Düren - Stefan Nathan Lange: Mit dem Blindenstock nach Brüssel

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Stefan Nathan Lange: Mit dem Blindenstock nach Brüssel

Von: Jule Klieser
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Stefan Nathan Lange ist mit seinem Blindenstock in Richtung Europaparlament in Brüssel unterwegs.

Düren. Wer dieser Tage in der Dürener Gegend einen Zwei-Meter-Mann mit roter Kappe sieht, der einen gelben Trolli hinter sich herzieht: Das ist Stefan Nathan Lange, zu Fuß unterwegs von Oberbrunn im Chiemgau nach Brüssel. Dort will er im europäischen Parlament zu mehr Demokratie aufrufen.

Stefan Lange ertastet seinen Weg mit einem Langstock, immer an der Wand oder am Straßen- und Gehwegrand entlang, denn er ist fast blind, kann nur hell und dunkel unterscheiden.

Seine Sehbehinderung beruht auf der Erbkrankheit Retinitis Pigmentosa, einer fortschreitenden Netzhautdegeneration. Um seinen Weg zu finden, benutzt Stefan Nathan ein spezielles Navigationsgerät, das nur über Tasten bedient wird. „Inzwischen gibt es viele gute elektronische Hilfsmittel für Blinde”, erzählt er.

Sein Computer zum Beispiel liest ihm E-Mails und andere Inhalte vor. Sich durch Ortschaften zu tasten, sei am schwierigsten: parkende und fahrende Autos, Stufen, Gullis, Laternenpfähle und andere Hindernisse machen das Gehen kompliziert.

Bis jetzt hat der jugendlich wirkende 52-Jährige schon weit über die Hälfte der insgesamt 900 Kilometer zurückgelegt, 20 bis 30 Kilometer schafft er pro Tag. Sein Gepäck zieht er hinter sich her mit einem Wägelchen, auf dem steht: „Ich gehe blind von Bayern nach Brüssel”. Er braucht nicht viel, ein paar Kleidungsstücke, Regenschutz, einen Schlafsack, Computer, sein Infomaterial.

Manchmal begleiten ihn Menschen, die er unterwegs trifft, ein Weilchen, und wenn er Glück hat, findet er Asyl. Falls nicht, nächtigt er in einer Pension. Wenn er irgendwo stehen bleibt und Menschen in der Nähe sind, kommt meistens jemand auf ihn zu und fragt, ob er Hilfe braucht. Von Vorübergehenden oder -radelnden hört er oft Worte wie „Respekt!”, „viel Glück”, „Bestell denen einen schönen Gruß”, oder auch „Nach Brüssel? Der ist ja verrückt!”

Er kommt mit den Menschen ins Gespräch und erzählt von seiner Mission. „Der Weg ist das Ziel: Die Herzen der Menschen zu berühren”, sagt er. Und schließlich sei seine Wanderung fast wie eine Pilgerreise. „Wenn ich so an der Straße entlanggehe und der Verkehr nicht so viel Aufmerksamkeit verlangt, habe ich viel Muße, in mich zu schauen.”

Stefan Nathan Lange wurde 1960 in Dortmund geboren und wuchs in einer Kleinstadt am Rande des Bergischen Landes zwischen Solingen und Leverkusen auf.

Seine Partnerin Barbara, mit der heute in Oberbrunn eine Bio-Pension mit Seminarhaus betreibt, brachte ihn auf die Idee. „Warum willst Du nicht mal nach Berlin gehen? Zu Fuß und mit den Politikern reden?” hatte sie gefragt. Denn beide waren der Meinung, dass man die Menschen darüber aufklären müsste, was tatsächlich in der Welt geschieht.

„Das Leben selbst in die Hand nehmen, sich nicht leben lassen”, lautet Langes Devise. Weil es ihm auch um die Euro- und Finanzkrise geht, hält er Brüssel für den besten Platz für sein Anliegen.

Wie er dort Zugang zum Parlament finden wird, weiß er noch nicht. „Doch so sicher, wie ich von Anfang an war, dort anzukommen, so sicher bin ich auch, zu Wort zu kommen.”

Er hat keine Rede ausgearbeitet. „Es wird darum gehen, die Menschen dort daran zu erinnern, dass sie einen Auftrag von uns, dem Volk, haben, in unserem Sinne zu handeln - und nicht ausschließlich im Sinne der Mächtigen, der Banken, der Konzerne.”

Im Gepäck hat Stefan Nathan Lange eigene Flyer und DVDs mit dem Film „Thrive - Was auf der Welt braucht es, damit die Menschheit gut gedeiht?”, die er an Interessierte weiter gibt.

Am Donnerstag kommt Stefan Nathan Lange in Stolberg an. Wer mit ihm ins Gespräch kommen oder ihm eine Unterkunft anbieten möchte, kann ihn unter der Telefonnummer 0151/55277995 erreichen. Am Freitag zieht er nach Aachen weiter.
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