Stolberg/Harz - „Stolberger Anzeiger”: Traditionelle Monatsschrift wird eingestellt

„Stolberger Anzeiger”: Traditionelle Monatsschrift wird eingestellt

Von: Robert Flader
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Zum vorerst letzten Mal liegt
Zum vorerst letzten Mal liegt der „Stolberger Anzeiger” als Lektüre aus. Ab August wird er nicht mehr gedruckt. Foto: R. Flader

Stolberg/Harz. Ulrich Franke muss mit seiner Stimme kämpfen, wartet ein paar Sekunden, bevor er schließlich doch einen Satz heraus bringt und niedergeschlagen sagt: „Im Moment machen wir hier einiges durch, das ist schon traurig.”

Franke ist nicht nur traurig, so richtig weiß er auch nicht weiter. Er ist, eigentlich, Bürgermeister der Stolberger Partnerschaft im Harz, darf sich aufgrund einer Gemeindereform nicht mehr so nennen - weil Stolberg im September 2010 in die Gemeinde „Südharz” eingemeindet wurde. Zwangsweise. Franke ist seit knapp zwei Jahren nur noch Ortschaftsbürgermeister. „Als ob die Gemeindereform nicht schon schlimm genug war”, sagt er betroffen.

Denn jetzt kommt es aus Sicht der Harzler noch schlimmer: Ihre monatliche Schrift „Stolberger Anzeiger” erschien in diesen Tagen zum letzten Mal. In der aktuellen Ausgabe wird auf der Titelseite deutlich darauf hingewiesen, dass ein Stück Geschichte zum letzten Mal geschrieben wurde.

„Vorerst”, sagt Ortsbürgermeister Franke. Dieses Wort steht auch dick unterstrichen in der letzten Ausgabe, die zu 500 Stück an Haushalte, Geschäfte und Exil-Stolberger in ganz Deutschland für 50 Cent das Stück geliefert wird.

Warum? Nun, Bürgermeister und Rat der Gemeinde Südharz waren, so Franke, „nicht ganz einverstanden mit dem ein oder anderen kritischen Kommentar hinsichtlich gewisser Gemeinderatsentscheidungen”. Der Tourist-Information Stolberg/Harz sei daraufhin untersagt worden, Beiträge über touristische Aktivitäten, Veranstaltungen und Ausstellungen im „Stolberger Anzeiger” zu veröffentlichen.

Verboten worden sei gar der Verkauf des Blattes in kommunalen Einrichtungen. „Das war das letzte Sprachrohr für kritische Äußerungen”, sagt Claudia Hacker, die redaktionell für die Monatsschrift verantwortlich war. Die Hoffnung wolle sie - ähnlich wie Ulrich Franke zwar nicht aufgeben, dass es noch einmal etwas mit einer Neuauflage wird, aber: „Jetzt sieht es so aus, als ob ein weiteres Stück Stolberger Tradition verloren geht.”

Die Infos für Touristen sollen von nächstem Monat an im offiziellen Amtsblatt der Gemeinde Südharz erscheinen, dennoch fürchtet der Ortschaftsrat um Ulrich Franke um weitere Einbußen im Fremdenverkehr, zumal es bereits nach der Zwangseingemeindung Ausfälle gegeben habe. „Ich habe das Gefühl, es besteht kein Interesse an Tourismus”, sagt Franke.

Auch in der Kupferstadt stößt die Kunde aus dem Harz auf Unverständnis. Klaus-F. Kratz, Mitglied im „Freundeskreis Stolberg-Harz” und einer der ersten „Wahlkampfhelfer” nach der Wende, sagt: „Es wird kaputt gemacht und weggenommen, was 20 Jahre lang mühevoll in Kleinarbeit aufgebaut wurde.” Was für Stolberg (West) bleibt: „Wir zeigen Solidarität, sind für alles offen.”

Was in Stolberg (Ost) zumindest im Augenblick bleibt, ist die Hoffnung. „Wir versuchen es noch einmal”, sagt Ulrich Franke. Möglicherweise auch mit Hilfe der Leserschaft, die zu Lösungsvorschlägen aufgerufen wurde. Wichtig sei, die Finanzierung zu sichern und mit einem neuen Impressum zu erscheinen. Ob und wann das aber sein wird, dass weiß der degradierte Bürgermeister nicht: „Momentan schwimmen wir alle ein wenig wegen der Ereignisse der letzten Zeit . . .”
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