Stolberg - Stadtbücherei macht für ihre Nutzer mobil

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Stadtbücherei macht für ihre Nutzer mobil

Von: Von Michael Grobusch
Letzte Aktualisierung:
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Bücherei-Mitarbeiterin Monika Franken packt die Taschen nach den Wünschen der Kunden.
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Wilhelm Schmitz liebt Krimis. Aber er ist in seiner Sehfähigkeit stark eingeschränkt. Rania Amasseo bringt dem 91-Jährigen deshalb ausschließlich Hörbücher mit. Foto: M. Grobusch

Stolberg. Sie hat etwas von einer guten Fee. Überall dort, wo Rania Amasseo anklopft oder klingelt, wird sie freudig erwartet und herzlich empfangen. Das funktioniert ganz ohne Spuk und Zauberei. Bücher und Hörspiele sind vielmehr der Schlüssel zum Erfolg. Denn einmal im Monat macht die 17-Jährige ihre Tour durch Stolberg und bringt Menschen, die in ihrer Mobilität eingeschränkt sind, Lese- und Hörstoff.

Seit mehr als 20 Jahren bietet die Stadtbücherei diesen Service an. Lange Zeit wurde der „mobile Bücherdienst“ in Zusammenarbeit mit dem Arbeiter-Samariter-Bund organisiert, im August 2007 konnte die städtische Einrichtung dann als Nachfolger die Jugendberufshilfe für sich gewinnen. Seitdem sorgen Jugendliche im Rahmen ihrer Qualifizierungsmaßnahme für die Lieferungen im Stadtgebiet – und für einen sozialen Kontakt, der für die Kunden in der Regel eine große Bedeutung hat.

Bei Agnes und Wilhelm Schmitz beispielsweise ist das der Fall. Seit dreieinhalb Jahren wohnt das Ehepaar im Seniorenzentrum am Amselweg. „Wir können beide leider keine weiten Strecken mehr zurücklegen. Und ein Taxi für die Fahrten zur Stadtbücherei, das wäre einfach zu teuer“, berichtet die 82-Jährige. Den Bücherdienst nutzt vor allem ihr Gatte Wilhelm. Die Sehfähigkeit des 91-Jährigen ist stark eingeschränkt, Rania Amasseo bringt ihm deshalb ausschließlich Hörbücher mit – vor allem Krimis. „Ich bin gern in Spannung“, schmunzelt Wilhelm Schmitz. „Und in netter Gesellschaft“, fügt er mit einem Augenzwinkern an die Adresse der Jugendlichen hinzu.

Themenschwerpunkte, Art und Anzahl der Medien, Umfang und sogar die Schriftgröße können die Nutzer auswählen. Ihre Wünsche geben sie an die Botin weiter oder tragen sie in ein Heft ein, das jeder Büchertasche beigefügt ist. Gefüllt wird diese dann von den Mitarbeitern der Stadtbücherei – zum Beispiel von Monika Franken. „Das Angebot gilt nicht nur für ältere Menschen, sondern für alle Stolberger mit einer dauerhaften Einschränkung“, betont sie.

Gleichwohl ist der jüngste Kunde derzeit 64 Jahre alt. Was für die Lese- und Hörvorlieben aber keine große Bedeutung haben muss. „Klischees sagen ja, dass für ältere Menschen nur Heile-Welt-Geschichten in Frage kommen. Das ist aber nicht so“, betont Thomas Meirich, stellvertretender Leiter der Stadtbücherei. „Unsere Senioren lesen alles. Da gibt es keinen Unterschied zu anderen Altersgruppen.“ Hörbücher liegen klar im Trend, die Einrichtung versucht, trotz überschaubarer finanzieller Mittel durch Neuanschaffungen der steigenden Nachfrage gerecht zu werden. Für die Nutzer ist der mobile Bücherdienst kostenfrei. Und völlig unverbindlich, wie Meirich unterstreicht: „Manche Menschen haben die Sorge, sie müssten eine Verpflichtung eingehen, ähnlich wie bei einem Bücherclub. Diese Sorge kann ich ihnen nehmen.“

Die Kunden nutzen den mobilen Bücherdienst in der Regel sehr lange. „In vielen Fällen werden die Lieferungen erst bei Tod oder schwerer Krankheit eingestellt“, weiß Gertrud Smets. Die Werkstatt-Leiterin begleitet das Projekt von Seiten der Jugendberufshilfe – und den jeweiligen Jugendlichen auf seiner Tour durch die Stadt. „Mit dem Bus oder Fahrrad ist das nicht zu leisten. Deshalb fahren wir mit dem Auto“, erklärt Smets. Anfangs übernahmen die Jugendlichen den Botendienst im Wechsel, mittlerweile ist die Aufgabe für wenigstens ein Jahr an eine Person gebunden. „Wir haben festgestellt, dass es für unsere Kunden wichtig ist, eine feste Bezugsperson zu haben.“ Und aus der kann dann im Laufe der Zeit durchaus eine gute Fee werden.

Auf Rania Amasseo trifft das zweifellos zu. Ein fester Händedruck, ein liebevolles Lächeln. „Bis zum nächsten Mal“, sagen Agnes und Wilhelm Schmitz. Und sie freuen sich schon jetzt nicht nur auf die neuen Hörspiele.

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