Stolberg - Stolberger Forst: Zuerst wird geschält und dann gepoltert

Stolberger Forst: Zuerst wird geschält und dann gepoltert

Von: Doris Kinkel-Schlachter
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Mobile Entrindungsmaschine: Rund um den Frackersberg und Kahlenberg haben Rolf und Ronny Piront im Auftrag der Stadt 700 Kubikmeter Holz in knapp drei Tagen geschält. Foto: D. Kinkel-Schlachter

Stolberg. Irgendwie hat das Ganze etwas von Spargelzeit: Eine Stange des königlichen Gemüse in die eine Hand, den Sparschäler in die andere und los geht die mühsame Arbeit. Was sich in den letzten Tagen im Stolberger Forst abgespielt hat, kam dem recht nah. Allerdings handelte es sich nicht um Spargel-, sondern Holzschälen. Und natürlich alles eine Nummer größer und aufwendiger.

Allerdings handelte es sich nicht um Spargel-, sondern Holzschälen. Und natürlich alles eine Nummer größer und aufwendiger. In Zahlen ausgedrückt sind es 700 Kubikmeter, also 700 Festmeter Holz, die das Vater-Sohn-Gespann Rolf und Ronny Piront in gerade einmal zweieinhalb Tagen mit ihrer mobilen Entrindungsmaschine am Frackersberg sowie am Kahlenberg verarbeitet haben. Vorne kommen die riesigen Stämme mit Rinde rein, hinten kommen sie fertig entrindet wieder raus, das ganze dauert gerade mal eine Minute pro Stamm, bei kürzeren geht es noch schneller. „Per Hand würde das 350 bis 400 Stunden dauern, mindestens“, sagt Piront, der seinen Forstbetrieb im belgischen Elsenborn führt.

Der Kran, den er bedient, hebt einen Stamm hoch, der durch Walzen in die Maschine geschoben wird bis zu einem Vorschneider. Dann geht es durch das Schälaggregat und durch weitere Walzen wieder raus. Die Stämme sind 80-jährige Fichten mit durchschnittlich einem Festmeter, das als Sägeholz später zu den heimischen Sägewerken kommt, in diesem Fall geht es nach Zweifall zum Sägewerk Krings. Dafür hat die Schälmaschine die Stämme abholbereit an den Wegesrand gelegt. „Das Holz bleibt in der Region, es geht von Zweifall nach Zweifall“, sagt Theo Preckel.

Der Leiter des städtischen Forstamtes schaut sich die Arbeit von Vater und Sohn an und ist rundum zufrieden. Nach dem Entrinden wird das Holz gepoltert, also auf spezielle Art und Weise gestapelt und gelagert. Zwischen den längst gelagerten Stämmen werden auch welche quer gelegt, „sodass das Holz von allen Seiten gleichmäßig abtrocknen kann“, erklärt Preckel.

Das, was die Pironts auf Stolberger Gebiet machen, ist gar nicht (mehr) üblich. „Es gibt nur noch um die 40 Maschinen dieser Art europaweit“, sagt Rolf Piront über seine mobile Schälmaschine. Die großen Sägewerke verfügten selbst über solche Maschinen, stationär am Werk. Zusätzlich hätten sie einen Trockenraum, um das entrindete Holz zu trocknen, „aber so, wie wir es machen, ist es natürlicher und somit umweltfreundlicher“, erklärt Sohn Ronny.

Energie wird einzig beim Schälen in Form von Kraftstoff verbraucht, pro Festmeter Holz etwa ein Liter Diesel. Da kommen zwar bei der jetzt verarbeiteten Menge auch an die 700 Liter Diesel zusammen, aber das war es dann auch. „Das Holz ist so gelagert, dass es ohne eigens zugeführter Energie trocknen kann, allein mit Sonne und Wind“, sagt Förster Preckel. Bis es an der frischen Luft getrocknet ist – dann ist noch eine Restfeuchte von 18 Prozent übrig – vergeht etwa ein Jahr. „Durch diese Art von Trocknung wird das Holz viel leichter, und die Spannungen gehen raus. Es reißt dann auch nicht so schnell.“

Rund 775.000 Euro konnten an Erlösen aus dem Holzverkauf im vergangenen Jahr erzielt werden. Insgesamt 10.250 Festmeter – in erster Linie Fichten – wurden eingeschlagen, wobei die Preise für Nadelholz leicht fielen und die für Laubholz auf niedrigem Niveau stagnieren. Für das begonnene Jahr 2013 prognostiziert der Leiter des städtischen Forstamts Einnahmen von 350.000 Euro bei einem geplanten Einschlag von rund 5860 Festmetern Fichte, Eiche und Buche. Bei einem unvorhergesehenen Einschlag von weiteren 2000 Festmetern könnten die Einnahmen um 130.000 Euro gesteigert werden.

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