Stolberg - Stadt ist an der Hochwasserfront aktiv

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Stadt ist an der Hochwasserfront aktiv

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
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Bei Hochwasser breitet sich der sonst so friedliche Münsterbach so aus, dass er die etwa ein Meter hohe Holzspundwand zu überfluten droht. Die ist jedoch so undicht, dass die Anwohner dann immer das Wasser in ihren Kellern stehen haben. Foto: D. Müller

Stolberg. Ein Leben hinter einer Holzwand. Das führen viele der Anwohner des Schnorrenfelds seit Jahrzehnten. Eine Holzwand, die den Münsterbach mehr oder weniger in seinem Bett halten soll. Bevor er hinter Saint Gobain nach dem Zusammenfluss mit der Vicht seinen Weg durch die breite Indeaue nimmt, passiert er die alte Werkssiedlung der Vegla.

Schwillt der Münsterbach in seinem Bett an, steht den Wassermassen lediglich die etwa ein Meter niedrige Bretterwand im Weg. Aufhalten kann sie sie freilich nicht: Regelmäßig fließt an solchen Tagen der Münsterbach durch die Keller der Häuser im Schnorrenfeld.

WVER wird gefordert

Ein Zustand, mit dem sich der zuständige Wasserverband Eifel-Rur offensichtlich angefreundet hat. Passiver Hochwasserschutz mittels vorhandener Spundwand werde favorisiert erklärte der WVER nach den jüngsten Hochwasserereignissen auf Anfrage unserer Zeitung erneut als die seine Lösung. Einige Monate zuvor hatte der WVER bereits dem städtischen Umweltausschuss erklärt, „das Problem ist komplexer als gedacht”: Weder die Entfernung eines Wehrs unterhalb von Saint Gobain noch eine Absenkung des Bachbettes würden zu einer Entschärfung der Lage im Schnorrenfeld führen. Zumindest Verbesserungen an der Spundwand wollte der WVER mit den Anliegern diskutieren.

Verändert hatte sich jedoch seitdem nichts; im Januar kam das Hochwasser und die Keller liefen voll wie gewohnt. Das nimmt jetzt die SPD-Fraktion zum Anlass, die Verwaltung aufzufordern, das Problem in kurzfristigen Gesprächen mit dem WVER zu thematisieren. Für die Anwohner müsse „jede nur erdenkliche Möglichkeit ernsthaft untersucht werden, um sie vor Hochwasser wirksamer zu schützen”, erklärte Dieter Wolf gegenüber unserer Zeitung. Inwieweit dies mit der Spundwand oder durch Verbesserungen geschehen könne, solle im Detail erläutert und den zuständigen Ausschüssen des Rates berichtet werden.

Barrierefreie Rampe

An zwei weiteren Brennpunkten entlang des Münsterbaches leitete der Bauausschuss Maßnahmen zum Hochwasserschutz ein: für die Brücke Spinnereistraße sowie in der unteren Schneidmühle.

Rund 50.000 Euro wird es kosten, die Fußgängerverbindung zwischen Kohlbusch und Hamm um 80 Zentimeter anzuheben und dennoch die Brücke barrierefrei passierbar zu halten. Dass dieser Standard unverzichtbar sei, begründete Fachbereichsleiter Josef Braun mit den einschlägigen gesetzlichen Vorschriften. Zumal es entlang von Spinnereistraße und Hamm zwei unterschiedliche Ansichten zum Ausbau gibt: Die Gegner fürten an, eine verkehrsgefährdende Situation werde geschaffen, weil eine Rampe zu nahe an einer Grundstückszufahrt liege. Die Befürworter lobten die Mühe, die die Verwaltung sich bei der Planung gegeben habe, um die wichtige Verbindung auch für Kinderwagen, Rad- und Rollstuhlfahrer passierbar zu halten.

Dass die Spinnereistraße in ihrem weiteren Verlauf mit einer Steigung von 15 Prozent selbst nicht barrierefrei ist, spiele bei den Anforderungen an den Brückenausbau keine Rolle. Einstimmig sprach sich der Auschuss für die von der Verwaltung vorgelegte Planung an der Spinnereistraße ebenso wie für die Schneidmühle aus.

Dort muss in erster Linie der Zulauf von Oberflächenwasser in das Kanalnetz verbessert werden, damit das kleine Wohngebiet am Münsterbach verschont wird. Bis zu 1,20 Meter hoch stand im Januar dort das Wasser noch in den Wohnungen, weil es von Wiesen, Schneidmühle und Eisenbahnstraße kommend in das tiefer liegende Areal strömt. Nun werden Gehwege angehoben, Fahrbahnen angerampt, das Gelände des Feuerwehrgerätehauses mit L-Steinen eingefasst und Kanaleinläufe optimiert. Rund 85.000 Euro müssen dafür investiert werden.
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