Stolberg - Stolberger feiern einen Glücksfall der Geschichte

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Stolberger feiern einen Glücksfall der Geschichte

Von: Toni Dörflinger
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Stolberg/Harz ist eine Reise wert: Auf der Rathaustreppe hat sich die Gruppe der hiesigen Stolberger zum Erinnerungsfoto formiert. Foto: T. Dörflinger

Stolberg. Auch wenn die im Südharz gelegene gleichnamige Partnerstadt bereits zum zwölften Mal im Oktober Ziel einer hiesigen Reisegruppe war, übt sie weiterhin auf die Rheinländer eine große Faszination aus. Verantwortlich ist dafür die reizvolle Mischung, die von Begegnung, Programm und Unterkunft geprägt wird.

Denn wer möchte nicht mal für einige Tage in einem der alten Fachwerkhäuser wohnen und dabei ein anspruchsvolles Angebot in Anspruch nehmen, bei dem die Feierlichkeiten zum Tag der Deutschen Einheit im Mittelpunkt stehen? Verständlich, dass auch diesmal wieder rund 140 hiesige Stolberger die Chance nutzen, um freundschaftliche Kontakte zu pflegen und bei sonnigem Frühherbstwetter die nähere und weitere Umgebung der 1400-Einwohner-Stadt zu erkunden.

Schließlich hat der 2010 nach Südharz eingemeindete kleine Ort kürzlich nach einer Änderung des in Sachsen-Anhalt gültigen Kommunalverfassungsgesetzes seinen Stadttitel wiederbekommen: Erstmals Stadt wurde Stolberg/Harz im 13. Jahrhundert. Unterstrichen werden soll dieses neue Selbstwertgefühl durch die Gründung einer Bürgerstiftung, an der sich auch hiesige Stolberger (siehe Box) beteiligen können.

„Lotse geht von Bord“

„Aus eigener Kraft können wir die angestrebten Ziele nicht erreichen. Unsere Einwohnerzahl ist zu gering. Darum bitten wir die Freunde aus dem Rheinland um Mithilfe“, lautet der Appell des Ortsbürgermeisters Frank Siewering. Der 53-Jährige, der als Großkundenbetreuer in der Zigarettenindustrie tätig ist, hatte kürzlich Ulrich Franke im Amt abgelöst.

Demzufolge musste sich jetzt der 67-jährige Franke, der in seiner langen Amtszeit unter anderem auch die Position eines Verwaltungsdirektors bekleidet hatte und für seine Verdienste 2010 mit dem Bundesverdienstkreuz ausgezeichnet wurde, einer weiteren Ehrung stellen. Im Saal des Hotels Kanzler überreichte ihm am Ankunftstag die hiesige Reisegruppe als Zeichen des Dankes und der Anerkennung eine Gedenkmedaille, die dem 600-jährigen Bestehen der Chorhalle des Aachener Domes gewidmet ist.

Die Laudatio hielt Wolfgang Hennig. „Der Lotse geht von Bord. Zielstrebig und hartnäckig bist Du deinen Weg gegangen. Du hast dich um Stolberg/Harz und die Einheit wahrlich verdient gemacht“, so der Alt-Bürgermeister, der dem auch hiesigen Stolbergern aus vielen gegenseitigen Besuchen bestens bekannten Franke zusätzlich noch eine Bert-Stollenwerk-Grafik der Burg übereichte.

Ganz im Zeichen der Wiedervereinigung stand am darauffolgenden Tag die Open-Air-Veranstaltung auf dem Marktplatz der kleinen Harzstadt. Dort sorgte ein zugkräftiges, aus Musikbeiträgen und Reden bestehendes Programm für Abwechslung. Platz hatten die rund 250 Menschen, die überwiegend aus dem hiesigen Stolberg stammten, an den von den umliegenden Gastronomiebetrieben bewirtschafteten Tischen gefunden. Eröffnet hatten das von DJ Lutz Elschner gestaltete Musikprogramm, der auch die anderen drei Reisetage der Rheinländer musikalisch begleitete, die Gruppe „Original Obereichsfeld-Musikanten“. Danach folgten aus Stolberg/Harz der Gemischte Chor, die Jagdhornbläser und die Oldie-Rockband „Zeitlos“ mit ihren Beiträgen.

Im Mittelpunkt standen aber die Ansprachen zum Einheitstag. Dazu waren auch Bürgermeister Tim Grüttemeier aus der Kupferstadt und aus dem niedersächsischen Hardegsen sein Amtskollege Dieter Sjuts in den Harz gereist. Eröffnet hatte die Redebeiträge Ortsbürgermeister Frank Siewering, der den Mauerfall vor rund 25 Jahren als Glücksfall der Geschichte bezeichnete und die Stolberger aus beiden Städten zum Fortschreiben einer seit einem Vierteljahrhundert andauernden Erfolgsgeschichte aufforderte.

Danach hatte Grüttemeier das Wort, der gleichfalls die Erfolge der Vergangenheit würdigte und die Harzer zu einem Gegenbesuch im kommenden Jahr in der Kupferstadt einlud: Schließlich soll 2015 im größeren Rahmen mit den Delegationen aus den französischen Partnerstädten Valognes und Faches-Thumensnil das 25-jährige Bestehen der drei Städtepartnerschaften gefeiert werden.

Vertieft wurde der Einheitsgedanke auch von Dieter Sjuts, der sich den dabei entstandenen freund­schaftlichen Kontakten und Begegnungen widmete.

Eingeläutet hatte die Vereinigungsfeiern ein Schießwettbewerb in der im Thyratal gelegenen Unterkunft der „Stolberger Schützengilde“. Daran hatten sich rund 60 Personen beteiligt – und wie 2012 sicherten sich die Harzer den Sieg.

Der folgende Tag wurde in Quedlinburg verbracht, wo man unter anderem dem Deutschen Fachwerkmuseum sowie dem Schlossberg mit der Servatius-Kirche und dem Domschatz einen Besuch abstattete. Noch mehr Anziehungskraft hatten auf die hiesigen Stolberger aber die zahlreichen im Freien liegenden Sitzplätze, von denen aus man bei einem Getränk oder Essen das weltberühmte Fachwerkensemble genießen konnte.

Abschluss der viertägigen Begegnung waren dann der ökumenische Gottesdienst in der Martini-Kirche und die Fahrt zum Auerberg. Den Gottesdienst hatten das örtliche Gesangsquartett „Ekklesia“ und die Pfarrer Jörg Thoms und Dieter Grode (beide evangelisch) sowie Hans-Rolf Funken (katholisch) gestaltet.

Auf dem 580 Meter hohen Auerberg erwartete die Stolberger Reisegruppe anschließend ein aus Turmbesteigung (Doppelkreuz), Musik und Erbsensuppe-Essen bestehendes Programm. Höhepunkt war dabei der Auftritt von Großvater Dieter Hohmann und Enkel Franz Hohmann auf der Steirischen Harmonika: Das Spielen dieses variantenreichen Instruments hat dem 15 und 66 Jahre alten Duo kürzlich den Titel „Thüringischer Landesmeister“ eingebracht.

Nach vielen Eindrücken und Begegnungen erfolgte dann die achtstündige Rückfahrt per Bus ins Rheinland.

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