Stolberger Burg ist spannend wie noch nie

Von: Jürgen Lange
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So romantisch hat die Stolberger Burg im Mittelalter nie ausgesehen: Christian Altena führt für die Stolberg-Touristik nun regelmäßig durch das Wahrzeichen der Stadt. Am Dienstag war Premiere. Foto: J. Lange

Stolberg. Viel spannender ist die Geschichte des Stolberger Burg als es der Blick auf das Wahrzeichen der Kupferstadt vermuten lässt. Von Kanonen auf dem Bergfried, Schießschächten und Gerichtsverhandlungen weiß Christian Altena zu erzählen.

Freilich sah zu diesen Zeiten die Burg völlig anders aus, war funktional und trug den modernen Entwicklungen der Waffentechnik Rechnung. Fasziniert lauschen Mitglieder des Arbeitskreises Tourismus und die Stadtführerinnen der Stolberg-Touristik dem Vortrag ihres neuen Kollegen. Der Stolberger hat seine Magister-Arbeit über die Feste geschrieben, deren Wurzeln tief im Mittelalter gründen. Touristik-Leiterin Barbara Breuer ist es gelungen, Altenas Fachwissen für die Besucher der Kupferstadt zu erschließen. Nach den Recherchen des Bauhistorikers musste die Geschichte der Burg in Teilen neu geschrieben, und die Stolberg-Touristik konzipierte ihre Burgführung neu. Am Dienstag hatte sie Premiere.

Eine Premiere, bei der Historie durchaus spannend auflebte. Und mit ein wenig Phantasie können sich die Zuhörer vorstellen, wie die Kanonen geladen werden oder der Burgherr zu Gericht sitzt über einen wieder eingefangenen Straftäter. Das ereignet sich erst im 15. Jahrhundert.

Ein Vorläufer des Bollwerks entsteht bereits im 12. Jahrhundert, wird 1188 erstmals urkundlich erwähnt als Sitz des Reinardus, der sich nach seiner Burg von Staelburg nennt – ein kleiner Festungsbau auf dem Burgfelsen im eher unwirtlichen und wenig attraktiven Tal der Vicht. Als Vasall der Grafen zu Limburg hat er die Grenze zu bewachen zum Jülicher Land und zur Reichsabtei Kornelimünster. Später geht das Bauwerk in den Besitz des Reinhard von Schönforst über, die selbst gemütlich in dem heute zu Aachen gehörenden Stadtteil residieren. Seine Stolberger Vasallen aber ziehen umher und plündern als Raubritter unschuldige Fahrensleut‘ um sich ernähren zu können.

Solche Umtriebe gedenken die „Behörden“ nicht zu gedulden. Die Herzöge beschließen den Landfrieden sicherzustellen und die Stolberger Burg zu schleifen. 1375 wird sie dem Erdboden gleich gemacht. „Heute sind keine Relikte aus dieser Zeit mehr zu erkennen“, erzählt Altena. 1396 übernehmen die Jülicher Herzöge die Enklave an der Vicht.

Sie übertrugen Wilhelm von Nesselrode die Herrschaft. Aus dem Bergischen kommend, erkannte dieser das Potenzial des Tals mit seiner Wasserkraft, Holzbestand und Erzfunden. Etwa ab 1450 begann der Aufbau einer neuen Burg. Und die wurde dann gleich auf moderne Waffenentwicklungen ausgelegt, die andere Anforderungen als das frühe Mittelalter stellte. Der Entwicklung von Gewehren und Kanonen musste Rechnung getragen werden. Die Mauern wurden mächtiger, aber die Befestigungen mussten nicht mehr so hoch sein.

„Der Bergfried reichte etwa nur zur halben Höhe“, erzählt Altena. Auf der Spitze standen Kanonen, Schießschachten für Gewehrschützen prägten die dem Gegner zugewandte Fassade. Vom Westturm zog umfasste eine Wehrmauer den unteren Burghof bis etwa zur heutigen Vorburg. Als Palasgebäude diente der Komplex des heutigen Rittersaals als Residenz – mit Plumsklo in den Hof. Dagegen diente die heutige Kemenate als Gerichtssaal. Anstelle des derzeitigen Vorbaus führte ein Treppenturm in die Geschosse. Zur Katzhecke hin schirmte eine Schildmauer die Burg vor Angriffen ab, so dass sich die Bewohner zum sicheren oberen Burghof hin auch Fenster erlauben konnten.

Im 16. Jahrhundert förderte Hieronymus von Efferen als Burgherr die wirtschaftliche Entwicklung im Stolberger Tal. Kupfermühlen entstanden, die Burg wurde erweitert und umgebaut. Aber auch Brände und Erdbeben setzten dem Gebäude zu, während mit der Entwicklung des Militärwesens die strategische Bedeutung der Burg abnahm. Sie zerfiel, die Ruine wurde 1887 durch den Fabrikaten Moritz Kraus gekauft. Dem Geschmack seiner Zeit folgend baute er sie im Stil des Historismus wieder auf – die Burg erhielt ein romantisierendes Aussehen, das mit ihrer einstigen Funktion als moderner Militärbau der aufziehenden Neuzeit nichts mehr zu tun hatte. 1909 schenkte er die Burg den Stolberger Bürgern.

Geliebtes Wahrzeichen

Die nächsten Veränderungen brachten die Umbauten und Reparaturen nach dem Zweiten Weltkrieg mit sich. Die letzten Veränderungen des historischen Bauwerks erfolgten im Rahmen des Ausbaus der Gastronomie in dem Wahrzeichen, das als ein Zentrum insbesondere für kulturelle Veranstaltungen genutzt wird.

Und die Stolberger haben ihre Burg ins Herz geschlossen, obwohl sie selbst sie eher selten besuchen. Doch das wird sich jetzt sicherlich ändern, wenn die Stolberg-Touristik, die das Team ihrer Stadt- und Naturführerinnen und -führer ausbauen konnte, nun an jedem zweiten Sonntag im Monat die neu konzipierte Burg-Führung inklusive Innenbesichtigung anbietet.

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