Stolberger Fahrlehrer begrüßen neues Punkte-System

Von: Anja Klingbeil
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Bundesverkehrsminister Peter R
Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer (CSU) auf einer Pressekonferenz im Verkehrsministerium in Berlin neben einem Punkte-Tacho. Foto: dpa

Stolberg. Einfacher, transparenter und gerechter soll der neue Bußgeld-Katalog sein, den Bundesverkehrsminister Peter Ramsauer jüngst vorgelegt hat. Doch ist der Minister mit seinem neuen Strafregister für Verkehrssünder wirklich auf dem richtigen Weg?

„Ich finde es nicht verkehrt, dass das System vereinfacht und damit viele Dinge verständlicher werden”, sagt Andreas Kleyer. Der 46-jährige Stolberger ist seit 20 Jahren Fahrlehrer. Und wenn schon der Fachmann Kleyer das derzeitige System für „undurchsichtig” hält, was soll dann erst der normale Autofahrer sagen? Höchste Zeit also, dass die Flensburger Datei endlich mal gründlich überarbeitet wird, findet Kleyer.

Statt bei bisher 18 Punkten droht Verkehrssündern im neuen Strafregister bereits bei acht Punkten der Verlust ihres Führerscheins. Je nach Schwere des Delikts gibts für Verstöße künftig nur noch ein oder zwei Punkte in der Flensburger Kartei. Diese sollen zudem nach einer Frist verfallen. Wer drei Punkte auf seinem Konto hat, wird ohne weitere Maßnahmen vorgemerkt. Eine Ermahnung wird bei vier oder fünf Punkten an den Fahrzeughalter ausgesprochen. Zeigt die Nadel des Punkte-Tachos auf sechs oder sieben, ist eine Verwarnung fällig. Der Fahrer muss dann innerhalb von drei Monaten an einem Fahreignungsseminar teilnehmen.

Wer also in Zukunft nicht aufpasst, der hat schnell so viele Punkte auf dem Konto, dass ihm der Führerscheinverlust droht. Genau da sieht Fahrlehrer Lothar Wassenberg das Problem: Berufskraftfahrer könnten diese Punkte ganz fix sammeln. „Da hängen schnell Existenzen dran”, sagt Wassenberg. Zudem glaubt er nicht daran, dass Punkte überhaupt einen Fahrer davon abhalten, das Gaspedal bis zum Anschlag durchzudrücken. Den typischen Verkehrssünder, so sagt Fahrlehrer Nikolaus Haubrich, gibt es im Übrigen nicht: „Das kann der Geschäftsmann sein, der es eilig hat, weil er auf dem Weg zu einem wichtigen Termin ist, oder der Jugendliche, der seinen Freunden imponieren möchte.” Fest steht allerdings, betont Haubrich, dass eindeutig mehr Männer als Frauen einen Bleifuß haben.

Doch was hilft, wenn Punkte nicht abschreckend genug sind? „Die Strafen sind einfach nicht drastisch genug”, sagt Haubrich, der seit 34 Jahren Fahrlehrer ist. Da müsse man nur mal schauen, wie vorbildlich die deutschen Autofahrer sich im Ausland verhalten: Da werde dann plötzlich auf die Verkehrsregeln geachtet. Kein Wunder. Kostet das Telefonieren mit dem Handy während der Fahrt in Deutschland um die 60 Euro, muss der Erwischte in den Niederlanden dafür 180 Euro auf den Tisch legen und in Italien sogar 400 Euro. Das schreckt ab, so Habrich.

Tempolimit

Michael Schulz, Vorsitzender der Verkehrswacht Aachen, hält die Überarbeitung der Flensburger Kartei sogar für notwendig. Doch müsste aus seiner Sicht vor allen Dingen bei den jungen Fahrern (bis 25 Jahre) angesetzt werden. Diese Gruppe macht einerseits nur zehn Prozent der Verkehrsteilnehmer aus, ist aber in 25 Prozent der Unfälle verwickelt. Die Hauptursachen sind zu hohe Geschwindigkeit, zu geringer Abstand und Alkohol. Diese Erkenntnisse müssten in einen neuen Punktekatalog eingearbeitet werden, fordert Schulz: „Ich glaube fest, dass nur Bußgelder und Punkte zu einer Verhaltensänderung führen. Appelle nutzen nichts. Ich persönlich wäre für ein Tempolimit.”

Und überhaupt, so gibt Lothar Wassenberg zu bedenken: „Ich raten meinen Schülern, sich an die Regeln zu halten. Denn die Raser sieht man immer wieder, die kommen gar nicht schneller ans Ziel.”
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