Stolberg-Premiere der Amateur-Landesmeisterschaft im Thaiboxen

Von: Dirk Müller
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Vitalij Koslov freut sich auf die erste Muay-Thai-Landesmeisterschaft in Stolberg. Foto: D. Müller

Stolberg. Erstmals findet am kommenden Samstag, 14. Juni, die NRW-Landesmeisterschaft der Amateure im Thaiboxen in Stolberg statt. Die Veranstaltung in die Kupferstadt geholt hat Vitalij Koslov, der die Titelkämpfe mit seinem Fight Club Black Panther ausrichtet.

Mit dem Kampfsporttrainer hat Dirk Müller über Muay Thai und die erste Amateur-Landesmeisterschaft an der Vicht gesprochen.

Wie sind Sie nach Stolberg gelangt?

Koslov: Meine Mutter ist Wolgadeutsche und wollte in Deutschland leben. 1993 kamen wir nach Sachsen, und seit 2007 lebe ich in Stolberg und fühle mich hier sehr wohl. Hier möchte ich gerne bleiben.

Seit wann betreiben Sie Ihren Fight Club in der Kupferstadt?

Koslov: Schon seit 2011, wobei wir seit Mai in neuen Räumen an der Eschweilerstraße zu Hause sind. Hier trainieren zurzeit etwa 70 Mitglieder Thai- und Kickboxen. Aber auch Boxweltmeisterin Jessica „Sugar J“ Balogun nutzt unser Gym, um sich auf Kämpfe vorzubereiten. Zum Beispiel trainierte sie bei uns vor ihrem WM-Kampf in Schwerin, wo sie am Pfingstsamstag gegen Cecilia Braekhus um die Weltergewichts-Titel der drei Weltverbände WBA, WBC und WBO antritt.

Was genau ist Thaiboxen im Unterschied zu Kickboxen?

Koslov: Thaiboxen oder Muay Thai ist der Nationalsport Thailands und gehört zu den ältesten Kampfkünsten Asiens. Anders als beim Kickboxen sind im Thaiboxen auch Ellenbogentechniken erlaubt und Schläge mit der Backfist, also dem Handrücken, aus der Drehung heraus. Der entscheidende Unterschied ist wohl, dass die Kämpfer Clinchen und auch Wurftechniken anbringen können.

Wer betreibt diesen Sport in Ihrem Club?

Koslov: Wir trainieren Kinder und Jugendliche ab acht Jahren, ältere Mitglieder unseres Clubs sind über 50. Und Kampfsport ist längst keine Männerdomäne mehr: Gut ein Drittel unserer Mitglieder sind Mädchen und Frauen.

Ist besonders für Kinder und Jugendliche das Verletzungsrisiko nicht sehr hoch?

Koslov: Im Vergleich zu vielen anderen Sportarten eigentlich nicht. Wir arbeiten ja beim Training gezielt darauf hin, dass die Sportler sich eben nicht verletzen. Bei Kämpfen wird außerdem bis zur Volljährigkeit Schutzausrüstung getragen. Helm, Oberkörperpanzer, Schienbein- und Ellenbogenschutz helfen, Verletzungen zu vermeiden. Und ganz wichtig: Niemand muss in den Ring steigen. Viele unserer Mitglieder trainieren, ohne gegeneinander zu kämpfen. Grundsätzlich ist das Verletzungsrisiko für Kinder und Jugendliche also nicht hoch, und der Kampfsport bietet ihnen viele Vorteile.

Welche Vorteile sind das?

Koslov: Kondition, Konzentration und Koordination werden verbessert und geschult. Das Training ist zwar einerseits anstrengend, aber auf der anderen Seite hilft es zu entspannen und ausgeglichen zu sein, da man dabei vom Alltag abschalten kann. Junge Menschen erlernen Disziplin, und ihr Selbstwertgefühl wird gefördert. Sie wissen, was sie können, und müssen das niemandem beweisen – außer sportlich. Wer Kampfsport macht, prügelt sich nicht auf der Straße, kann sich aber im Notfall verteidigen.

Wann haben Sie selbst mit dem Kampfsport begonnen?

Koslov: Als ich sieben Jahre alt war, habe ich mit Karate begonnen, bin später zum Boxen und dann zum Thaiboxen gewechselt. Eine sportliche Karriere hatte ich allerdings nie im Sinn. Für mich stand immer der Spaß am Sport im Vordergrund.

Das wird sich bald ändern . . .

Koslov: Ja, bei der nächsten Box-Gala in Stolberg möchte ich meinen ersten Profi-Boxkampf bestreiten, so wie es mein Bruder Alexej schon erfolgreich im Museum Zinkhütter Hof getan hat. Momentan trainiere ich vier Mal in der Woche, jeweils 90 bis 120 Minuten – aber es ist mein Hobby, und als Hobbysportler einen Profi-Boxkampf zu versuchen, kann nicht gutgehen. Deshalb werde ich bald an sechs Tagen in der Woche jeweils zwei Einheiten trainieren, mein Pensum also verdreifachen.

Wie ist es gelungen, die Amateur-Landesmeisterschaft im Thaiboxen nach Stolberg zu holen?

Koslov: Veranstalter der Landesmeisterschaft ist der Muay Thai Bund Deutschland, und unser Fight Club Black Panther hatte die Möglichkeit, diesen Wettbewerb auszurichten. Da habe ich gleich „Ja“ gesagt, zumal die Sporthalle Glashütter Weiher wirklich gute Bedingungen für die Veranstaltung bietet.

Was kann das Publikum bei der Landesmeisterschaft im Thaiboxen erwarten?

Koslov: Viele spannende Kämpfe in verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen. Mehr als 50 Sportler sind gemeldet, darunter auch Thaibox-Profis, die an der Amateur-Landesmeisterschaft teilnehmen dürfen. Manche Aktiven werden bis zu drei Kämpfe absolvieren, und alle sind hoch motiviert, denn die besten drei in ihrer jeweiligen Klasse qualifizieren sich für die Deutsche Meisterschaft im Thaiboxen. Jugendliche kämpfen drei Runden mit je anderthalb Minuten, die Erwachsenen drei Runden mit je zwei Minuten – es bleibt also keine Zeit für vorsichtiges Abtasten oder taktisches Geplänkel, so dass wir attraktive Kämpfe mit viel Action sehen werden.

Nehmen auch Sportler aus Ihrem Fight Club an der Landesmeisterschaft in Stolberg teil?

Koslov: Mein Bruder Alexej ist krankheitsbedingt nicht fit und wird wohl leider nicht antreten. Aber mit Nico Altmayer bei den Erwachsenen sowie Rahim Delic und Maximilian Mierzwa bei den Junioren sind Black-Panther-Fighter dabei.

Wie schätzen Sie die Chancen der Stolberger Kämpfer ein?

Koslov: Unsere Jungs trainieren gut und viel, so dass sie meiner Meinung nach sehr gute Chancen haben, sich mit Platzierungen unter den ersten Dreien für die Deutsche Amateur-Meisterschaft im Thaiboxen zu qualifizieren. Nur sieht das Reglement vor, dass eben auch Profis bei den Amateur-Wettbewerben mitkämpfen können. So kann es durchaus sein, dass unsere Sportler auf Gegner treffen, die einfach besser sind. Es wird auf alle Fälle spannend, und ich bin guter Hoffnung, was den Erfolg unserer Kämpfer angeht. Mein Tipp ist: Nico Altmayer nimmt an der Deutschen Meisterschaft teil, nachdem er sich hier in Stolberg klar qualifiziert hat.

Promoter Mario Guedes will große Veranstaltungen mit Profi-Boxkämpfen dauerhaft in der Kupferstadt etablieren. Nach der Box-Gala im Zinkhütter Hof richten Sie nun die Amateur-Landesmeisterschaft im Thaiboxen in der Sporthalle Glashütter Weiher aus. Planen auch Sie mehr für Stolberg?

Koslov: Ich möchte es gerne versuchen. Neben Thaiboxen sind auch Events mit Kickboxen denkbar. Möglichkeiten, so etwas in Stolberg zu organisieren, gibt es. Letztlich hängt es natürlich von der Publikumsresonanz ab. Bei der Thaibox-Premiere wird sich zeigen, wie viel Interesse vorhanden ist und ob genügend Zuschauer die Landesmeisterschaft besuchen. Verläuft diese erste Veranstaltung positiv, was den Publikumszuspruch anbelangt, wird unser Fight Club bestimmt wieder ein Kampfsport-Event auf die Beine stellen.

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