Stolberg - Stadtparty lädt zur großen Zeitreise ein

Stadtparty lädt zur großen Zeitreise ein

Von: Dirk Müller und Heike Eisenmenger
Letzte Aktualisierung:
„In Love with Musicals”: Der
„In Love with Musicals”: Der Name war Programm für die junge Gruppe aus der Kupferstadt, deren Repertoire auf der Bühne des Kaiserplatzes von „Cats” bis „Elisabeth” reichte.

Stolberg. Wer vorausschauend geplant und die Wahlmöglichkeit hatte, der entschied sich für den Samstag. Denn besser hätte der äußere Rahmen wohl kaum sein können an diesem Spätsommertag, der tausende Besucher zur Stolberger Stadtparty in die Innenstadt lockte.

Doch auch am Sonntag konnte sich die Resonanz sehen lassen, was wohl auch darauf zurückzuführen war, dass die Meteorologen mit ihrer schlechten Prognose nur bedingt richtig gelegen hatten.

Schon am Samstagnachmittag zeigte sich der Kaiserplatz sehr gut gefüllt, und die vielen Zuschauer kamen in den Genuss der Darbietung der neuen Kupferstädter Formation „In Love with Musicals”. Die junge Gruppe präsentierte Glanzlichter aus bekannten Musicals wie „Cats” und neuen Produktionen wie „Elisabeth” und empfahl sich dem großen Publikum.

Vom Kaiserplatz aus durften die Besucher an den beiden Hauptveranstaltungstagen wählen, ob sie den Weg in Richtung Bastinsweiher oder zur Burg einschlugen, um weiter über das Stadtfest, das in Stolberg mittlerweile schon traditionell den Namen „Stadtparty” trägt, zu schlendern. Auf der Rathausstraße lockte zunächst die Automeile. Hier konnte man Anregungen für den nächsten Fahrzeugkauf bekommen oder aber sich einfach nur zum Träumen animieren lassen.

Zwischen den Limousinen, Cabrios und Coupés gab es die Gelegenheit, den neusten Stolberger Kulturverein kennenzulernen: Die „City Starlights” hatten ein großes Präsentationszelt. Schließlich zeigten sowohl die „Starkids” als auch die Kindershow der Parodiegruppe und die Erwachsenen mit ihrer Comedy die Facetten des abwechslungsreichen Repertoires der „City Starlights” vor ihrem Bühnenbild, dem „Wintergarten Varieté”.

Auch im Umfeld des Bastinsweihers kamen Groß und Klein auf ihre Kosten, denn schweres und ganz leichtes Gerät gab es zu bestaunen. Ganz leicht muss das Segelflugzeug des Luftsportvereins Stolberg schon sein, damit es sich in Schwindel erregenden Höhen ohne eigenen Antrieb halten kann. Weniger auf ihr Gewicht achten dagegen die Jeeps und der Panzer der Bundeswehr. In diese durften die Kinder nicht nur einen Blick werfen, sondern sich hineinsetzen und auch das Steuer selbst in die Hand nehmen - im Stand, versteht sich.

Außerdem war es den Gästen der Stadtparty erlaubt, in den 1970 gebauten Polizei-Funkwagen Marke „Hanomac” zu klettern und die vielen Knöpfe des Gefährts, das bis 1983 im Einsatz war, zu bedienen. Auch das Probesitzen auf einem „echten” Polizeimotorrad erfreute sich großer Beliebtheit.

Direkt am Bastinsweiher war das Technische Hilfswerk vielfach präsent. Das THW hatte mehrere imposante Lkw und Gerätschaften mitgebracht und sorgte mit einem Seilbahn-Transport über das Wasser für eine besondere Attraktion. Derweil überraschten auf der Frankentalwiese die Hunnen in ihrem Lager mit eher untypischen Klängen. Aus den Boxen und dem Munde eines Sängers erklang bisweilen volkstümliche deutsche Schlager...

Wesentlich trostloser gestaltete sich der Weg vom Kaiserplatz durch den Steinweg hin zur Burg. Lediglich in der Nähe der Aktionsbühne waren vereinzelte Stände zu entdecken, und manch auswärtiger Besucher konnte den Eindruck gewinnen, hier sei die Stadtparty zu Ende. Schade, denn gerade auf der Burg gab es viel zu erleben. War man in der Altstadt im Hier und Jetzt, fühlte man sich auf der Burg um Jahrhunderte zurückversetzt. Auf dem kompletten Burggelände sowie auf der ehemaligen „Pestwiese” gleich am Faches-Thumesnil-Platz herrschte ein buntes mittelalterliches Treiben. Gemeinsam mit den Stolberger Burgrittern waren es rund 120 Teilnehmer, die im Rollenspiel eine längst vergangene Zeit darstellten. Auf dem unteren Burghof standen kleine Zelte, dort wurden aus Holz Alltagsgegenstände hergestellt und Flammkuchen gebacken.

In einem Punkt sind sich die Mittelalter-Fans einig: Der Zusammenhalt war zu jener Zeit besser. Wohl, weil es weniger Ablenkung gab, aber ganz sicherlich auch, weil in der Gemeinschaft die Überlebenschance größer war. Julia Empt ist im wahren Leben Krankenschwester. So sehr sie das Mittelalterspiel liebt, würde sie damals nicht gelebt haben wollen. Schon allein wegen der mangelnden medizinischen Versorgung.

Doch in der Fantasie mit garantiertem Rückfahrschein ins Jahr 2011 ist das Ganze ein großer Spaß. „Immer mehr Leute finden gefallen am Rollenspiel, und es finden regelmäßig Fantasiespiele statt”, erzählt die 24-Jährige, die für die Gruppe „Mersamón” Fantasie-Action-Spiele auf der Burg organisiert. „Wir lassen ein Buch, eine Geschichte, lebendig werden. So wie bei ?Herr der Ringe, nur dass es eine andere Story ist”, erklärt Ute Herff.

Die Entertainer des Mittelalters, die aber auch wichtige Kunde in die entlegenen Ort brachten, waren Geschichtenerzähler wie Petronius Paternoster. Seine Bühne besteht aus einem großem Stofftuch mit einer aufgemalten Burglandschaft und zwei eingelassenen Klappen. In diesen „Fenstern” stecken seine Handpuppen frech die Köpfe heraus, und im Nu findet eine Interaktion mit dem Publikum statt.

„Die Menschen sind übersättigt von allem, sie haben ein Bedürfnis nach Geschichten”, berichtet Andreas List alias Petronius Paternoster. Ebenfalls beliebt beim Publikum ist das Kreuzen der Schwerter. Unter anderem wird ein Angriff zweier rivalisierender Rittergruppen am Eingang zur Pestwiese nachgestellt. Generell aber lieben es die Zeitreisenden friedlich, und so schmausen die ehemaligen „Feinde” anschließend einträchtig Kohl mit Kartoffeln und Speck und begießen den Frieden mit Met und Kirschsaft.
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