Stolberg - „Stolberg goes Italy”: Regen spielt der Parade einen Streich

„Stolberg goes Italy”: Regen spielt der Parade einen Streich

Von: Heike Eisenmenger, Michael Grobusch und Dirk Müller
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Eine Gondelfahrt auf dem Basti
Eine Gondelfahrt auf dem Bastinsweiher? Zu „Stolberg goes Italy” war das am Wochenende sogar kostenlos möglich. Foto: H. Eisenmenger

Stolberg. Spätestens um 13 Uhr stand fest, dass es ein Déjà-Vu-Erlebnis geben würde. Als sich mit lautem Donnergroll das erste Gewitter ankündigte und wenig später ein heftiger Platzregen einsetzte, war klar, dass die Parade von „Stolberg goes...” auch diesmal unter keinem guten meteorologischen Stern stehen würde.

„Im vergangenen Jahr war es kälter”, wusste Bürgermeister Ferdi Gatzweiler der Wetterlage mit Humor dennoch etwas Positives abzugewinnen, wenngleich der Regen derart stark war, dass gleich mehrere Startversuche für die eigentlich für 15 Uhr vorgesehene Parade abgebrochen werden mussten.

Doch wie viele tapfer ausharrende Teilnehmer verlor auch Max Krieger nicht die Hoffnung. „Die Feuerwehr sagt, dass es gleich aufhören wird. Und auch am Flughafen Merzbrück geht man von einem baldigen Ende der Niederschläge aus”, zeigte sich der Organisator des dreitägigen Kulturevents zuversichtlich. Und er hatte Recht. Mit 45-minütiger Verspätung klappte es dann tatsächlich noch. Durchnässt und zahlenmäßig etwas dezimiert starteten die „Italy”-Teilnehmer von der Rathausstraße aus in Richtung Alter Markt und wurden auf ihrem Weg von erstaunlich vielen Zuschauern bejubelt, die in Hauseingängen und Toreinfahrten Schutz gesucht hatten. Dabei beteiligten sich bei dieser fünften Auflage des Events erstmals auch die Partnerländer der Vorjahre an der Parade, wobei Brasilien wieder besonders zahlreich, lautstark und farbenfroh vertreten war.

Gemischte Gefühle

Lautstark ging es mitunter auch auf den Bühnen in der Altstadt und auf dem Kaiserplatz zu. Wer sich auf eine musikalische Reise nach Italien begeben wollte, kehrte allerdings zum Teil mit gemischten Gefühlen auf den Boden der Kupferstädter Tatsachen zurück. Anspruchsvolle Veranstaltungen wie die „Italienischen Impressionen” in der Finkenbergkirche und gelungene Konzerte wie die „Notte Italiana” mit der Band „Piaggi” standen im Gegensatz zu manch zweit- bis drittklassiger Darbietung, die eher zu einer Stadtkirmes als zu einem Kulturfestival gepasst hätte. Auf dem Kaiserplatz zum Beispiel befanden sich am Samstagabend eindeutig der Bierwagen und die Spezialitätenstände im Mittelpunkt des Interesses der spärlich vorhandenen Anwesenden. Dort präsentierte das „Duo Ciao”, wenn auch teils sogar zu dritt, so doch relativ unmotiviert italienische Schlager zu gewöhnungsbedürftiger Bontempi-Begleitung.

Anders auf dem „Alter Markt” und dem unteren Burghof: Hier waren die kleineren Plätze gut besucht, sie hatten mehr Flair, und italienisches Lebensgefühl kam auf - auch da „Edizione Speciale” auf dem Alter Markt und „Tutti Colori” auf dem unteren Burghof engagierter versuchten, die Besucher zu unterhalten, temperamentvoller agierten und mit lockeren Sprüchen zwischendurch das Publikum ansprachen.

Hochwertiges Konzert

Aber auch ein wirklich hochwertiges Konzert konnte man am späten Samstagabend noch entdecken, wenn man lange genug suchte: Im schlecht klimatisierten Rittersaal der Burg „versteckt”, interpretierten die „Big Bandits” unter der Leitung von Werner Hüsgen italienische Evergreens und Volkslieder. Unterstützt von dem Sänger Wolfgang Ritz intonierten sie in professionellem Big-Band-Swing Stücke wie „Quando, Quando, Quando”, „Volare” oder Louis Primas legendäres „Buona Sera”.

Auch nach der Parade am Sonntag gab es ein Bühnenprogramm - und pünktlich dazu kam auch wieder die Sonne zum Vorschein. Gut gefüllt war nun vor allem der „Alter Markt”, wo nur noch einige technische Probleme an das vorherige Unwetter erinnerten. Dank des Einsatzes des Bereitschaftsdienstes konnte der Defekt aber behoben werden und das Konzert von Roberta Lorenza - wenn auch mit Verzögerung - stattfinden.

Die Enten vom Bastinsweiher haben schon einiges gesehen, aber eine venezianische Gondel, das ist neu. Enten und Stolberger staunten nicht schlecht, als am Wochenende ein Original-Exemplar auf dem Bastinsweiher seine Runden drehte. Zum Verschnaufen kam Jürgen Stahl nicht: In einem solchen Boot Platz nehmen zu können, und das zum Nulltarif - das kam an. Die kostenlose Fahrt war eine der Attraktionen bei „Stolberg goes Italy”.

Dreijährige Ausbildung

Stahl hat in einer dreijährigen Ausbildung sein Handwerk erlernt. Als Deutscher bzw. Nicht-Venezianer in der Lagunenstadt als Gondoliere zu arbeiten, ist fast unmöglich, da es nur eine bestimmte Anzahl von Lizenzen gibt und die fast ausschließlich innerhalb der einheimischen Familien weitergegeben werden. Stahl, der mit seiner Gondel für Großfeste gebucht wird und ansonsten auf dem Wörthsee bei München unterwegs ist, hat für den Transport einen speziellen Anhänger bauen lassen. Anhänger für schlanke Boote, die fast elf Meter lang sind, gibt es eben nicht von der Stange zu kaufen.

Rund 40.000 Euro koste eine Gondel, und auch der Unterhalt sei ziemlich teuer. „Diese Boote müssen intensiv gewartet und jedes Jahr neu lackiert werden.”

Zuschauer wie Gäste waren begeistert von dem stilecht gekleideten Gondoliere und seiner lackschwarzen Gondel mit den schönen Verzierungen. „Das ist mal etwas ganz anderes”, lobte Sylvia Lizenich (29 Jahre). „Es ist super, denn ich war noch nie in Italien”, erklärte Ewa Burkert. Eine besonders gut gelaunte Zuschauergruppe schmetterte „O sole mio”. „Das ist aber ein neapolitanisches Lied”, rief Stahl fröhlich zurück.

„Apropos „sole”: Sonnenschein gab es am Samstag reichlich. Dennoch fiel der Besucherandrang eher spärlich aus. „Vielleicht liegt es am Brückentag. Viele Leute sind weggefahren und haben einen Kurzurlaub eingelegt”, vermutete der 19-jährige Matthias Klöcker. Besucher Sascha Nerlich wunderte die eher spärliche Resonanz am Samstag nicht: „Wenn man Stolberg goes Italy schreibt, darf doch nicht ab der Pfarrkirche St. Mariä-Himmelfahrt Schluss sein. Die Mühle wird immer ausgeschlossen von solchen Veranstaltungen”, ärgert sich der dort ansässige Gastwirt.

Enttäuscht und verwundert, aber nicht verärgert, waren die angesprochenen Aussteller am Kaiserplatz. Auch sie hatten die Vermutung, dass viele das verlängerte Wochenende für einen Kurzurlaub genutzt haben. Besucher Georg Hötte taten die Teilnehmer und Aussteller leid. „Wochenlang wird die Veranstaltung angeheizt, alle reden darüber, und dann ist doch relativ wenig los. Das ist so schade, wenn man nur alleine sieht, wieviel Fantasie und Mühe hier reingeflossen sind, auch seitens der Geschäftswelt.”
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