Stadt bezahlt Anschluss des Seniorenheims an den Kanal

Von: Jürgen Lange
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Im Focus: Der Stadtrat darf den zweiten Anlauf nehmen, um den städtebaulichen Vertrag und die Bauleitplanung für die Realisierung eines Seniorenheims auf dem ehemaligen Ausflugsgelände Süssendell auf den Weg zu bringen. Foto: J. Lange
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Krisengespräche im Juli: Vertreter von SPD und CDU loteten bei AWO-Geschäftsführer Hans-Peter Barbeln aus, wie das Projekt noch zu retten ist. Foto: J. Lange

Stolberg. Falls bis zur Ratssitzung am Abend nicht auffällt, dass noch irgendwo ein Problem gelöst werden müsste, können heute die entscheidenden Beschlüsse zur Realisierung eines Modellprojektes für demenzkranke Senioren auf Süssendell gefasst werden. Am Montag jedenfalls war man im Rathaus zuversichtlich, wirklich nach vielen Aufregungen und Nachverhandlungen alle Klippen umschifft zu haben.

Um eine Woche vorgezogen wurde die Sitzung des Stadtparlamentes, damit die AWO Mittelrhein noch bis zum Jahresende die Option zum Ankauf des Geländes von Vorbesitzer Hans Bischof beim Notar einhalten kann. Der Termin mit der Stadt zur Zeichnung des städtebaulichen Rahmenvertrages ist für den morgigen Vormittag im Notariat von Dr. Stefan Schmitz und Dr. Ulrich Bous bereits reserviert. Das Vertragswerk war ebenso wie die erforderlichen Satzungsbeschlüsse zur Bauleitplanung von der November-Sitzung des Stadtrates kurzfristig abgesetzt worden.

645.000 Euro fürs Abwasser

Bei der Vorbereitung des Investitionsvorhabens mit einem Volumen von rund acht Millionen Euro hatte die Verwaltung schlichtweg die Abwasserentsorgung des mitten im Wald geplanten Heims nicht fixiert. Vor offene Fragen sahen sich die Politiker gestellt: Wer baut und bezahlt was?

Diese hat die Verwaltung mittlerweile geklärt. Die Stadt baut und bezahlt sowohl eine erforderliche Pumpstation auf dem Gelände des zukünftigen Seniorenheims wie auch die Abwasserleitung über etwa einen Kilometer bis zur vorhandenen Kanalisation im Mausbacher Horst. „Die Stadt ist grundsätzlich abwasserbeseitigungspflichtig“, sagt Fachbereichsleiter Andreas Pickhardt und verweist auf den 2007 gefassten Grundsatzbeschluss, Süssendell an das Kanalnetz anzuschließen.

Allerdings hatte sich der seinerzeit favorisierte und mit 320.000 Euro kalkulierte Netzschluss an die Fischbachstraße in Vicht, mit dem auch das Forsthaus und vier weitere Gebäude an die Kanalisation angeschlossen werden sollte, aufgrund von Fels und konkurrierenden Leitungen in der Trasse zerschlagen.

Heute setzt die Verwaltung die Kosten an mit 525.000 Euro für die Kanalleitung sowie weiteren 120.000 Euro für die Pumpstation, die nach der Fertigstellung von der AWO übernommen sowie von ihr betrieben und unterhalten wird.

Eine Investition in die Abwasserbeseitigung wirkt sich immer auch auf den Gebührenhaushalt aus. Für die 645.000 Euro fallen als kalkulatorische Kosten für Abschreibung und Verzinsung insgesamt 8.378.002 Euro an. „Die Baukosten würden bei der Abwassergebühr mit 0,0028 Euro/m3 zu Buche schlagen“, so Pickhardt weiter; was ihre Höhe „kaum beeinflusst.“ Und im Gegenzug wird die AWO zukünftig Schmutzwassergebühren bezahlen dürfen, was schwer prognostizierbar sei. Hoch gerechnet hat das Tiefbauamt das einmal. Mit 6500 bis 11.000 m3 Schmutzwasser wäre zu rechnen, was einer Gebühr von 18.000 bis 30.000 Euro entspreche, so dass sich die Investitionskosten in rund 25 Jahren amortisieren würden.

Geklärt wurde mittlerweile auch die offene Frage zur Trinkwasserversorgung des Seniorenheims, die die AWO mit der Enwor ausarbeitet. Denn zu Spitzenzeiten reicht die auf Süssendell ankommende Wassermenge nicht aus, um die Versorgung sicherzustellen. Ein Zwischenspeicher mit einem Volumen von rund 1000 Liter könne als Lösung ausreichend sein.

Bereits im November geklärt waren die Probleme, die Beate Ruhland bei einer Projekt-Präsentation im Sommer öffentlich angeprangert hatte. Neben Schwierigkeiten mit dem ökologischen Ausgleich und Fragen zur Verkehrserschließung hatte sich die AWO-Bezirksvorsitzende vor allem darüber beschwert, dass Bürgermeister Ferdi Gatzweiler ein persönliches Gespräche, in dem die Probleme geklärt werden sollten, kurzfristig hatte platzen lassen.

Daraufhin sah sich der Stadtrat veranlasst, den Bürgermeister mit deutlichen Worten in die Pflicht zu nehmen, der sich bei Ruhland entschuldigte. Gelöst wurden die Forderungen zum ökologischen Ausgleich durch die Aufforstung einer städtischen Weide und die Übernahme des Waldbestandes, den die AWO auf dem über 7,5 Hektar großen Areal erwirbt, für das Heim aber nicht benötigt. Darüber hinaus wandelt die Stadt einen Fichtenbestand auf Camp Astrid in einen Buchenwald um, was die AWO mit 33.000 Euro vergütet. Außerdem wurde die Beteiligung der AWO an verkehrssichernden Maßnahmen auf der Süssendeller Straße bei 12.000 Euro gedeckelt.

„Wir sind guter Hoffnung für heute Abend“, blickt Projektleiterin Sabine von Homeyer optimistisch auf die Sitzung des Stadtrates. Kann morgen beim Stolberger Notar der städtebauliche Vertrag gezeichnet werden, möchte die AWO bis Ende der Woche den Ankauf des früheren Ausflugslokals perfekt machen. Spätestens Anfang nächsten Jahres soll dann der Bauantrag eingereicht sein und im Frühjahr der Baubeginn folgen. Ein Jahr später könnte das Heim dann bezogen werden.

Das soll den 80 demenzkranken Senioren dann eine neue Heimat bieten, die wie ein eigenes kleines barrierefreies Dorf geplant ist. Fünf Wohneinheiten gruppieren sich um einen Dorfplatz. Dort befinden sich ein Werkhof mit Anschluss an einen Bauerngarten und ein Gewächshaus, ein kleiner Laden und ein Andachtsraum. Weiter sind hier ein Backhaus, das Wellness- Pflegebad, die Wäscherei und die Verwaltung untergebracht.

Dieser Platz ist Ort der Aktivität und Orientierung, dort strukturiert sich der Tages-, Wochen und Jahresverlauf für die Bewohner – vorausgesetzt heute passieren Bauleitplanung und Vertrag ebenso strukturiert den Rat.

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