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Stolberger Bahnhof auf dem Weg zum Servicepunkt

Von: Jürgen Lange
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Aus der Euregiobahn direkt ins
Aus der Euregiobahn direkt ins zukünftig geplante Servicezentrum im Hauptgebäude am Gleis 43: Die Fragebogenaktion zu dem zukünftigen Angebot ist auf eine große Resonanz gestoßen. Foto: J. Lange

Stolberg. „Es läuft auf ein interessantes Angebot hinaus”, sagt Ruth Roelen. „Neben dem klassischen Kiosk sind neue Ideen, wie das frische ,Essen wie bei Mutter oder das Angebot einer Reinigungsannahme positiv wahrgenommen und bestätigt worden”.

So bilanziert die Leiterin der Stabsstelle Regionalentwicklung der Städteregion die ersten Eindrücke aus der Fragebogenaktion zum Angebot im zukünftigen Servicezentrum, das den Stolberger Hauptbahnhof und den Service nicht nur für die Kunden der Bahn attraktiver machen soll.

Durchaus positiv war die Resonanz auf die Befragung. 295 Interessierte machten von der Möglichkeit Gebrauch, im Internet teilzunehmen. 240 von ihnen füllten die Fragebögen komplett aus; 55 machten punktuelle Angaben, die in die Auswertung einfließen. Gut 200 Reisende nahmen in der vergangenen Woche an der Befragung am Hauptbahnhof teil, aus der noch Rückläufe erwartet werden.

Dann erst kann das Team um Jürgen Spelthann die komplette Auswertung vornehmen. Der Projektleiter des NRW-Modellprojektes „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung” (DORV) erstellt auf Basis der Wünsche der potenziellen Kunden eine Machbarkeitsstudie für das geplante Servicezentrum im Hauptbahnhof, der ein wesentlicher Einstiegs- und Umsteigeplatz im schienengebundenen öffentliche Personennahverkehr in der Region ist.

Nachfrage nach Tourismus

Mit dem nun für Ende 2013 erwarteten Ringschluss der Euregiobahn zwischen Stolberg und Alsdorf nimmt die Bedeutung des Stolberger Hauptbahnhofes als Verknüpfungspunkt mit dem überregionalen Schienennetz weiter zu. Und damit wird die Zahl der Nutzer des Haltepunktes weiter ansteigen. Ihnen soll das neue Servicezentrum genau das Angebot liefern, das nachgefragt wird. Und das sind nach einer ersten Analyse in erster Linie Angebote, die typisch für ein Kiosk sind.

Da stehen ein Café mit Aufenthaltsmöglichkeiten, Brot und (belegte) Brötchen vom regionalen Bäcker, nichtalkoholische Getränke sowie Zeitschriften, Bücher, Karten und Schreibwaren ganz oben auf der Liste des für wichtig erachteten Sortiments. Auch ein Imbiss findet Interessenten, während Konserven oder Spirituosen weniger nachgefragt werden. Besser schneiden dagegen frisch gekochtes „Essen wie bei Muttern” zum Mitnehmen, aber auch Obst und Molkereiprodukte ab. Zu den Spitzenreitern bei Dienstleistungen zählen vor allem ein freier Wlan-Zugang, Post-Service und wettergeschützte Abstellmöglichkeiten für Fahrräder ab.

Anlaufstelle für Fahrkarten

Als ganz wichtig erachten die Kunden eine Anlaufstelle für Fahrkartenverkauf von Bus und Bahn sowie verbesserte Informationen rund um das aktuelle Angebot im Öffentlichen Personennahverkehr. Deutlich ist auch die Nachfrage an einem Fahrradservice sowie einer Mitfahrzentrale bzw. einem Car-Sharing-Angebot. Interessant gefunden werden die Möglichkeit einer Reinigungsannahme sowie Schließfächer. Blumenverkauf und Lottoannahme sind weitere Anregungen.

„Bemerkenswert ist die Nachfrage nach touristischen Angeboten”, erklärt Roelen. Ein Anlaufpunkt mit Service und Informationsmaterial und Wanderkarten, die Vermittlung von Übernachtungen sowie die Nutzung des Hauptbahnhofes als Treff- und Ausgangspunkt für Wanderungen und Exkursionen werden von zahlreichen Teilnehmern der Befragung als wichtig erachtet.

Aber die Fragebogenaktion haben die Bahnkunden auch zum Anlass genommen, ihren Unmut über die Situation am Stolberger Hauptbahnhof mächtig Luft zu machen. Immer wieder bemängelt wurden ein fehlendes Sicherheitsgefühl und vor allem die Hygiene und Sauberkeit des Bahnhofsbereiches wie auch seines Umfeldes.

Während die ebenso häufig vermissten Toiletten mit der Eröffnung des Servicezentrums bereitgestellt werden, bleibt vorerst weiter bestehen das leidige Problem der Unterführung zu den beiden Hauptgleisen 1 und 2 in Richtung Aachen und Köln. Wer mit großem Gepäck reisen will, muss umständlich die Stufen ab- und erklimmen. Wer behindert oder gar auf einen Rollstuhl angewiesen ist, hat kaum Chancen, den Zug zu erreichen. Frühestens im Jahr 2014 ist damit zu rechnen, dass die Deutsche Bahn ihren Mittelbahnsteig saniert. Erst dann soll ein neues Modernisierungsprogramm finanziert werden.

Ladestation für Elektroautos

Die Pläne zu einer Neugestaltung des DB-Bahnsteigs mit einem barrierefreien Zugang liegen zwar bereits in den Schubladen, aber Stolberg kann lediglich hoffen, dabei zügig berücksichtigt zu werden. Wie es besser gehen kann, beweist derweil der private Infrastrukturbetreiber EVS, der sämtliche Haltepunkte behindertengerecht ausbaut und erhebliche Mittel zur Restaurierung des Bahnhofsgebäudes und seines direkten Umfeldes in die Hand nimmt. Bis Ende des Jahres hofft das Stolberger Unternehmen seine Modernisierungsoffensive abschließen zu können.

Immer wieder angemahnt in der Fragebogenaktion wird aber auch eine Verbesserung des P+R-Angebotes am Hauptbahnhof. Obwohl die Parkmöglichkeiten vor zwei Jahren um rund 100 Stellplätze ausgeweitet wurden, herrscht weiterhin ein spürbarer Mangel. Angeregt wird auch eine Ladestation für Elektroautos.

Euregiobahn nach Breinig

Beachtenswert ist die Nachfrage nach einer verbesserten Anbindung des Hauptbahnhofes an das Busnetz - obwohl die Euregiobahn zu Hauptverkehrszeiten im Halbstundentakt in die Innenstadt pendelt. Dies erscheint den Fahrgästen nicht ausreichend oder zumindest zu umständlich zu sein, insbesondere dann, wenn sie von der City aus weiter in ihre Ortsteile müssen. Deshalb fordern sie eine verbesserte Busanbindung des Bahnhofes und „für die Breiniger Pendler eine Anbindung Breinigs an die Euregiobahn”, schreibt ein Teilnehmer.

„Die gute Resonanz der Befragung zeigt, dass die Bürgerinnen und Bürger dankbar sind, zu ihrer Meinung gefragt zu werden und gerne konstruktiv mitgestalten wollen”, bilanziert Ruth Roelen für die Städteregion. „Wenn die Machbarkeitsstudie Anfang Oktober vorliegt, ist eine schnelle Umsetzung gefragt, denn der Bedarf für das Servicezentrum ist eindeutig gegeben.”
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