Sozialpsychiatrisches Zentrum: Viel Arbeit vor dem Start

Von: Alexander Barth
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Schnelle Hilfe und Betreuung i
Schnelle Hilfe und Betreuung in zentraler Lage: Das Sozialpsychiatrische Zentrum ist seit Februar im ehemaligen Goethe-Gymnasium am Kaiserplatz beheimatet. Foto: A. Barth

Stolberg. Vom Muff einer altehrwürdigen Bildungsanstalt ist kaum etwas zu spüren. Im ehemaligen Goethe-Gymnasium am Kaiserplatz sind heute soziale Einrichtungen, das Jobcenter und Arztpraxen angesiedelt.

Im Februar hat das Sozialpsychiatrische Zentrum (SPZ) Räume in der ersten Etage bezogen. Am 5. September wird der neue Standort offiziell eröffnet. Die sensible Arbeit mit Klienten läuft aber längst auf Hochtouren.

Seit mehr als 20 Jahren engagiert sich der Verein zur Förderung psychisch Kranker und Behinderter in der Region. Seit dem 1. Juli 2007 trägt der Verein das Sozialpsychiatrische Zentrum in Stolberg. Hier werden zahlreiche Unterstützungsangebote gebündelt angeboten und vermittelt. Vor dem Umzug an den Kaiserplatz war man lange Jahre in der Eschweiler Straße beheimatet, berichtet Koordinator Oliver Hannott.

Die neuen Räume seien wegen des höheren Platzangebots ein Glücksfall, auch weil die Zahl derer, die unbürokratisch psychologische Hilfe suchen, konstant gestiegen ist: Im Jahr 2010 hätten 118 Menschen aus dem „Alt-Südkreis”, den das SPZ abdeckt, das Angebot wahrgenommen. 2011 waren es bereits 157. „Der Bedarf rechtfertigt die neuen Kapazitäten”, findet Hannott, uns verweist auf die Einmaligkeit des Hilfsangebots: „In der Region gibt es nur uns.”

Bis zu 25 Menschen suchen täglich die Räume im ersten Stock des ehemaligen Gymnasiums auf. Hilfe finden sie in den vier Arbeitsbereichen des SBZ. Acht feste Kräfte verteilen sich auf die Kontakt- und Beratungsstelle Triangel, das sozialpsychiatrische Kompetenzzentrum Migration, das Ambulante Betreute Wohnen und die Tagesstrukturierenden Maßnahmen. Letzterer ist Kern des täglichen Betriebs. „Die Menschen kommen zum Frühstück, bleiben zu Gesprächen, können sich kreativ ausleben. „Es geht ganz direkt darum, dass sie den Alltag trotz psychischer Erkrankung geregelt bekommen.”

Ein Blick in den Gemeinschaftsbereich verrät: Die Besucher an einem ganz normalen Tag stellen einen Querschnitt durch die Bevölkerung dar. Eine junge Mutter kümmert sich um ihr Kind, während ein Endzwanziger die Spülmaschine befüllt. Im Nebenzimmer legt eine Frau in den Fünfzigern Musik auf. „Die Altersspanne reicht von 18 bis 80”, erklärt Oliver Hannott.

Er sieht in den täglichen Konstellationen durchaus Familiencharakter. Die Klienten kochen gemeinsam, nutzen das Angebot an Sport- und Freizeitaktivitäten. Das Zentrum definiere sich selbst als Teil der Gemeindekultur, ähnlich wie Jugend- oder Kulturzentren. Ralf Einmal ist für die Einzelgespräche zuständig. Er ist beim sozialpsychiatrischen Dienst des Gesundheitsamts der Städteregion angestellt und komplettiert das Angebot im SBZ. „Die Kooperation ist ziemlich einmalig”, sagt er, „Sozialträger und Behörden arbeiten nicht immer so eng zusammen.”

Auch hilft er bei der erwähnten Bewältigung des Alltags, bei Behördenkontakt und grundlegenden Dingen, die durch eine psychische Erkrankung oder Behinderung schwer bis unmöglich werden. Dass es manchmal ganz schnell geht, erklärt Einmal an einem aktuellen Beispiel: „Wir betreuen eine ehemalige Schlecker-Mitarbeiterin, die völlig aus der Bahn geworfen wurde. Da wird das Ausfüllen eines Antrags auf Unterstützung zur absoluten Belastungsprobe.”

Noch immer seien psychische Erkrankungen „mit einem Makel der Selbstverschuldung behaftet”, findet Einmal. Dabei könne niemand etwas dafür, „genauso wenig, wie man selbst schuld ist an einem Herzinfarkt”. Er wünscht sich mehr Akzeptanz für Menschen mit psychischen Problemen. „Das Thema Burnout wird gesellschaftlich diskutiert, ein Anfang, findet Einmal.

Neben den Erkrankten selbst lassen die Mitarbeiter des SBZ auch deren Angehörigen nicht außen vor. „Viele nutzten unser Angebot, in Gesprächsrunden über die Probleme zu sprechen, die in den Familien auftreten, berichtet Oliver Hannott. Trotz verbesserter Bedingungen hält der neue Standort derzeit ein großes Ärgernis bereit.

In der jüngeren Vergangenheit wurde mehrmals eingebrochen, auch das SBZ blieb davon nicht verschont. „Das ist frustrierend und verstörend. Nicht nur wir Mitarbeiter sind aufgewühlt, sondern auch die Besucher, die regelmäßig kommen und die Einrichtung brauchen und schätzen.”
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