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Spurensuche: Onkel und Großvater im KZ ermordet

Von: oha
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Die Familie Ezra (rechts) besuchte am Donnerstag auch den Zinkhütter Hof. Begrüßt wurden sie dort von Karin Lange-Rehberg, Josef Ingermann und Friedrich Gruschei. Foto: Hansen

Stolberg. Zu Besuch in der alten Heimat, in der ein Teil der Familie von den Nazis ermordet wurde. Was würde einen dort empfangen? „Deutschland ist aber auch das Land, in dem mein Vater geboren ist“, sagt Michal Amidor Ezra. Gemeinsam mit Mann Moshe Ezra (61) und Sohn Yoad (27) reiste die 57-Jährige jetzt von Israel nach Mausbach, um zu den Wurzeln ihrer Familie zurück zu kehren.

Die Familie Imdorf war vor dem Krieg die einzige Familie jüdischen Glaubens in Mausbach. Josef Imdorf und seine Frau Martha waren nach der Hochzeit 1920 in Kelz in den Stolberger Stadtteil gezogen. Josef Imdorf galt im Dorf schon bald als guter und zuverlässiger Handwerker. Er war unter anderem am Innenanstrich der Mausbacher Kirche beteiligt, seine Frau betrieb ein kleines Kurzwarengeschäft in der Gressenicher Straße 33. Die zunehmende nationalsozialistische Verfolgung beunruhigte die Familie derart, dass sie den Sohn Walter 1938 nach Palästina schickten. Sohn Erich folgte ein Jahr später. Der Vater und das dritte Kind, Helmut, blieben in Stolberg.

Ab November 1938 durften alle Geschäfte nur noch in den Händen von „Ariern“ sein. Es ist davon auszugehen, dass die Familie gezwungen wurde, ihren kleinen Laden zu schließen. Der Vater schlug sich mit Anstreicherarbeiten durch. Am 30. 7. 1941 wurden Josef Imdorf und sein Sohn Helmut in eine jüdische Sammelunterkunft gebracht und interniert. Von dort aus wurden sie von den Nazis in ein unbekanntes Konzentrationslager gebracht und vermutlich ermordet. Am 8. Mai 1945 wurden beide für tot erklärt. Mutter Martha starb 1940 in Mausbach. Ihr Grab befindet sich auf dem jüdischen Friedhof in Aachen. Das Haus der Familie in der Gressenicher Straße wurde konfisziert, in ihm wurde ein Büro der Deutschen Arbeiterfront eingerichtet.

„Sehr gerührt“

Walter Imdorf und seine Frau Margarethe betrieben in Israel ein Geschäft für Blumenin- und export. Im Rahmen einer Dienstreise nach Frankfurt besuchte Walter Imdorf im November 1969, wenige Monate vor seinem Tod, noch einmal seine alte Heimat Mausbach. „Der Vater war sehr gerührt, dass sich noch viele hier an ihn erinnerten“, weiß Tochter Michal Amidor-Ezra noch.

Sie wohnt mit ihrer Familie in einem kleinen Ort, 20 Kilometer von Tel Aviv entfernt. Sohn Yoad studiert in Berlin Produktdesign. In Berlin waren Michal Amidor-Ezra und ihr Mann denn auch schon zwei Mal. Jetzt nutzte man die Gelegenheit, auch einen Abstecher nach Mausbach zu machen. Man wollte die Motive aus dem Foto-Album der Familie einmal in Natura sehen.

Begleitet wurden das Paar und sein Sohn dabei am Donnerstag von Karin Lange-Rehberg, Dr. Franz-Josef Ingermann und Friedrich Gruschei. „Wir haben hier schon viele nette Leute kennen gelernt. Es ist eine neue Generation, die hier lebt und ein Europa, das zusammen wächst“, freute sich Michal Amidor-Ezra.

Begrüßt wurde die jüdische Familie auch von Bürgermeister Ferdi Gatzweiler. „Viele Menschen hier in der Stadt engagieren sich auch in der Aufarbeitung der schrecklichen Geschichte. Sie sorgen dafür, dass die Nazi-Gräuel nicht vergessen werden“, betonte der Bürgermeister. „Man muss die Erinnerung wach halten und sich immer wieder konkrete Bilder vor Augen rufen. Man muss den vielen Ermordeten ein Gesicht geben.“ Eine Einstellung, die Yoad Ezra begrüßte: „Das ist nicht überall selbstverständlich.

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