Stolberger Hauptbahnhof: Neues Angebot an alter Stätte

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Immer mehr Reisende nutzen den
Immer mehr Reisende nutzen den Stolberger Hauptbahnhof. Nach erfolgter Restaurierung des Denkmals soll ein Versorgungs-Zentrum nebst Toiletten-Anlage den Service verbessern. Foto: J. Lange

Stolberg. „Darfs noch etwas mehr sein?” Ein Brötchen mit Schinken, oder eine Brühwurst? Sicherlich ein Kaffee zum Mitnehmen und ganz bestimmt eine Zeitung zur Lektüre während der Bahnfahrt. Angesichts der weiter andauernden Bauarbeiten ist diese Szene am Stolberger Hauptbahnhof noch ein wenig schwer vorstellbar.

Erst recht, weil die Zeiten einer Restauration lange zurückliegen. Als das Gebäude 1988 seinen 100. Geburtstag feierte, war das Bahnhofslokal längst geschlossen. Doch mit dem Aufschwung der Euregiobahn und dem Ausbau des Stolberger Hauptbahnhofs als Drehscheibe für den regionalen und überregionalen Schienenverkehr wird auch der Service für die Reisenden in der neuen Betriebszentrale der Euregio Verkehrsschienennetz GmbH deut­lich verbessert.

Bereits in der übernächsten Woche beginnt die EVS mit dem Umzug ihrer Zentrale von Eschweiler in den Hauptbahnhof. Das neue zentrale Stellwerk hat dort bereits im Dezember die Arbeit aufgenommen.

Modellprojekt für Städteregion

Und in der kommenden Woche soll bereits die „Dienstleistung ortsnahe Rundum-Versorgung GmbH” (DORV) mit einer Machbarkeitsstudie zu einem Service-Zentrum im Hauptbahnhof beauftragt werden, nachdem der Stolberger Hauptausschuss in dieser Woche Mittel zur Ko-Finanzierung einstimmig freigegeben hatte.

Die DORV ist ein Modellprojekt des Landes mit großen Erfahrungen insbesondere bei der Sicherstellung der Nahversorgung im ländlichen Raum. Vorbild für das geplante Service-Zentrum sind die in ihren individuellen Strukturen oft sehr unterschiedlichen Dorf-Läden, wie sie zunehmend die Versorgung der Bevölkerung auch in den an Einwohnern schwachen Teilen der Eifel-Region sicherstellen. Angesichts der modellhaften Bedeutung eines solchen Service-Zentrums in dem immer stärker von Reisenden und Besuchern frequentierten Hauptbahnhof sowie seiner wachsenden Bedeutung auch für die Tourismusströme in der Region, beteiligt sich die Städteregion federführend an der Realisierung der Einrichtung.

Die Stabsstellenleiterin der Regionalentwicklung koordiniert das Projekt. „Wir werden konstruktive Lösungen für das Service-Zentrum erarbeiten”, verweist Ruth Roelen auf intensive, aber auch kurzfristig zu realisierende Recherchen. Bereits im Sommer sollen nach Befragungen von Fahrgästen und potenziellen Kunden sowie weiteren Untersuchungen konkrete Aussagen zu geeigneten Betriebsformen, Öffnungszeiten, Personalstrukturen und Sortiment folgen.

Erfolgreiche Vorbilder

Neben Getränken, Snacks, Reisebedarf und Fahrkarten soll das Service-Zentrum auch touristische Informationen zu Stolberg und weiteren Sehenswürdigkeiten und Angeboten in der Städteregion vorhalten. „Wir werden das Angebot individuell auf die Situation am Hauptbahnhof zuschneidern”, kennt Roelen die recht unterschiedlichen Voraussetzungen für lokale Lösungen bereits von erfolgreich durchgeführten Projekten zur Sicherung der Nahversorgung im ländlichen Raum.

Möglichst zum Jahresende, wenn der Ringbahnschluss der Euregiobahn zwischen Stolberg und Alsdorf erfolgt ist, soll auch das Service-Zentrum in Betrieb gehen. Dann wird der Stolberger Hauptbahnhof, den bereits heute zahlreiche Berufspendler aus der ganzen Region nutzen, noch stärker zu einem Umsteigepunkt zwischen der Euregiobahn und den überregionalen Anschlüssen zwischen Rheinschiene und der Euregio werden. Mit Gesamtkosten von 8500 Euro wird die Machbarkeitsstudie auch deutlich günstiger ausfallen als in Stolberg erwartet worden war.

Somit reduziert sich auch der städtische Anteil weiter. Neben der Städteregion beteiligen sich auch der Aachener Verkehrsverbund und die EVS an der Umsetzung des Projektes. Eingebunden ist ebenfalls das „Job-Center” der Arge, das die spätere personelle Betreuung des Service-Zentrums am Bahnhofsgleis 43 sicherstellen soll. Dort wird dann auch eine Toilettenanlage bereitstehen, die die Bahnhofsbesucher in Stolberg bislang oft so schmerzlich vermisst haben.

Derweil laufen bei der EVS und ihren Projektpartnern die Vorbereitungen für die Trennung ihrer Netze von denen der Deutschen Bahn „bislang völlig reibungslos”, wie Geschäftsführer Thomas Fürpeil unterstreicht. Im Dezember war das Vorhaben gescheitert, weil Siemens es versäumt hatte, eine erforderliche Genehmigung der Aufsichtsbehörde einzuholen. Dies ist nun für den 17. bis 20. Mai vorgesehen, was für die Kunden der Euregiobahn noch einmal zu Beeinträchtigungen führen wird. Dann sollen aber auch die Arbeiten an dem Stumpfgleis am Bahnhofskopf fortgeführt werden, an dem wie in früheren Zeiten wieder die aus Alsdorf kommenden Züge der Euregiobahn Einfahrt halten sollen.

Verhandlungen mit der Stadt

Noch nicht abgeschlossen sind dagegen die Verhandlungen der EVS mit der Stadt über die weitere Gestaltung des Umfeldes des Hauptbahnhofes. „So, wie es sich jetzt präsentiert, kann es nicht bleiben”, unterstreicht Thomas Fürpeil. Denn angesichts der zurückgewonnenen Bedeutung des Stolberger Hauptbahnhofes, zunehmender Frequentierung und der umfangreichen Sanierung des denkmalgeschützten Gebäudes sollte sich auch dessen Umfeld in einem adäquaten Zustand zeigen.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert