsfußballer, „aber ich wollte mich schließlich irgendwo als Therapeut bewerben”, sagt er rückblickend. Die erforderliche zweite Ausbildung absolvierte er, als er in die Heimat zurückkehrte und bei den schwarz-gelben B-Junioren anfing. Einige Zeit arbeitete er parallel in der Krankengymnastik- und Massage-Praxis von Hans Wijnands am Kaiserplatz. Die Stelle, die der Stolberger, der mittlerweile mit Freundin Kathrin in der Atsch wohnt, heute ausfüllt, „beansprucht mich natürlich vollzeit, es bleibt nicht viel Zeit für anderes.”

„Ich bin morgens mit der Erste, der kommt und abends meistens der, der abschließt. Die Alemannia fordert dich den ganzen Tag.” Oedekoven ist trotz oder genau deswegen glücklich. Sein erstes Aachener Stadionerlebnis hatte er noch „zu Oberliga- oder Regionalliga-Zeiten”, genau weiß er das jetzt nicht. „Ein paar Hundert Leute waren da.” Jedenfalls waren luxuriöse Massage- und Fitnessräume damals eher die Ausnahme in Fußballstadien, vor allem im 1928 eröffneten alten Tivoli.

Oedekoven, man kann das ruhig so sagen, ist nicht nur „Physio”, er ist „Mädchen für alles”. Er sagt: „Mit den Spielern plauderst du über viele Dinge, es geht nicht nur um den Sport oder Verletzungen.” Er spricht gerne von „den Jungs” und man müsse besonders sensibel mit denjenigen umgehen, die mit Verletzungen zu kämpfen haben. „Du kannst ja schlecht sagen: Oh, diese Verletzung sieht nicht gut aus für deine Karriere.”

Wenn er nicht gerade in den Katakomben des Stadions unterwegs ist, weilt Oedekoven auf dem Trainingsplatz, „einer von uns Physios geht immer mit.” An den Wochenenden - wie an diesem - ist er im Stadion, sitzt gleich neben dem Trainerteam auf der Auswechselbank. Und genau da solle man kein falsches Bild von seiner Arbeit zeichnen: „Manche Leute denken wahrscheinlich, dass wir den Spielern ab und zu eine Trinkflasche zuwerfen, nach Abpfiff alle abklatschen und das wars dann. So sieht unser Job natürlich nicht aus.”

Überhaupt, der Job: „Ich finde das großartig, dass ich jetzt in dieser Position arbeiten darf. Man darf aber nicht vergessen, dass da viele, vor allem private, Dinge, hinten anstehen müssen.” Er ist froh, dass seine Freundin „das alles mitträgt”. Man dürfe nicht vergessen, „dass wir während der Saison wenig planen können, was nicht mit Alemannia zu tun hat”. Wirkliche Freizeit beschränke sich auf Sommer- und Winterpause. „Ich kann ja nicht sagen: Hey, ich hätte gerne mal ein Wochenende frei, wenn wir da ein Spiel haben.”

Der Kreis schließt sich

Am Freitag, um 20.15 Uhr, schließt sich für Andreas Oedekoven der Kreis. Wenn er auf der Gästebank der Bielefelder Schüco-Arena Platz genommen hat, dann ist er auch ganz offiziell da angekommen, wo er seit drei Jahren hin will. Vielleicht beginnt mit dem Freitag aber auch eine neue Reise, die den Stolberger und den Traditionsverein bald wieder in Liga 2 führt? „Abwarten, wir denken nur von Spiel zu Spiel.” Vielleicht muss er das so sagen, vielleicht will er das aber auch so sagen, weil er selbst wirklich nur von Tag zu Tag - oder besser: von Behandlung zu Behandlung - denkt.

Team hinter dem Team: Physios, Ärzte und Betreuer

Andreas Oedekoven nennt es „das Team hinter dem Team”: Neben dem Trainergespann steht in der kommenden Saison auch die Arbeit der Betreuer-Mannschaft im Vordergrund - zumal die 22 Profi-Fußballer mit 38 Spielen in der Dritten Liga vier Partien mehr zu absolvieren haben als in Liga 1 und 2.

Das Gespann besteht aus den Mannschaftsärzten Heinz Mangels und Dr. Alexander Mauckner, Athletik-Trainer Janosch Emonts, den beiden Physiotherapeuten Thomas Lange und Andreas Oedekoven sowie den Mannschaftsbetreuern Herbert Becker, Michael Förster und Mohammed Hadidi.
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