Stolberger Hauptbahnhof nun fest in der Hand der EVS

Von: Jürgen Lange
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Ausgediente Technik, leere Reg
Ausgediente Technik, leere Regale: Im DB-Stellwerk werden nicht mehr benötigte Relais und Kabel reihenweise ausgebaut. Nur noch für die Gleise der Hauptstrecke wird sie benötigt. Foto: J. Lange

Stolberg. „Rangierlok auf Gleis 7 melden! Ja, Euregiobahn hat freie Fahrt...” Es sind anstrengende Tage für Jörg Bartels. Der Fahrdienstleiter der EVS hat alle Hände voll zu tun, sich mit der ganzen Bandbreite des elektronischen Stellwerks zurecht zu finden.

Denn jetzt laufen hier, im Seitenflügel des Hauptbahnhofes, alle Fäden des Netzes der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH zusammen. Gleise, Weichen, Signale und Strecken des privaten Infrastrukturanbieters sind von denen der Deutschen Bahn AG getrennt. Der Hauptbahnhof ist nun fest in der Hand der EVS.

Überschaubares Schaltpult

Mit drei Ausnahmen. Im DB-Stellwerk, das Mitte der 1980er Jahre noch der Inbegriff moderner Technik war, ist für Fahrdienstleiter Peter Desernot die dienstliche Welt recht übersichtlich geworden. Nur noch die beiden Gleise der Hauptstrecke zwischen Aachen und Köln sowie Gleis 3, ein 640 Meter langer Abschnitt zwischen dem EVS-Gleis 43 und der Einmündung in die Hauptstrecke in Richtung Eschweiler, zählen zu seinem Revier. Die Schalttafel mit den elektromagnetischen Stellknöpfen ist dementsprechend leer und übersichtlich geworden. Das war bis zur vergangenen Woche noch anders. Bis dahin hingen noch die kompletten Gleisfächer des Hauptbahnhofes an Desernots Schalttafel.

Nur die Strecke nach Stolberg Altstadt war bereits im Dezember auf die zeitgemäße EVS-Steuerung umgestellt worden. In seinem Leitstand kann Jörg Bartels alles auf den Strecken per Mausklick regeln. Flachbildschirme ersetzen die Schalttafel. Eine Funkanlage ermöglicht die direkte Kommunikation mit den Lokführern. Und mit einem Blick auf einen großen Multimediaschirm hat der Fahrdienstleiter auch gleich die Videoüberwachung der Bahnsteige der Euregiobahn im Visier.

Doch es ist nicht nur die Euregiobahn mit dem Wechsel ihrer Flügelzug-Triebwagen, die Bartels und seine Kollegen an diesem Drehkreuz im Blick halten muss, auch der Güterverkehr beansprucht seine Aufmerksamkeit. „Am Vorabend kamen bei starker Auslastung auf der Hauptstrecke in direkter Folge noch acht Züge mit je 40 Waggons mit Schotter an”, erzählt EVS-Geschäftsführer Christian Hartrampf. „Die müssen erst einmal im Rangierbahnhof untergebracht werden”. Der bietet in mehreren Abschnitten ein Potenzial von mehr als 20 Gleiskilometer, das jetzt mit der Trennung vom Netz der Deutschen Bahn genutzt und auch weiter ausgebaut werden kann. „Da sind wir der Railion Schenker schon dankbar, dass sie mit uns so flexibel und hilfreich durch die Umstellungsphase geht”, sagt Hartrampf.

Im Grunde erfolgt die Trennung vom Netz der DB auf einen Schlag, aber jedes Signal, jede Weiche, jede Einrichtung muss dann auch an die EVS-Kabel und -Steuerung angeschlossen und getestet werden, erklärt EVS-Betriebsleiter Ulrich Merten. Und das gleich in doppelter Hinsicht, denn aus Sicherheitsgründen ist bei der Bahn alles mindestens zweifach vorhaben. Das gilt auch für die Steuereinrichtung des Stellwerks. „Dabei ist es auch immer wieder einmal zu Verspätungen oder auch einzelnen Zugausfällen gekommen”, gesteht Merten ein. „Wenn aber beispielsweise ein Bahnübergang nicht absolut sicher funktioniert, kann nicht gefahren werden.”

Aber in Gänze betrachtet läuft das Projekt derzeit reibungslos, sagt EVS-Geschäftsführer Thomas Fürpeil und lobt die Zusammenarbeit mit der DB sowie mit Siemens und den anderen beteiligten Unternehmen. Davon überzeugt sich am Mittwoch auch Axel Wirtz, der ebenso Vorsitzender des EVS-Beirats wie des Aufsichtsrats des AVV ist. Dabei interessierte sich der Stolberger Landtagsabgeordnete insbesondere auch für die weiteren Perspektiven eines Ausbaus des Euregiobahnnetzes etwa nach Breinig und Baesweiler. „Auch dafür ist von uns schon einmal vorgesorgt worden”, versichert Fürpeil. „Im Grunde erfüllen wir jetzt einen zehn Jahre alten Vertrag”, erklärt der EVS-Geschäftsführer.

Denn die Trennung der Netze von DB und EVS war eine Voraussetzung dafür, dass die Euregiobahn überhaupt erst auf die Schiene gesetzt werden durfte. „Das, was heute hier passiert, ist in dieser Dimension einmalig in der Bahngeschichte”, sagt Merten, der während der letzten Tage kaum zum Schlafen kam. Zeitweise bis zu 200 Arbeiter sind im Einsatz. Bis zum Wochenende soll das Projekt bis auf einige Restarbeiten abgeschlossen, alle Gleisstrecken im Hauptbahnhof nutzbar sein. Vorausschauend auf den jetzt um mindestens ein Jahr verschobenen Ringschluss nach Herzogenrath baut die EVS bereits den neuen Bahnsteig an alter Stelle aus. Zwischen Gleis 43 und dem Kopfgleis 44 wird die Euregiobahn wieder dort halten, wo bis in die 80er Jahre noch der Schienenbus nach Herzogenrath startete.

Bis Ende des Jahres strebt die EVS auch an, die historische Überdachung an Gleis 43, die Fassaden des Bahnhofsgebäudes und das eigene Umfeld saniert zu haben. Angesichts dieser umfangreichen Restaurierungsleistungen dürften sich die Stadt und die Deutsche Bahn gefordert sehen, auch ihren Beitrag zur Gestaltung dieser Visitenkarte Stolbergs zu leisten. Eine Sanierung der maroden Rhenania­straße und die Schaffung weiterer P+R-Plätze steht auf der Schwerpunktliste der Koalition.

Die Deutsche Bahn ist noch in der Pflicht den Mittelbahnsteig zu sanieren und barrierefrei herzurichten. Die Pläne dazu gibt es bereits, aber Geld für eine Finanzierung des Umbaus solls bislang nicht vor 2014 geben.
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