Stolberg - Spannender Vortrag beleuchtet die Stadtgeschichte Stolbergs

Spannender Vortrag beleuchtet die Stadtgeschichte Stolbergs

Von: Toni Dörflinger
Letzte Aktualisierung:
16656155.jpg
Der Ort des Vortrags, die aufragende Burg, die sich zu Zeiten der Burgherren den Besuchern Stolbergs wehrhaft präsentierte, die hier in der Finkenberggasse die engen Grenzen der Stolberger Unterherrschaft überschritten. Foto: Christian Altena

Stolberg. Armin Meißner, Historiker aus der Nachbarstadt Eschweiler, besitzt eine brillante Vortragskunst. Auch bei seinem zweiten Vortrag, bei dem die Entwicklung der Unterherrschaft Stolberg von 1371 bis 1794 im Mittelpunkt stand, begeisterte er mit einer lebendigen und spannenden Darstellung die rund 80 Besucher im Rittersaal der Burg.

Meißner hat im Auftrage des Stolberger Heimat- und Geschichtsvereines eine dreiteilige Vortragsreihe erstellt, die den Werdegang Stolbergs von 1118 bis 1856 beleuchtet. Der erste Teil, der den Edelherren von Stolberg gewidmet war, war bereits Mitte vergangenen Monats vorgetragen worden.

Mit dieser dreiteiligen Reihe leistet der Stolberger Heimat- und Geschichtsverein seinen Beitrag zum 900-jährigen Jubiläum der ersten urkundlichen Erwähnung Stolbergs. Was ist eine Unterherrschaft? Welche Stellung und Bedeutung hatte sie im Gefüge und Geflecht der frühen Neuzeit? Diese Fragen stellte Meißner an den Anfang seines Vortrages, indem er eine Unterherrschaft als eine Mixtur aus einem souveränen Staat und einem Privatbesitz darstellte. So genoss die Stolberger Unterherrschaft, die weitgehend mit der heutigen Innenstadt identisch war und zum Herzogtum Jülich gehörte, Steuerfreiheit und besaß neben der unteren auch die hohe Gerichtsbarkeit - das heißt, dass der Stolberger Burgherr Todesurteile verkünden und vollstrecken konnte.

Erster Unterherr war Wilhelm von Nesselrode, der um 1450 auf dem markanten Felsmassiv oberhalb der Vicht eine neue Burg errichtete. Eine Burg, die befestigt, keinen Bergfried, sondern einen weitaus niedrigeren und massiveren Geschützturm besaß, wie der Eschweiler Historiker erläuterte. Wilhelm, ein wohlhabender Ritter, der neben Burg Stolberg noch weitere Adelssitze sein Eigen nannte, gehörte laut Meißner zu den Finanziers des Herzogs und war demnach mit zahlreichen Privilegien ausgestattet.

„Rüstungsminister“

Neben den Nesselrodes stellte der Experte auch die Burgherren aus dem Geschlecht derer von Efferen dar. Dabei widmete er sein Augenmerk insbesondere Hieronymus von Efferen, der als Zeugmeister - „Rüstungsminister“ - des Jülicher Herzogtums, Mitte des 16. Jahrhunderts Stolberg regiert hatte. Hieronymus von Efferen hat, wie der Referent ausführte, die wirtschaftliche und soziale Entwicklung Stolbergs wesentlich beeinflusst und gefördert sowie die Ansiedlung der Kupfermeister forciert. Denn Stolberg besaß keinen Zunftzwang, bot eine freie Gewerbeentwicklung und verfügte über Bodenschätze wie Eisenstein, Blei und Zink (Galmei): Voraussetzungen, die für die Entwicklung eines leistungsfähigen Metallgewerbes förderlich und dienlich waren. Ob der Dollartshammer - heute Werksgelände der Firma William Prym - auch als Waffenschmiede des Herzogtums und somit für die Produktion von Geschützrohren einst in Frage kam, konnte Meißner nicht abschließend klären.

„Primärquellen waren mir bisher dazu nicht zugänglich“, versicherte der um wissenschaftliche Genauigkeit bemühte Historiker, der im Verlaufe seines Vortrages auf die Blütezeit der Stolberger Messingindustrie im 17. und 18. Jahrhundert einging.

Seinen Vortrag schloss Meißner, indem er dem Einmarsch der Franzosen in Stolberg im Jahr 1794 ein kurzes Kapitel widmete. Die Besetzung des Rheinlandes durch die Franzosen hatte der regionalen Feudalherrschaft seinerzeit ein Ende gesetzt.

Zuvor war Meißner noch auf die Schrift eingegangen, die Johann Adolf Schleicher, 1816 unter dem Titel „Denkwürdigkeiten des Fleckens Stolberg“ erstellt hatte. Der Historiker würdigte das Werk mit den Worten: „Dies ist eine Schrift eines selbstbewussten Unternehmers, der kein Untertan mehr ist und dessen Werk im Rahmen einer Dissertation eine ausführliche, wissenschaftliche Betrachtung verdient“.

Fortgesetzt wird die Vortragsreihe am Dienstag, 18. September, um 20 Uhr, im Rittersaal der Burg. Dann widmet sich Armin Meißner dem Thema „Vom Untertan zum Bürger der Stadt Stolberg - 1794 bis 1856“.

 

Die Homepage wurde aktualisiert