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Sommertour: Weitgehend unbekannte Ecken der Stolberger Altstadt

Von: Johannes Mohren
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Zum Abschluss wurde es gemütl
Zum Abschluss wurde es gemütlich: Im Weinlokal „Bodega” des Burgunders Christian Clément am Alten Markt ließen viele unserer Leser den Abend bei einem guten Tropfen ausklingen - und schwärmten vom Erlebten.

Stolberg. Es ist Dienstagabend, 19.45 Uhr - und die erste Lesertour der Stolberger Zeitung im Sommer 2012 ist gerade zu Ende gegangen. Doch viele Teilnehmer sind noch geblieben. Auf ein Glas bei Monsieur Christian Clément aus Burgund, in seinem urigen Weinlokal „Bodega” am Alten Markt im historischen „Kupferhof Rose”.

„Das alles hatte ich noch nie gesehen”, schwärmt Heinz Oeynhausen, lehnt sich zurück und genießt seinen guten Tropfen. Der gebürtige Ostwestfale, der seit nunmehr 40 Jahren in der Kupferstadt lebt, ist immer noch sichtlich versunken in die vergangenen 90 Minuten mit Altstadt-Experte Toni Dörflinger.

Wie es denn auf der Tour gewesen sei, fragt Clément strahlend in die Runde. „Ganz hervorragend, wirklich”, betont Oeynhausen und stößt mit den anderen Lesern unserer Zeitung an. Das gemütliche, stilechte Ambiente am Alten Markt bietet die beste Atmosphäre, um die „Perlen” der Kupferstädter Altstadt noch einmal Revue passieren zu lassen. Es sind unvergessliche Bilder, verewigt auf der inneren Speicherplatte, die wieder und wieder vor dem geistigen Auge auftauchen. Etwa eines, „geschossen” mit Blitz kurz vor 19 Uhr, bei leichtem Gegenlicht, mit dicken Tropfen auf der Linse.

Ein Foto, verknüpft mit einer ganz besonderen Geschichte: Als die Lesergruppe in den frühen Abendstunden am Haus „Am Steinberg 5” ankommt - Station 7 auf der insgesamt 22 Schauplätzen umfassenden Route - hat Toni Dörflinger eine ganz besondere Überraschung parat: „Hier dürfen wir sogar in den Garten”, sagt er. Der Weg zum Haus lässt den ein oder anderen aus dem Lesertross zu diesem Zeitpunkt noch gehörig schnaufen. Einer wahren Bergtour mit hochprozentigen Steigungen gleicht der Weg der Führung passagenweise, nun - bei Hausnummer 5, dem „Behrendtse-Hüsje” - ist der höchste Punkt beinahe erreicht. Und die Belohnung folgt. Durch das schmiedeeiserne Eingangstor geht es auf Steinplatten um das Haus herum auf die Terrasse.

Paradiesisches Panorama

„Wahnsinn”, staunen einige Leser, anderen scheint es für einen Moment die Sprache verschlagen zu haben. Es dauert nicht lange, da werden eifrig die Fotoapparate gezückt. Denn selbst wenn es in diesen Minuten unaufhörlich Bindfäden regnet, die eigentliche Sonnenmarkise dankbar zum Regenschutz umfunktioniert wird und dicke, dunkelgraue Wolken bedrohlich den Himmel behängen, versprüht der Anblick eine schier unglaubliche Faszination. Hoch über den Dächern der Kupferstadt stehen die Teilnehmer der ersten Lesertour dieses Sommers - mit einer Aussicht auf das Stolberger Wahrzeichen, die Burg, die selbst bei diesem Schmuddelwetter von ihrer einzigartigen Schönheit nichts verliert. „Wir sagen immer: Wenn wir zu Hause sind, ist es wunderschön. Aber eh wir mal zu Hause sind.?.?.”, schmunzelt Hausherr Helmut Steffens, der es sich nicht nehmen lässt, unsere Leser selbst in seinem paradiesischen Panorama-Garten zu begrüßen - und über ganz besondere Details in der Historie seines Heims zu berichten.

Es ist nur ein willkürliches Beispiel, einer von vielen bleibenden Eindrücken auf einer Tour durch einen Teil der historischen Altstadt, der selbst eingefleischten Stolbergern noch weitgehend unbekannt ist. „Als ich vor gut zwei Monaten begonnen habe, mich mit diesem Part zu beschäftigen, war das auch für mich völliges Neuland”, berichtet Toni Dörflinger, der das Kupferstädter Stadtarchiv wohl so gut kennt wie kaum ein anderer. „Jeden Montag bin ich da”, erzählt er. Für seine SZ-Serie „Aus alt mach Neu”, die stets in der Mittwochausgabe erscheint, begann er mit Recherchen, sah Urkunden ein, sprach mit den heutigen Bewohnern, entschlüsselte, kombinierte - und erweckte so die alten Bauten im Viertel zwischen Vogelsang-, Graben- und Grüber-straße, Am Steinberg und dem Alten Markt nach und nach zum Leben.

Die Erkenntnisse verarbeitete er dann auch zur Führung - ganz zur Freude der Lesergruppe: „Man lernt die eigene Heimat einfach ein bisschen besser kennen - es gibt immer Neues zu entdecken”, freut sich „Mr. Lesertouren” Günter Thoma. Immer, wenn es im Sommer wieder losgeht, bemüht er sich um die meist heiß begehrten Plätze - oft ist er dann auch dabei.

Italienisches Flair

Ihm hat es besonders die Grüber-straße angetan, „geknipst” um 19.25 Uhr. „Die einzige nicht befahrbare Straße in Stolberg, sie ist einfach zu schmal”, betont Dörflinger. Ein echtes Unikat also. Und eine Gasse, die ganz offensichtlich italienisches Urlaubsflair weckt. „Einfach nur idyllisch, fast wie Klein-Venedig”, strahlt ein begeisterter Thoma. Seinen Nachbarn erinnert die enge, einseitig bebaute Gasse an die Kleinstadt Volterra in der Toskana, 50 Kilometer südlich von Pisa, „nur dass dort an beiden Seiten Häuser stehen”. Lediglich das Grau des Kupferstädter Himmels und die knappen 18 Grad stören ein wenig auf der gedanklichen Reise ins schöne, meist sonnige, Italien.

Es ist eine der letzten Stationen auf einem Weg, der viel mehr zu bieten hat, als hier nun niedergeschrieben werden kann. Etwa all die spannenden „Geschichten drumherum”, die Georg Bücher so gut gefallen haben, der aus Kohlscheid zur Lesertour anreiste und „gerne wiederkommen” möchte. Oder die persönlichen Begegnungen an vielen Häusern, die die Führung bereichert haben sowie die lebendigen Berichte und bewegenden Geschichten des ausgesprochenen Altstadt-Kenners Toni Dörflinger an allen 22 „Haltestellen”. Und nicht zuletzt die unglaublichen, exklusiven Einblicke in das Kupferstädter Altstadtleben. „Einfach einzigartig”, ist sich die abschließende Weinrunde einig.
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