Stolberg - Stolberg plant das Gewerbegebiet Buschmühle

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Stolberg plant das Gewerbegebiet Buschmühle

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Nur zehn Prozent der ausgewiesenen Fläche sind an der Gabelung von „Buschmühle“ und Sebastianusstraße als Friedhof genutzt, auf dem aber nicht mehr bestattet werden darf. Das Areal soll nun Gewerbegebiet werden, das am erwarteten neuen Anschluss an die Autobahn 44 liegen würde.

Stolberg. Als einzige klar gegen den Versuch, ein Gewerbegebiet Buschmühle auszuweisen, positionieren sich die Grünen: „Wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet“, sagt Dina Graetz, „und weil der Autobahnanschluss in weiter Ferne ist“, so die Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Alle anderen Fraktionen stimmen im Hauptausschuss zwar dem Antrag der CDU, die Flächen zwischen Sebastianusstraße (L 236) und „Buschmühle“ (L 221) als Gewerbegebiet zu planen und zum neuen Regionalplan anzumelden, zu, aber der Vorstoß löst bei den Sozialdemokraten durchaus Befremden in mehrerlei Hinsicht aus.

Dieter Wolf wundert sich, dass die Verwaltung dieses Areal nicht in der kürzlich vorgelegten Liste potenzieller neuer Gewerbeflächen in Stolberg aufgeführt hat. Das liege daran, dass es ein aktueller Antrag der CDU sei, antwortet Bürgermeister Tim Grüttemeier.

Städteregionales Konzept

Dann kommt der stellvertretende Fraktionsvorsitzende auf das städteregionale Gewerbeflächenkonzept zu sprechen. Das hat das Ziel, interkommunale Gewerbeflächen-Pools zu schaffen, so dass Kommunen mit einem größeren Bedarf als auf eigener Fläche dargestellt werden kann, auch zukünftig prosperieren können. Laut Prognose fehlen bis 2035 in Stolberg zwar 20 Hektar freie Gewerbefläche, aber wie könne die Stadt einerseits eine Poolbildung anstreben und andererseits ein eigenes Projekt forcieren wollen?

Was den eingefleischten Sozialdemokraten in diesem Zusammenhang aber außergewöhnlich befremdlich erscheint, ist das Vorpreschen der Genossen in Aachen und in Eschweiler ein bilaterales Gewerbegebiet auf noch landwirtschaftlich genutzten Flächen in der Indestadt zu realisieren. In den Räten beider Städte sind mit den Stimmen von CDU und SPD jedenfalls die Planung des gemeinsamen Projektes in Hehlrath auf den Weg gebracht worden. „Dort scheint man schon sehr weit zu sein“; sagt Wolf und wundert sich sehr über die Gelassenheit der Stolberger Verwaltungsspitze.

Welchen Sinn ein städteregionales Gewerbeflächenkonzept bei einem solchen Vorpreschen einzelner noch macht und wie die Beteiligung von Kommunen an welchen Gebieten zu welchen Konditionen geregelt werden, wird die Verwaltung nun auf Forderung der SPD in den Sitzungen des Rates und der entsprechenden Fachausschüsse Anfang Juli darlegen. Zudem soll es einen Sachstandsbericht über dieses Konzept, das die Agit eigentlich schon im März vorlegen sollte, geben, in dem – so wird es am Rande der Ratssitzung kolportiert – besagtes Gewerbegebiet Buschmühle bereits längst eingeplant ist.

Ungeachtet der städteregionalen Pläne kann die Stolberger SPD sich mit einem Gewerbegebiet Buschmühle durchaus anfreunden „mit Blick auf die Geografie und dem erwarteten Autobahnanschluss“, sagt Wolf.

Mit Blick auf den Bedarf in Stolberg ebenso von Gabi Halili (Linke), die sich aber fragt, warum überhaupt die Städteregion initiiert worden sei, wenn nicht zur Planung von Gewerbeflächen?

Genau dies sei aber eine kommunale Aufgabe, kontert ihr Bernd Engelhardt. Ein gemeinsames Auftreten der Kommunen mit einem abgestimmten städteregionalen Konzept verschaffe aber „ein besseres Standing“ gegenüber der Bezirksregierung bei der Novellierung des Regionalplanes, der langfristig die Entwicklungsmöglichkeiten vor Ort definiere. „Ein Gewerbegebiet Buschmühle ist kein Schnellschuss“, so der FDP-Fraktionsvorsitzende, „sondern es bedarf einer vernünftigen und sorgfältigen Vorbereitung“. Gegen die Stimmen der Grünen beauftragt der Hauptausschuss die Verwaltung mit breiter Mehrheit in die Planung einzusteigen.

In den 1990er Jahren werden die landwirtschaftlichen Nutzflächen als Standort für einen Stolberger Zentralfriedhof auserkoren – übrigens gegen den breiten Widerstand der Bevölkerung, die den Bestattungsfeldern in den Ortsteilen weiterhin den Vorzug gibt. In Atsch, Büsbach, Donnerberg und Münsterbusch sind zu dieser Zeit wegen anstehenden Wassers bereits keine Erdbestattungen mehr gestattet.

Unter diesem Vorzeichen weist der Stadtrat 330.000 Quadratmeter an der Gabelung der beiden Landesstraßen als Friedhofsfläche aus. 1997 realisiert werden als erster Bauabschnitt lediglich zehn Prozent dieser Fläche. Doch zehn Jahre nach seiner Eröffnung wird bekannt, dass der Zentralfriedhof den gleichen Mangel aufweist wie besagte vier Friedhöfe, die für Erdbestattungen geschlossen sind: Anstehendes Wasser verhindert, dass die Leichen innerhalb der Ruhezeit von 30 Jahren verwesen können.

Ein Jahr später schlägt die Verwaltung dem Rat vor, den Friedhof zu schließen. 2010 beschließt der Rat, gar keine Bestattungen auf dem Friedhof Buschmühle zuzulassen. Mit dem Auslaufen der Ruhezeiten könnte das Gelände spätestens 2040 entwidmet und anderweitig genutzt werden.

 

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