Stolberg - Sommertour: Kraus‘ Konterfei ziert Spirituosen und Biosenf

Sommertour: Kraus‘ Konterfei ziert Spirituosen und Biosenf

Von: Heike Eisenmenger
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Haben Spaß in der Folterkammer: Shinya Yonemits (rechts) und Nobuyuki mit Bernard Lorenz. Foto: H. Eisenmenger
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In der Folterkammer steht auch ein Eisenkäfig, der heute keinem mehr Respekt abverlangt...
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Dieses Mädchen traut sich in das gefährlichste Zimmer der Burg: in das Trauzimmer. Das „Brautpaar“ lässt sich nicht irritieren.
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Senfprobe im Turmzimmer: Andy Furcht versorgt unsere Leser mit Senfsorten verschiedener Geschmacksrichtungen. Dazu werden Schnaps und Met gereicht.

Stolberg. Monika Lück, liebvoll von den Stolbergern „Burgprinzessin“ genannt, ist eine Frau, die nicht lange um den heißen Brei herumredet. So wurden denn auch die Teilnehmer unserer Sommertour für Zeitungsleser am Dienstag gleich mit den Tatsachen konfrontiert. „Ich darf Sie herzlich zur kulinarischen Führung durch die Burg begrüßen. Aber ehrlich gesagt ist das eine Schnapsdrosseltour“, verriet die Pächterin der Burggastronomie den 27 Lesern fröhlich.

Warum eine Führung durch Stolbergs Burg dieses Mal mit dem Genuss von Hochprozentigem einhergeht, erklärt sich durch den jüngsten Einfall der Gressenicherin, die sich auf die Fahne geschrieben hat, die Vorzüge ihrer Heimatstadt über die Region hinaus bekannt zu machen: Seit wenigen Wochen gibt es Spirituosen und Biosenf mit dem Konterfei von Burgstifter Max Kraus beziehungsweise der Burg als Erkennungszeichen zu kaufen. Marille, Brombeere, Schlehe, Holunder und Tanne – das sind die fünf Geschmacksrichtungen, durch die sich die Besucher beim Rundgang probierten.

Eine Führung mit Augenzwinkern

Gleich bei der ersten Station im ebenerdigen Burgrestaurant hieß es „Prost!“ Die Teilnehmer fanden diese Variante einer Führung großartig, weil von Beginn eine lockere, entspannte Atmosphäre in der Gruppe herrschte, was vor allem an Lück lag, die durch ihre herzerfrischend ehrliche Art punktete.

Es war eine Führung mit einem Augenzwinkern, die aber auch deutlich machte, welches Potenzial in Stolberg schlummert. Es muss nur „erweckt“ werden, so wie Dornröschen vom Prinzen wachgeküsst werden musste. Die Prinzessinnentitel hat Monika Lück inoffiziell bereits, was jetzt noch fehlt, ist – bildlich gesprochen – ein Prinz. Im privaten Leben hat Monika Lück in Andy Furcht ihren Prinzen gefunden. Der 52-Jährige war für den Ausschank und Infos rund um den Entstehungsprozess der Produkte zuständig.

„Hier geht der Schnaps immer mit“, sagte Joseph Sieprath (68) mit Blick auf Lücks Lebensgefährten, der vorweg ging, um auf jeder Etage die Besucher mit einem „Kurzen“ empfangen zu können.

Besonders beeindruckt waren die Besucher vom Rittersaal samt Foyer. „Es ist unglaublich, wie sehr sich die Burg verändert hat. Als wir vor Jahren hier die Hochzeit unserer Tochter feierten, sah es hier ganz anders aus. Damals haben wir noch Bäumchen ins Foyer bringen lassen, damit es wenigstens ein bisschen besser aussah“, erinnert sich eine Teilnehmerin an eine Burg mit dem Flair eines DDR-Landschulheims.

Den Rittersaal zieren seit Lücks Einzug große Gemälde aus längst vergangenen Zeiten. Auf einigen sind prominente Stolberger in Öl festgehalten. Die Bilder hat Monika Lück aus Kellern, Dachspeichern und Abstellräumen städtischer Einrichtungen zusammengetragen. „Das war wie auf Schatzsuche“, erzählte Lück. Die Zuhörer konnten es kaum glauben, aber was zählt, ist, dass die Bilder mit Unterstützung der Stadt nun endlich wieder der Öffentlichkeit zugänglich sind.

Vom Rittersaal ging es ins Trauzimmer, den „gefährlichsten Ort der Burg“, so Lück. „Wissen Sie, man kann auf der Burg nicht nur heiraten: Wenn Sie nicht heiraten wollen, mache ich auch gerne Scheidungen“, flachste Monika Lück.

Unter den Besuchern waren auch zwei Brüder aus Japan, Shinya Yonemits und Nobuyuki, die eine befreundete Familie in Stolberg besuchen. „Ich habe den Jungs gesagt: ‚Kommt, heute machen wir eine Schnapstour’“, erzählte Bernard Lorenz lachend und übersetzte das Gesagte ins Englische. Die jungen Männer grinsten, und der 22-jährige Shinya erwiderte: „Hoch­prozentiges haben wir auch in Japan.“

Weiter ging es über einen Zugang ins ehemalige Bürgermeisterzimmer. Es ist ein wunderschönes kleines, rundes Zimmer, das Lück behaglich hergerichtet hat. Leserin Agi Ruskowski zückte die Kamera, hielt aber dann doch inne: „Darf man hier überhaupt fotografieren?“, fragte sie unsicher. „Aber natürlich“, antwortete Lück. So selbstverständlich ist das keineswegs, denn nicht wenige Burgen verdienen mit dem Verkauf von Ansichtskarten ein Zubrot und verbieten aus diesem Grund das Fotografieren, erzählte Andy Furcht.

Eisenkäfig und schwere Ketten

Eine der Stationen beim Rundgang durch die Burg führte die Besucher in die Folterkammer. Es entbehrt nicht einer zarten Ironie, dass die Folterkammer von Lücks Liebe zum Detail zeugt. Eine Streckbank gehört ebenso zur Grundausstattung wie ein Eisenkäfig oder Ketten, die im Gemäuer verankert sind.

Ein Rundgang durch die Burg ist kräftezehrend – es wurde Zeit für eine Brotmahlzeit mit echtem Stolberger Senf. Hergestellt wird der Biosenf, wie auch die Spirituosen, in Zusammenarbeit mit der Burg in Bad Münstereifel. „Wir wollen einen Burgring, eine Gemeinschaft der Burgen, schaffen. Zwei sind wir schon“, erzählte Lücks Lebensgefährte und reichte auf einem großen Holzbrett ofenfrisches Bauernbrot.

Es braucht nicht viel, um wahren Genuss zu erleben. Im konkreten Fall reichten frisches Bauernbrot, körniger Biosenf, Met und die mittelalterliche Kulisse der Burg, um die Besucher zu begeistern. „Probieren Sie mal den Champagner-Senf. Herrlich, er hat eine ganz feine Note“, befand Rita Thoma und biss träumerisch in ein bestrichenes Brotstückchen. Auch die Sorte Feigensenf sorgte für viele „Ahs“ und „Ohs“.

Aber vor allem war es die alte Burg in neuem Gewand, die unsere Leser bei der etwas anderen Führung entzückte.

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