Stolberg - Spätere Kunden richten sich jetzt den Laden ein

Weltmeisterschaft Weltmeister WM Pokal Russland Fifa DFB Nationalmannschaft

Spätere Kunden richten sich jetzt den Laden ein

Von: Jürgen Lange
Letzte Aktualisierung:
Lebensmittel, Dienstleistungen
Lebensmittel, Dienstleistungen, Kommunikation: Der geplante Kiosk im Stolberger Hauptbahnhof soll wie hier in Barmen ein auf die späteren Kunden zugeschnittenes Angebot unterbreiten können. Foto: DORV

Stolberg. Geldautomat, Post- und Paketdienst, ein Grundsortiment von Lebensmittel, Frischfleisch, Obst und Gemüse, vor allem regionale Produkte, Schreibwaren, soziale und medizinische Angebote, ein Café und die Gelegenheit zur Kommunikation - so präsentiert sich heute ein Dorfladen.

Die 49-Jährige ist Schmuckdesignerin und hat in Breinig ein eigenes Atelier. „Ich könnte ewig mit den Schülern weiterarbeiten. Sie sind mir inzwischen richtig ans Herz gewachsen”, sagte sie nun. Doch es ist Schluss, das Jahr ist vorbei - und damit auch das Projekt „Natürlich: Kunst”, das im Rahmen des NRW-Landesprogramms „Kultur und Schule” an der Förderschule Tal-straße realisiert worden ist.

Die vier Buchstaben stehen für das vom Land geförderte und vom Bund unterstützte Projekt „Dienstleistung und Ortsnahe Rundum Versorgung”, dessen Wurzeln im Jülicher Dorf Barmen liegen. Als dort vor etwa zehn Jahren der Supermarkt schloss, engagierten sich Bürger, um die Nahversorgung im Ort weiter sicherstellen zu können. Herausgekommen ist „ein Konzept, das multifunktional angelegt ist und mittlerweile bundesweit auf großes Interesse stößt”, sagt Jürgen Spelthann.

Das DORV-Konzept fußt auf fünf Säulen. Neben Lebensmitteln stehen Dienstleistungen, sozial-medizinische Versorgung, Kulturangebote und Kommunikation auf der Palette. „Passgenau auf das Einzugsgebiet werden die Angebote nach den Bedürfnissen der Bürger vor Ort geschnürt”, erklärt der Projektleiter.

Mittlerweile funktionieren elf Läden nach dem mit dem ersten Preis des Ideenwettbewerbs „Zuhause hat Zukunft” prämierten Projektes. „Solche Dorfläden sind die Tante-Emma-Läden des 21. Jahrhunderts”, sagt Spelthann.

Ein Bahnhofskiosk, das im Vergleich zum Versorgungsangebot in einem Dorf ganz andere Rahmenbedingungen vorgibt, ist freilich noch nicht darunter. „Das ist eine schwierige, aber auch sehr spannende Herausforderung”, gibt Spelthann zu. Aber auch eine zukunftsträchtige, denn der Stolberger Hauptbahnhof genießt Modellcharakter. „Deshalb engagiert sich hier die Städteregion”, sagt Ruth Roelen.

Gefunden werden soll ein Betreibermodell, das sich trägt und später auf bei vergleichbare Objekte übertragen werden kann, erklärt die Leiterin der Stabsstelle Regionalentwicklung. Mit im Zug sitzt ebenfalls das Job-Center der Arge, das sich bei der personellen Besetzung des Servicepoints einbringen wird. Dass geeignete Betreiber für ein solchen informativen Kiosk am Hauptbahnhof nicht „von der Stange” zu beziehen sind, hat die Vergangenheit bewiesen, erklärt Andreas Pickhardt.

Trotz intensiver Bemühungen sind weder die Stadt noch die EVS mit konventionellen Methoden fündig geworden, so der Stolberger Fachbereichsleiter. Deshalb unterstützt auch die Euregio Verkehrsschienennetz GmbH das Modellprojekt im frisch restaurierten neuen Betriebssitz ebenso finanziell wie Städteregion und der Aachener Verkehrsverbund als Auftraggeber für den Nahverkehr, der rund 1,1 Millionen Bürger in der Region ein hochwertiges Angebot auf der Schiene unterbreiten möchte.

Dabei gewinnt Stolbergs Hauptbahnhof als Dreh- und Angelpunkt zwischen lokalen, regionalen und überörtlichen Verbindungen zunehmend an Bedeutung. Dieser soll auch die Aufenthaltsqualität zukünftig besser gerecht werden.

Dazu gehören nicht nur die jahrzehntelang am Hauptbahnhof vermissten öffentlichen Toiletten, die in benachbarten Räumen des Servicepoints eingebaut sind. Damit die in einem ordentlichen Zustand bleiben, soll das Team des Dorfladens auch auf dieses Angebot ein waches Auge haben.

Doch zunächst einmal gilt es, den Kiosk selbst mit Läden zu füllen. Was bei einer Eröffnung in den Regalen stehen wird, entscheiden in den kommenden zwei Wochen die erwarteten Kunden zunächst einmal selbst mit. „Die Leute sind immer froh, gefragt zu werden”, weiß Jürgen Spelthann von den voran gegangenen Projekten. Ebenso, dass zum Erfolg eine Bündelung unterschiedlicher Angebote unter einem Dach erfolgen soll. „Vor allem aber muss die Qualität stimmen”, betont der Projektleiter. „Das Angebot in so einem Dorfladen muss sich unterscheiden von dem in Supermarkt-Ketten”.

Qualität und regionale Produkte

Das bedeutet in der Praxis beispielsweise, dass die Brötchen nicht aus einem Automaten, sondern von einem hiesigen Bäcker kommen müssen, der Aufschnitt von einem ortsansässigen Metzger und angebotene Gerichte frisch zubereitet von einem qualifizierten Partner vor Ort. „Regionale Produkte sind nicht nur wichtig für Akzeptanz und Identität eines Dorfladens, sondern stärken auch die regionale Wertstoffkette.”

Darüber hinaus, so die Idee, kann der Kiosk im Stolberger Hauptbahnhof auch zu einem Anlaufpunkt werden für Dienstleistungen der unterschiedlichen Art. Angefangen von touristischen Informationen und Angeboten, über Fahr- und Eintrittskarten bis hin zu einem Fahrrad-Verleih und Reparatur-Service oder dem Standort einer Mitfahrzentrale oder Autoreinigung und -wartung.

Denkbar ist auch eine Reinigung: Pendler geben morgens ihre schmutzigen Sachen ab und wenn sie abends der Zug heimbringt, können sie gesäubert wieder mitgenommen werden. Klar, wer auf den Zug warten muss, soll dies bei Speis und Trank tun können und dabei dank kostenfreiem Wifi im Internet surfen - „den Ideen sind keine Grenzen gesetzt”, betont Spelthann, dass die Fragebogenaktion ergebnisoffen ist. „Es kommt an auf die Wünsche der späteren Kunden des Ladens, damit dieser erfolgreich und nachhaltig betrieben werden kann.”

Und selbstverständlich beinhaltet der Fragebogen online wie auf Papier neben vielfältigen Vorschlägen zum Ankreuzen und Statistik auch viel Platz für eigene Vorschläge und Ideen.

Ab Montag, 25. Juni, bis einschließlich Sonntag, 8. Juli, kann der Fragebogen online auf den Internetseiten www.stolberg.de und www.dorv.de ausgefüllt werden.

Zusätzlich erfolgt an zwei Tagen eine Fragebogenaktion am Stolberger Hauptbahnhof: Am Dienstag, 3. Juli, und Mittwoch, 4. Juli, werden zwischen 5.30 und 9.30 Uhr sowie 15 und 20 Uhr Mitarbeiter der DORV Fragebogen verteilen und einsammlen sowie Fragen beantworten.

Im Anschluss an die Auswertung der Befragung der zukünftigen wird Projektleiter Jürgen Spelthann zum Herbst ein Konzept vorlegen und mit den Beteiligten abstimmen, mit welcher Sortiments- und Angebotspalette zu welchen Öffnungszeiten der Kiosk im Stolberger Hauptbahnhof betrieben werden kann.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert