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„Stauclub“ bleibt Stolberg erhalten

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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„Stauclub Oberstolberg“: Selbst zu normalen Zeiten sind derzeit mehrere Anläufe erforderlich, um die Ampeln zur Europastraße passieren können. Foto: J. Lange
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Alle Jahre wieder begehren die Anwohner auf und beschweren sich über zu viel und viel zu schnellen Verkehr auf dem Altstadtpflaster. Jetzt ermittelt die Städteregion das Verkehrsaufkommen und die Geschwindigkeiten mit einem Messgerät auf der Burgstraße. Foto: J. Lange

Stolberg. Geredet wurde viel, getan wird nichts: Auf Wunsch von CDU und SPD thematisierte der Verkehrsausschuss erneut die Lage vor allem im Berufsverkehr auf Stolbergs Straßen – seit Beginn der Großbaustelle Aachener Straße. Der Rückstau auf der Finkensief- und der städtischen Zweifaller Straße nebst Burg-Center-Zubringer in den Einmündungsbereichen mit der Europastraße (L 238) ist seit zwei Monaten ständiger Begleiter der Autofahrer, zumindest während der Hauptverkehrszeiten am Morgen, Mittag und Abend.

Hinzu kommt eine weiter gestiegene Belastung der Achse Schellerweg / Europastraße, die durch die Baustelle des Versorgungsträgers Enwor den Abfluss in Richtung Münsterbusch weiter erschwert.

Folgebaustelle Schellerweg

„Diese soll innerhalb von zwei Wochen beendet sein“, versuchte Fachbereichsleiter Bernd Kistermann einen Hoffnungsschimmer an den Horizont zu malen, um ihn gleich wieder mit dunklen Wolken zu verhängen. Denn in der Folge der Baustelle der Enwor, die auf Anfrage bestätigte, in 14 Tagen auf dem Schellerweg fertig sein zu wollen, beabsichtigt die Stadt zwei Wochen lang auf der Gegenfahrbahn an drei Stellen Bodenwellen zu beseitigen, die die Aseag moniert hatte. Diese Bereiche lägen aber im oberen Bereich des Schellerwegs und könnten per Baustellenampel umschifft werden, so Kistermann.

„Und dann haben wir Weihnachten“, protestierten Rolf Engels und Paul M. Kirch auch mit Verweis auf das Weihnachtsgeschäft des innerstädtischen Einzelhandels. Die Bodenschwellen würden sicherlich schon länger den Komfort bei Busfahrten minimieren, und könnten wohl auch zu einer anderen Zeit als der des großen Verkehrschaos behoben werden.

So richtig überzeugt wirkte der Fachbereichsleiter angesichts der Debatte während der Ausschusssitzung aber noch nicht. Dabei wirft die nächste Großbaustelle schon ihre Schatten voraus, stellte Paul M. Kirch fest. Bereits heute gebe es während aufgrund der Verkehrsregelung mit Baustellenampeln an Nachtigällchen einen Rückstau bis nach Vicht bzw. Bernhardshammer auf der L 238. „Wie soll das nur werden, wenn der Bau des Kreisverkehrs beginnt?“

Während die Verwaltung in der Sitzung noch davon ausging, dass die Arbeiten an diesem Montag mit dem Aufbau der Baustelleneinrichtung planmäßig beginnt, bestätigte am Freitag auf Anfrage unserer Zeitung der Projektleiter des Landesbetriebs, Arnd Meyer, eine leichte Verzögerung des Baubeginns. Das beauftragte Unternehmen überlege, wie es den Baustellenablauf so optimieren könne, dass die unweigerlichen Beeinträchtigungen für den Verkehr möglichst minimal ausfallen.

Ein neuer Termin des Baubeginns stehe aber noch nicht genau fest. Während der ersten Phase ist bis dato eine einwöchige Einbahnregelung von Leoni-Kerpen in Richtung Nachtigällchen vorgesehen, so dass man dort vom Süden kommend nicht in Richtung Innenstadt fahren kann.

Verbotswidrige Abkürzung

Dort wird man auch weiterhin auf einen stockenden Verkehrsfluss treffen, da sich weder der Ausschuss noch die Verwaltung dazu durchringen konnten, entscheidende Veränderungen vorzunehmen. Fachbereichsleiter Walter Wahlen hatte auftragsgemäß des Themenfeld sondiert. Eine Änderung der Grünphase der Ampel Zweifaller Straße führe maximal dazu, dass zwei Fahrzeuge mehr passieren könnten in Richtung Europastraße.

Das bringe wenig, weil dort die Bedarfsampel an der Grünenthal-Ausfahrt für den nächsten Stau sorge. Dort liegen noch Mitarbeiter-Plätze der Dalli-Werke, und zudem werde verbotswidrig die Ausfahrt als Abkürzung von den Parkplätzen Kaufland, Burg-Center und EWV genutzt, weil die reguläre Ausfahrt zur Zweifaller Straße ja ebenfalls zugestaut sei.

Weil die Grünenthal-Ausfahrt de facto benutzt werde, könne man diese Ampel nicht abschalten, was wiederum den Abfluss des Verkehrs auf der Europastraße beeinträchtige, erläuterter Wahlen. „Dann muss die Polizei einschreiten“, forderte Adolf Konrads.

Doch auch das erscheint nicht nur wegen derer personellen Kapazitäten, sondern auch aus rechtlichen Aspekten schwierig: Das Verbot der Zufahrt zur Grünenthal-Ausfahrt steht auf dem Privatgelände von Kaufland. An der Kreuzung der offiziellen Zufahrt des Marktzentrums mit der Zweifaller Straße hat der Verkehrsfluss jedenfalls besser funktioniert, als die Ampel noch nicht installiert war, konstatierte Käthe Krings (Grüne).

Selbst wenn sich die Politik entscheide, die Grünphase der Ampel Zweifaller Straße – und dies gelte analog auch für die Lichtzeichenanlage Finkensiefstraße – zu verändern, müsse die Stadt die Kosten für eine neue Berechnung durch einen Verkehrsingenieur übernehmen: je Kreuzungsanlage mindestens 10.000 Euro.

Erst danach stehe fest, ob die Veränderung eine positive Auswirkung auf den Verkehrsfluss habe. Die Verwaltung hält diese Ausgaben für zu hoch, so Wahlen, selbst wenn die Bauzeit auf der Aachener Straße noch ein Jahr betrage – nach den Erfahrungen auf dem ersten Ausbauabschnitt und je nach Witterung voraussichtlich sogar deutlich länger, sensibilisierte schon einmal Bernd Kistermann.

Messungen auf Burgstraße

Ob und wie die Bemühungen im Kampf gegen den Verkehrsstau in Stolberg angesichts dieser Perspektive weitergehen, blieb im Verkehrsausschuss erst einmal offen: „Da bleibt mir nichts anderes übrig, als festzustellen, dass der Tagesordnungspunkt mit sehr erfreulich endet“, betonte auch Ausschussvorsitzender Josef Hansen (SPD).

Derweil ist eine traditionelle Dauerbaustelle aus aktuellem Anlass frisch wiederbelebt. „Uns lagen verstärkte Bürgerbeschwerden vor“, erklärte auf Anfrage unserer Zeitung Pressesprecher Detlef Funken. Deshalb setzt die Städteregion ihr „Wave-Tec“ ein.

Das sorgt auf der Brücke in der Burgstraße zwar nicht für Wellen, sondern registriert den Verkehr: die Art der Fahrzeuge, die Fahrtrichtung und vor allem die Geschwindigkeit. Sehr vielseitig ist dieses Verkehrsdatenzählgerät zwar, nur auf die Erhebung einer Art von Daten verzichtet es: Kfz-Kennzeichen.

Knöllchen werden also nicht verteilt bis kommenden Mittwoch. Später ist das dann sehr wohl möglich, denn sollte sich das bestätigen, was die Bürger beklagen, werden mobile Geschwindigkeitsmessungen ebenso wie die Weihnachtsbeleuchtung neu auf der Burgstraße sein.

Schranke in der Altstadt

Alt dagegen sind das Thema und die Beschwerden über zu viel und viel zu schnellen Verkehr auf dem Altstadtpflaster. Sie reichen zurück bis zur Eröffnung des Burgholzer Grabens, der Ersatz für die einst durch Burg- und Vogelsangstraße verlaufende Kreisstraße 6 Anfang der 80er Jahre ist. Sie hat nie zu dem Umfang der erhofften Entlastung der Altstadt-Route geführt. Und alle paar Jahre wieder hatten Anlieger so die Nase voll, dass sie sich vehement beschwerten. Bislang ohne nachhaltigem Erfolg.

Zeitweise dachte man im Rathaus sogar über eine Schranke in der Altstadt nach, die die Durchfahrt von der Innenstadt auf den Donnerberg unterbinden sollte. Das scheiterte bislang einerseits an der gewünschten Durchfahrt der Aseag-Linie 72 nebst der Schulbusse, andererseits an der erfolgreichen Lobby der Donnerberger, die sich diese praktische Passage auf die Höhe einfach nicht nehmen lassen wollen.

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