Stolberg - Stolberg setzt bei weiteren Gewerbegebieten auf Buschmühle und Pool

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Stolberg setzt bei weiteren Gewerbegebieten auf Buschmühle und Pool

Von: Jürgen Lange
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Auf den Acker- und Weideflächen unterhalb des Friedhofs Buschmühle soll jenseits der Sebastianusstraße ein neues Gewerbegebiet entstehen. Foto: J. Lange

Stolberg. Auf dem Stadtplan von Dr. Lothar Mahnke sind drei blaue Punkte. Einer zeigt die Vegla-Polder, die als komplizierte Altlast ausscheiden. Ein zweiter Punkt ziert Ackerflächen an der Werther Straße in Mausbach. „Die dürfte eher ortsansässige Firmen interessieren“, sagt der Agit-Geschäftsführer.

Vor Jahren schon sind Stolberger Bemühungen gescheitert, das Bauernland zu erwerben, um es in ein Gewerbegebiet zu verwandeln.

Mahnkes dritter Punkt klebt auf dem Friedhof Buschmühle. Die 22 Hektar rund um das Bestattungsfeld bekommt quasi das Gütesiegel der Agit, die im Auftrag der Städteregion den interkommunalen Gewerbeflächenpool ausarbeitet. Priorität soll die Entwicklung dieses Gewerbegebietes haben. Durch geplanten Anschluss an die A 44 in Höhe der Debeyestraße im Rahmen der Ortsumgehung Eilendorf liegt die Fläche verkehrsgünstig gelegen.

In einem weiteren Schritt könnte nach Ablauf der Ruhezeit auch die Friedhofsfläche für gewerbliche Nutzung zur Verfügung stehen. „Es ist der einzige Standort mit realistischer Vermarktungschance auf Stolberger Stadtgebiet“, betont Mahnke. Bis zu einer Vermarktung dürften noch zehn Jahre ins Land ziehen, aber die Buschmühle ist auch nur ein Puffer, um Stolbergs eigenen Bedarf abdecken zu können. Eine Beteiligung am städteregionelen Gewerbeflächenpool bleibt für die wirtschaftliche Weiterentwicklung der Stadt unabdingbar, sagt Mahnke.

Von der Theorie her ist der Pool recht simpel erklärt. Die Stadt beteiligt sich mit einem definierten Prozentsatz an den Kosten der Entwicklung und Erschließung eines interkommunalen Gewerbegebietes in einer anderen Stadt. Mit demselben Anteil erfolgt die Beteiligung an Verkaufs- und Steuererlösen sowie an den Kennziffern, wie beispielsweise Arbeitsplätze, zur Berechnung von Landeszuweisungen. Im Hersbt sollen die Details vorliegen.

Kamin ist der FDP zu teuer

Großen Diskussionsbedarf gibt es dazu auch im Stadtrat nicht mehr, der einstimmig weiter auf diesen Weg setzt. Patrick Haas (SPD) und Jochen Emonds (CDU) nutzen noch einmal die Gelegenheit, auf die Bedeutung eines dritten Bauabschnittes der L 238 hinzuweisen, während Bernd Engelhardt (FDP) auffordert, den Pool endlich einmal in die Tat umzusetzen. „Geredet wird schon seit Jahren darüber“, so der Liberale.

Greifbarer für die Stolberger Wirtschaft – obwohl auch über diese Fläche schon länger als zehn Jahre geredet wird – ist das vier Hektar große Zincoli-Gelände. Ein Hektar ist verplant für ein Autohaus und die Erweiterung des Dienstleistungszentrums (zwischen beiden Projekten verbleiben noch gut 1000 m² Optionsfläche). 33.000 m² sollen nun für kleinteilige Gewerbebetriebe ausgewiesen werden.

Das kostet erst einmal. Die Zahlen legt Tobias Röhm auf den Tisch: Mit rund 2,015 Millionen Euro werden Planung und Erschließung kalkuliert, macht etwa 61 Euro/m². Beim Verkauf werden 35 Euro /m² wie im Camp Astrid angesetzt. Macht 1,155 Millionen Euro. Es bleibt eine Differenz von 0,86 Millionen Euro. Oder anders ausgedrückt: Jeder Quadratmeter wird mit gut 26 Euro subventioniert. Aber die Rechnung hinkt, sagt der Technische Beigeordnete. Denn in den Zahlen nicht berücksichtigt sind die mit der Investition generierten Arbeitsplätze und Einnahmen aus Steuern.

Aus Sicht der FDP hinken die Zahlen vor allem an anderer Stelle. 120.000 Euro für Sanierung und Erhalt des alten Schornsteins sind den Liberalen zu viel. Erst recht die zusätzlichen Kosten für eine Beleuchtung, die die große Koalition unbedingt angebracht wissen möchte, damit der Kamin zur Landmarke wird. „Der Kamin ist nicht unser Ding“, sagt Bernd Engelhardt, der sich mit seiner Fraktion bei der Aufstellung des Bebauungsplanes deshalb enthält. Zugleich fordern die Liberalen aber einen Durchstich für Autos zum Schellerweg. „Das wird im Verfahren geprüft“, antwortet Tobias Röhm. Mindestens ein Fußradweg sei ohnehin vorgesehen.

Linke lehnen Rewe-Markt ab

Wie die Anbindung an die Mauerstraße erfolgen soll, soll ebenfalls noch erarbeitet werden. Dort ebenso wie an der Kreuzung zur Cockerillstraße wären der Politik wohl am liebsten Kreisverkehre, die bei einer Anhörung im Oktober 2013 auch die Bürger präferiert haben. Aber selbst die Planer der Strabag, die aufgrund der neuen großen Märkte mit zusätzlich 5150 Fahrzeugbewegungen an Werktagen kalkuliert hatten, haben vor fünf Jahren wegen der Topographie neuen Ampelanlagen den Vorzug gegeben.

Die Mehrgeschossigkeit der zukünftigen Gewerbebauten auf dem Areal liegt Christ- und Sozialdemokraten da mehr am Herzen. Bis zu drei Etagen sollen sie auf dem Zincoli-Gelände haben dürfen, um den Flächenverbrauch zu minimieren. „Im Camp Astrid sind bereits neun Meter Höhe erlaubt“, merkt Tim Grüttemeier an.

Die Bemerkung des Bürgermeisters, dass die sich abzeichnende Kündigung des Mietvertrages für das von Toom als Baumarkt genutzte Gebäude durch den Vermieter eine privatrechtliche Angelegenheit ist, schlägt Gabi Halili aus dem Wind. Die Linke ist das einzige Mitglied des Stadtrates, das die Aufstellung eines Bebauungsplanes zur Sicherung und Stärkung der Nahversorgung in Breinig ablehnt. „Dann haben wir ja keinen Baumarktdiscounter mehr“, sagt Halili und stößt auf erbitterten Widerspruch bei Bernd Engelhardt. „Die Stadt hat Toom jahrelang ein Grundstück angeboten, das sie nicht haben wollten“, sagt der Liberale mit Blick auf das Zincoli-Areal.

Am Eschenweg um etwa 800 auf 2000 m² Verkaufsfläche wachsen können soll der Rewe-Markt. Der Eigentümer und Investor strebt an, Ende 2020 das neu gebaute Geschäft eröffnen zu können. Er soll dort entstehen, wo heute noch der Toom-Baumarkt ein Mieter des Investors ist. Das heutige Rewe-Gebäude soll modernisiert werden und dann als Getränkemarkt und Drogeriediscounter dienen. Den städtebaulichen Vertrag mit dem Investor zur Übernahme der Planungskosten hatte der Fachausschuss bereits in der vergangenen Woche abgesegnet – auch gegen die Stimme der Linken.

 

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